Laufen und Klönen in Trier

Es wurde schon viel geschrieben und viele Bilder gepostet, bei Rainer und bei Anne, und sicher kommt noch mehr bei den anderen Teilnehmern, Doris, Gerd, Martin und natürlich Volker. Aber ein Treffen von Läufern, die sich teilweise nur virtuell gekannt hatten ist auch keine alltägliche Angelegenheit. Deshalb hier noch kurz mein persönlicher Beitrag.

Anreise am Vatertag mit der ganzen Familie, allerdings nicht mit dem Bollerwagen, sondern mit dem Auto nach Trier, schon bald treffen wir im Trierer Stadtteil bei Rainer ein und beziehen unsere Ferienwohnung. Mit Herzlichkeit und Freundlichkeit werden wir aufgenommen und es ist fast so, als ob wir uns schon Jahre kennen, was ja auch so nicht ganz falsch ist, leider nur virtuell. Nach dem Beschnuppern bei heißem Kaffee, geht es los zum ersten “Quassellauf”, wobei ich das Tiergartental, das kleine und das große Biest und schon bald auch Anne und Doris kennen lernen darf. Und was soll ich sagen, es passt. Keine Animositäten, keine Enttäuschung. Die ersten 100 Minuten vergehen im Flug und ich konnte mich schon aufs Abendessen mit noch weiteren netten Menschen freuen.

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Am Abend darf ich dann noch den Pfälzerwaldläufer Martin und seine Frau kennenlernen. Es ist kurzweilig und das Essen richtig lecker. Ein Absackerbierchen in Rainers Wohnstube machen dann schon Lust auf das professionelle Sightseeing – Rainer als kompetenter Fremdenführer – und Rahmenprogramm in Trier. Hier verweis ich mal auf den Beitrag auf Rainers Blog ;-)

Wein, Weib und Gesang folgen am Abend, obwohl alles Drei eher spärlich genutzt wurde in Erwartung auf den Lauf am Samstag. Dennoch hatte der Freitag noch zwei Highlights für mich persönlich parat, ich durfte endlich Gerd (DiRo) treffen, nachdem wir uns schon 5 Jahre virtuell begleitet hatten und auch Volker, das kühle Nordlicht :mrgreen: der mir auf Anhieb total sympathisch war. Seltsam, keine Enttäuschung, keine falsche Vorstellung, es passte noch mehr und es wurde ein klasse Abend.

Am Samstag dann der gesellige Lauf, auf den ersten zehn Kilometern in großer Gruppe. Lauffreunde von Rainer begleiteten die Laufbloggerrunde und trugen viel Wissenswertes zu den Aussichten und Ausblicken bei, Danke an dieser Stelle für die Fülle an Informationen.

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Die Laufrunde wurde dann noch um ein paar Höhenmeter zu viert erweitert, was landschaftlich einfach beeindruckend war, aber mir aufgrund von Schlafmangel, ungewohntem Alkoholkonsum und für mich zu hohem Tempo einiges an Reserven abverlangt hat. Aber das anschließende Grillen und Klönen hat das schnell vergessen lassen und der Abend ging dann viel zu früh zu Ende.

Wäre das ein Ausrüstungs-Test würde jetzt das Fazit folgen, aber das lässt sich leider in diesem Fall gar nicht so einfach in Worte fassen. Phantastisch, freundlich, warmherzig, überraschend und absolut ohne Enttäuschung verliefen diese drei Tage in Trier und machen Lust auf eine Wiederholung. Mein ganz spezieller Dank gilt nochmals den Initiatoren und Organisatoren, Anne und Rainer. Es war einfach toll, was ihr da auf die Beine gestellt habt. Ich freu mich schon aufs Wiedersehen mit jedem Einzelnen, den ich kennenlernen durfte.

Salut

Christian


Intervall am Sonntag

Leider habe ich die letzten zwei Wochen kaum noch Zeit gefunden meine Freizeit zu strukturieren, weil sie de facto nicht existiert hat, sprich Laufen nur maximal 45 Minuten und andere Blogs lesen war gar nicht drin. 14-15 Stunden pro Tag mit Arbeit zugeschüttet und selbst am Wochenende sah es nicht besser aus. Manches muss leider erledigt werden, nur ist es fast schon selbstverständlich, dass gleich mehrere solche zeitnah zu erledigenden Dinge auf einmal aufschlagen. Aber es ist ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen und mir scheint, dass gerade heute ich sogar den Tunnel ganz verlassen habe, auf jeden Fall was das Laufen betrifft 8-)

Gestern ging es im Nieselregen eine starke Stunde durch den Wald, was mich maximal erfrischt hatte, so dass ich mich wieder in die Arbeit stürzen und sehr viel mehr erledigen konnte, als ich mir vorgenommen hatte. So blieb mir heute Zeit für Familie und für einen Lauf von mindestens zwei Stunden. Die Sonne brannte und Menschenmassen waren unterwegs, also musste ich mich entscheiden, wohin mich meine Füße tragen sollten. Da ich Mitte der kommenden Woche zu einem Treffen von Laufbloggern aufmache und dort lauter Marathonis und Ultras auftreten, wollte ich heute für mich eine kleine Duftmarke setzen. Leider reichen zwei Stunden dafür nicht, aber vielleicht können mich Höhenmeter befriedigen? Aber für 600 bis 1000 Höhenmeter brauch ich auch mindestens 25-40 Kilometer, also blieb mir nur eine bekannte Strecke mit definierten Höhenmetern mehrmals zu laufen, ganz frech nenn ich das mal Bergintervalltraining, obwohl es nur ein Hügel ist und ein Training ist es sowieso nicht, aber eine Herausforderung. Zwei Strecken kommen in Frage, die eine erfordert 6 Kilometer Anlauf und hat knapp 200 Höhenmeter mit Steigungen bis 27%, die andere braucht nur knapp 3 Kilometer Anlauf und hat 130 Höhenmeter mit maximaler Steigung von 21%. Ich entschloss mich für die zweite Variante und hatte mir mindestens vier Intervalle vorgenommen. Mit 700 Milliliter Wasser bewaffnet lief ich dann los, die Luft war schwülwarm bei 22-23°C, die Sonne brannte unerbittlich und mir schwante schon der Durst, den ich erleiden muss bei meinem Vorhaben. Abgelenkt wurde ich dann von dem hier residierenden Storch, der mich in niedriger Höhe überflog.

Zum Anfassen nah am blank geputzten Himmel

Zum Anfassen nah am blank geputzten Himmel

 

Als ich den Startpunkt für das erste Bergintervall erreicht hatte, schaute ich kurz auf die Herzfrequenz und öffnete den Reissverschluss an meinem Shirt, kurz nach dem Beginn der Steigung überholte mich ein Mountainbiker und enteilte mit einem Vorsprung von ca. 30 Metern. Im Verlauf der Steigung konnte ich dann wieder aufschließen, allerdings schoss er auf der ersten flacheren Strecke davon. Nicht lange, denn das steilste Teilstück kommt zum Schluss und da hatte ich ihn dann wieder gestellt, er quittierte dies mit einem gequälten Grinsen. Meine Beine waren locker und ich war zufrieden, ich lief zurückhaltend wieder hinunter und startete sogleich zum nächsten Intervall, welches zum Schluss etwas anstrengender wurde ob der Hitze, aber mein Körper erinnerte sich rasch daran, wie er sich wieder erholen konnte und so war ich bergab wieder erfrischt und nach ein paar Schlucken Wasser fühlte ich mich fast schon ausgeruht ;-) Das dritte Intervall war dann das Schwerste, ich zweifelte an meinem Vorhaben noch einmal den Anstieg zu nehmen und entschloss mich erst an der Talsohle zu entscheiden. Die Gedanken Schluss zu machen waren dort jedoch verschwunden und nur die Beine wollten Ruhe, also nahm ich Nummer Vier unter die Füße. Überraschenderweise lief es fast von selbst und obwohl die Zunge am Gaumen klebte konnte ich mir ein Lächeln nicht verkneifen als ich oben ankam. Ich leerte den letzten Schluck aus der Flasche und trat den Heimweg an, nicht ohne ein sehr zufriedenes Grinsen im Gesicht zu tragen, welches weiter anhält :-P

Ich liebe die Höhenprofile von Intervallen ;-)

Ich liebe die Höhenprofile von Intervallen ;-)

 

Zufrieden und glücklich sitz ich jetzt hier auf der Couch und freu mich tierisch auf das kommende verlängerte Wochenende an der Mosel, hasta la vista….

 

Salut

Christian


Ausrüstungs-Test: Salomon S-Lab Sense und Sense Ultra

Neue leichte, nicht minimalistische, aber minimale Trailschuhe, vollkommen überdimensioniert für einen Hobby-Läufer. Dennoch erzeugen sie einen extremen “Haben-will” Effekt bei Menschen wie mir. Bereits der first-look – ich liebe diese katastrophalen Anglizismen – des Sense hatte mich überzeugt, so dass der Sense Ultra noch folgen musste. Nach vielen Läufen bei schlechten und noch schlechteren Bedingungen im nahen Umland und auch im Voralpenland will ich hier kurz meine Erfahrungen veröffentlichen.

Ich sehe nur noch rot!

Ich sehe nur noch rot!

Ein schönes Paar, wenn auch schon schmutzig

Ein schönes Paar, wenn auch schon schmutzig

Verarbeitung und Ausstattung

Beide Modelle sind mit knapp 200 und 215 Gramm in Größe UK 9  sehr leicht und mit einer Sprengung von 4 Millimeter auch sehr direkt. Offensichtliche Verarbeitungsfehler waren an beiden Modellen nicht feststellbar. Die leichten Schuhe sind sehr gut verarbeitet, keine störenden Nähte an der Innenseite und ein interessantes Obermaterial, was sich sehr angenehm anfühlt, komplettieren den ersten Eindruck. Die Zehenbox bzw. der gesamte Vorfußbereich ist sehr eng geschnitten, beim Ultra noch etwas enger. Die niedrig profilierte Sohle ist bei beiden Modellen etwa gleich stark gearbeitet, allerdings beim Sense in der Farbe weiß und beim Sense Ultra in schwarz. Vom Anfassen scheint das schwarze Material etwas robuster, beschwören könnte ich es jedoch nicht. Aber vielleicht soll genau dieser Unterschied, die vom Hersteller unterschiedlich eingeräumte Haltbarkeit bedingen? Der Sense Ultra hat dazu noch in der Mitte und an der Ferse eine stärkere Profilierung, was sich v.a. beim Bergablaufen bemerkbar macht. Die  Sohle ist ordentlich mit dem Obermaterial verbunden und das Salomon eigene Schnürsystem Quicklace™ mit Schnürsenkeltasche macht einen guten Eindruck.

Der feine Unterschied

Der feine Unterschied

Tragekomfort und Praxistauglichkeit

Beim ersten Anprobieren sind beide Modelle, trotz des engen Vorfußbereichs sehr bequem. Beim Laufen bietet diese enge Passform eine gewisse Stützung, was ich als gar nicht unangenehm empfinde, denn normalerweise sind die minimalistischen Modelle eher weit geschnitten. Im Gelände lassen beide Sense Ausführungen ein sehr direktes Gefühl aufkommen, was sicher auch an der geringen Sprengung von 4 Millimeter liegen mag. Die Schuhe sitzen auch im Fersenbereich sehr gut und die Quicklace™-Schnürung lässt sich optimal einstellen, so dass auch bei einem hohem Rist nichts zwickt oder drückt. Auch ohne Strümpfe lassen sich beide Modelle sehr gut laufen, das Innenmaterial ist beim Sense Ultra sogar etwas gefälliger und fühlt sich sehr angenehm auf nackter Haut an. Blasen oder Druckstellen oder gar ein Aufscheuern der Haut hatte ich bisher noch nicht.

Die Sohle bietet auf Waldboden und auch nassem Terrain einen guten Grip. Bei matschigem Untergrund ist beim Sense etwas Vorsicht, insbesondere beim bergab Laufen, geboten, da das Profil an der Ferse und im Mittelfußbereich fehlt. Da ich bergab nicht auf dem Vorfuß unterwegs bin, sondern eher, je nach technischem Anspruch und Konzentration, auf dem Mittelfuß und teilweise auch über die Ferse abrolle, wird es bei nassem und matschigem Untergrund schon etwas abenteuerlich. Wie das ein Downhill-Profi wie Kilian Jornet meistert ist mir rätselhaft, aber da er massgeblich an der Entwicklung beteiligt war, muss er ja damit gut klar kommen. Asphalt scheint den Sohlen nicht viel auszumachen, da ich ja fast immer “door-to-trail” unterwegs bin und deshalb meist 5-6 Kilometer über Asphalt muss, kann ich das schon ganz gut beurteilen auch wenn ich bisher beide Schuhe je nur knapp 100 Kilometer gelaufen bin.

Dynamik pur!

Dynamik pur!

Der Komfort beim Laufen ist gut und eine stärkere Dämpfung habe ich bisher nicht vermisst, das Gewicht ist gering, so dass ich meist die Schuhe nicht als Last wahrnehme. Beide Modelle sind natürlich nicht wasserdicht, aber sie trocknen extrem schnell, was ich schon mehrmals bemerkt habe. Nach wenigen Minuten ist der Schuh innen wieder trocken, das hat mich beeindruckt.

Der Sense Ultra in Aktion

Fazit

Wie ich bereits beim ersten Antesten des Sense geschrieben habe sind die Schuhe zwar sicher nicht für meine Ansprüche gemacht, aber ich bin ziemlich begeistert. Die leichten Schwächen, was das Bergablaufen v.a. im Sense angeht kann man verzeihen, denn das liegt wohl an meinem nicht optimalen Laufstil bergab und es ist ja nicht immer nass und matschig ;-) Das geringe Gewicht und die sehr gute Passform sowie das tolle Laufgefühl, auch für einen Minimalisten, machen den Schuh zu einem optimalen Laufschuh für den Geländelauf, wie ich ihn praktiziere. Auf die Haltbarkeit im Dauertest bin ich noch gespannt und werde berichten, wie sie sich dann nach tausend Kilometer geschlagen haben, jedoch bin ich zuversichtlich und vor allem den Sense Ultra kann ich nur wärmstens empfehlen. Der Sense ist wohl eher ein Wettkampfschuh, aber wenn jemand keine Wettkämpfe bestreitet, so wie ich, taugt er auch für Laufausflüge bis 30 Kilometer ohne dass böse Überraschungen drohen. Das niedrige Gewicht beider Modelle ist für einen Trailschuh schon etwas Besonderes, das habe ich bisher nur bei den Modellen von inov-8 erlebt.

Salut


Ärgernis

Am Wochenende konnte ich endlich wieder stundenlang meine gewohnten Trails belaufen, sie waren fast alle noch da, allerdings wurde einer meiner Lieblingstrails durch Forstarbeiter fast komplett zerstört. Seither war es ein gut versteckter und sehr schmaler Trail, der sich über einen Kilometer sanft den Hang hinauf zog, es gab sogar ein paar steinige und mit kleinen Findlingen gespickte Abschnitte. Der Pfad war oder ist noch ein Teil eines regionalen Wanderweges, der aber nicht sonderlich gut ausgeschildert ist, weshalb er auch nur wenig belaufen wird und auch nur selten – wie die Spuren bisher zeugten – von Mountainbikern befahren wurde. Seit dem letzten Wochenende hat er aber definitiv jedes dieser Attribute verloren. Bereits am Einstieg an einer Forstautobahn zeugten heftige Fahrspuren von schwerem Gerät, die sich aufgrund des feuchten Bodens tief eingegraben haben und den schmalen Single-Trail auf das vier- bis fünffache verbreitert haben.

Das war einmal ein versteckter schmaler Trail

Die umgebende Abholzung macht das Bild noch wüster

Am Hang selbst wurden viele gestandene Bäume abgeholzt und viele Baumstümpfe erzählen von einer vergangenen Pracht. Ich kann es leider nicht nachvollziehen, da die Bäume hier eher weit auseinander standen, ich kann hier nur wirtschaftliche Interessen vermuten. Leider musste hier ein Stück unberührten Waldes weichen und ganz nebenbei wurde auch ein einsamer Pfad und Wanderweg zerstört. Ich bin einfach nur fassungslos ob den Eindrücken :-(

Dennoch konnte ich viele Kilometer auf einsamen Waldwegen laufen und mich grenzenlos entspannen, am Samstag war das Wetter zwar unentschlossen und überwiegend konnte ich unter dicht bewölktem Himmel meine Bahnen ziehen, jedoch begann der Lauf im leichten Nieselregen was mich schon mal heiter gestimmt hatte. Am Sonntag dann am späten Vormittag zeigte sich die Sonne und ich durfte den einen oder anderen Strahl auf meinem Lauf erhaschen. Die Temperaturen schwankten zwischen 5 und 9°C und der kalte Nordostwind drehte während meines Laufs auf Nordwest, was mir nahezu durchgehend Gegenwind bescherte, was im Wald zwar nicht ins Gewicht fiel, aber auf der Höhe dann schon unangenehm war. Aber wenigstens konnte ich auf die bislang unentbehrlichen Handschuhe während des gesamten Laufs verzichten.

Wirkt fast herbstlich…

Der Waldboden ist immer noch übersät vom Herbstlaub, was den nassen und teilweise tückisch matschigen Untergrund zu einem überraschend anspruchsvollen Terrain hat werden lassen. Das erste zaghafte Grün an den Büschen und Bäumen lässt sich langsam blicken, aber man muss schon ganz genau hinschauen, überwiegen tut noch das Graubraun des Winters. Am Sonntag durfte ich dann auch den Abstieg durch die Weinberge mit vielen Spaziergängern teilen und auch die ersten Familienausflügler mit Fahrrädern waren unterwegs. Es scheint, als ob ich mich auf publikumsreiche Läufe in den nächsten Wochen einstellen muss. Jedoch spätestens bei Temperaturen über 25°C und schwül warmer Wetterlage bin ich dann wieder (fast) alleine unterwegs. Ein letztes Ärgernis war dann noch ein Rudel – ca. sechs – Königspudel auf einem eingezäunten Gartengrundstück, die neben mir hersetzten mit lautem Gebell und Geknurre, was per se nicht gefährlich war, aber mir dennoch etwas Unbehagen bereitete und alte Erlebnisse und Ängste wieder hochkommen hat lassen. Schon seltsam, wie einem so etwas zusetzen kann 8-)

Endlich etwas wärmer

Genug geärgert, ich geh jetzt laufen….

Salut

Christian


Pappsatt

Ja, pappsatt bin ich jetzt nach dem  nahrhaften und überaus gesunden Abendessen, dazu später mehr. Pappsatt bin ich aber auch was das Laufen an diesem Wochenende angeht. Für jeden Geschmack war etwas dabei und der scheidende Winter hat sich mir nochmal von seiner unangenehmen Seite gezeigt. Aber dennoch hege ich keinen Groll und freue mich auf den nächsten Winter.

Am Samstag hatte ich den halben Tag mit Fortbildung verbracht, so dass ich am Nachmittag erst zum Laufen gekommen bin. Die Bekleidungsfrage war schwierig und die Entscheidung konnte nur falsch sein. Das Thermometer zeigte 11°C aber es hat ein scharfer und kühler Wind geblasen, so dass durch den sog. “windchill” die gefühlte Temperatur bei 5-6°C lag, wohlgemerkt im Tal. Auf den Höhenlagen war es teilweise noch kälter und der Wind noch stärker. Dennoch lief ich mit kurzer Tight los, allerdings Mütze und Handschuhe von Anfang an am Mann. Zum Warmlaufen durch die Weinberge auf 5 Kilometer die 250 Höhenmeter überwinden sorgt für eine konstante Wohlfühltemperatur, im Wald dann über matschige und teilweise mit Schnee bedeckten und sogar vereisten Trails kreuz und quer und schön wellig. Die Sonne schien die ganze Zeit etwas verhalten, aber der angekündigte regen war ausgeblieben, was mich etwas misslaunig gemacht hatte. Aber die teilweise herrlichen Geländepassagen entschädigten für den nicht gelieferten Regen. Die nackigen Waden wurden glücklicherweise nicht so kalt, wie ich befürchtet hatte aufgrund der immer wieder knackigen und kurzen Rampen, die ich hoch musste. Der Salomon Sense machte einen guten Job, allerdings habe ich auch seine Schwächen kennen lernen dürfen, bergab auf glitschig schlammigem Untergrund ist der Grip weg, keine Chance. In Situationen, in denen der Salomon FellCross noch etwas Spielraum für Tempokontrolle lässt, ist der Sense bereits aus dem Spiel und der damit beschuhte Läufer muss mit viel Vorsicht und Gefühl das Tempo verringern um nicht unkontrolliert dahin zu rutschen, dennoch hat es Spass gemacht ;-)

Das Höhenprofil vom Samstag

Nach knapp zehn Kilometern auf Waldpfaden und durch matschige Wiesen war es dann auch gut und ich wandte mich wieder asphaltierten Wegen zu, leider führt kein Trail zu meiner Haustür. Der “Einsau-Faktor” war mal wieder extrem hoch und lag bei einer glatten Zwölf auf der Skala von Null bis Zehn, so dass ich gezwungenermaßen die Kleidung bei den eisigen Temperaturen an der Haustür ablegen musste, hoffentlich hat mich keiner der Nachbarn gesehen :-P

Heute war ich dann versucht mal wieder einen Impuls zu setzen, so wie es auch Margitta in der vergangenen Woche aufgegriffen hat. Bereits im Februar hatte ich Lust auf Tempo und hatte mich dem Rausch der Geschwindigkeit hingegeben. Heute wollte ich etwas strukturierter vorgehen und eher Tempohärte trainieren. Beschuht mit den FiveFingers, startete ich zum Warmlaufen, nach knappen drei Kilometern im moderaten Herzfrequenzbereich, sollten dann die ersten fünf Kilometer in einer Pace von 5:00 Minuten pro Kilometer folgen. Anfänglich musste ich noch durch den Blick auf die Ambit die Pace kontrollieren, nach zwei Kilometern hatte ich ein Gefühl für das Tempo entwickelt und in der Auswertung standen dann 4:55 bis 5:04 Minuten pro Kilometer zu Buche. Die nächsten fünf Kilometer sollten dann mit 4:30 Minuten pro Kilometer erledigt werden, was hart war, insbesondere auf den letzten zwei Kilometern war dann eine lang gezogenen Steigung mit 80 Höhenmeter zu bewältigen, so dass hier die Pace schnell auf 4:40 zurückging, aber ich konnte einfach nicht mehr forcieren. Dennoch hat es wahnsinnig Spass gemacht und ich wurde von einem leichten Nieselregen bei 9°C begleitet. Aufgrund des Regens war der Radweg an der Rems entlang auch ziemlich verlassen und ich konnte mich vollkommen der Geschwindigkeit hingeben. Für manch schnellen Läufer ist das zwar Pille-Palle, aber für mich war das schon “flott”. Die Oberschenkel haben beim Auslaufen richtig schön gekocht und gebrannt, nettes Gefühl :-)

Kaum zu Hause und nach der obligatorischen Dusche habe ich mich dann an den Herd gestellt und ein gesundes Abendessen für die Familie und mich gezaubert, Räuchertofu in Chilli-Olivenöl anbraten, Gemüse, Knoblauch und Zwiebel sowie Gewürze zugeben und dann mit Quinoa, der in einer Gemüsebrühe gekocht wurde aufgefüllt, je nach Geschmack mit Parmesan Flocken und/oder gerösteten Pinienkernen serviert. Ich habe fast die halbe Pfanne alleine gegessen. Zum Nachtisch dann noch Obstsalat mit einem herrlich aromatischen Granatapfel als Highlight, hmmmmmmmmm, lecker.

Tofu-Gemüsepfanne mit Quinoa

In diesem Sinne, noch einen schönen Sonntagabend.

Salut

Christian


Gibt es DEN Schuh?

Wer mein Laufleben und -erleben verfolgt hat, weiss, dass ich immer auf der Suche bin. Ich suche und versuche das für mich Neue. Das Ungewöhnliche und v.a. das Unkonventionelle reizt mich. Leider hatte ich immer wieder orthopädische Probleme, sowohl mit den konventionellen Schuhen von Asics und Co, als auch mit den minimalistischen Schuhen. Das sogenannte “natural running” hat mir seit 2010 viel gegeben und hat mich auf eine ganz andere Spur gebracht, ich habe die Leichtigkeit kennen gelernt und ganz tolle Erfahrungen machen dürfen. Aber wie bei den meisten Dingen in meinem Leben, verschreibe ich mich mit Haut und Haaren und v.a. mit Leidenschaft einem solchen Unterfangen. Ich stieß mit den minimalistischen Schuhen an eine Grenze, die Belastbarkeit durch lange Distanzen quittierten meine Füße mit immer wieder auftretenden Knochenhautreizungen, zuerst links und momentan rechts. Bis 10 bzw. 15 Kilometer geht es sehr gut, auch barfuß, aber alles darüber zieht wieder Beschwerden nach sich und das, obwohl ich sehr viel Gymnastik und Stabilisationstraining mache. Auch gibt es keine vernünftigen und tragbaren Alternativen im Winter und bei alpinem Gelände im minimalistischen Schuhsektor für mich, da brauche ich einen guten Trailschuh und den habe ich in den letzten 18 Monaten gefunden, den FellCross von Salomon, wenig Sprengung und super geschnitten bei moderatem Gewicht, aber leider wenig direkt, kein barfuß Gefühl und damit wenig tauglich für mich und meinen Anspruch an einen Schuh. Also was tun?

Weiter suchen, stundenlang im Netz Reviews, meist in englischer Sprache, lesen. Irgendwann hatte ich dann den Sense Mantra von Salomon im Auge, aber wahrscheinlich zu viel “Schuh” für mich, nach einem netten Mail-Austausch mit einem Händler wollte ich dann den Sense Ultra versuchen, allerdings ist der augenblicklich nicht in meiner Größe zu bekommen. Rolli, der Dealer, hat mir dann ein Angebot gemacht für den Sense, der noch leichter und noch direkter sein soll wie der Sense Ultra, was ich nicht ablehnen konnte. Erträgliche 4 Millimeter Sprengung, 200 Gramm Gewicht und eine rudimentäre Zwischensohle waren dann die Kriterien, die mich überzeugen sollten.

Der Schuh zieht den Matsch regelrecht an ;-)

Drei wilde Trailläufe sollten dann die Bewährungsprobe für den Sense werden, bei 18°C und Sonne, bei 7°C und Nieselregen sowie tiefen matschigen Pfaden und bei kühlen 5°C und Dauerregen auf Feld- und Waldwegen, die aufgrund der Wetterverhältnisse die Bezeichnung “Weg” kaum verdient hatten. Was soll ich sagen? Der Schuh ist genial, absolut leicht, kaum am Fuß zu spüren und vermittelt ein fast ungetrübtes Gefühl für den jeweiligen Untergrund. Die profilierte Sohle verrichtet klaglos ihren Dienst auf nassem und glitschigem Terrain aber auch auf festen und geschotterten Feld- und Waldwegen. Er wird als Wettkampfschuh beworben und liegt im obersten Preissegment, es ist ein Schuh für die Cracks und die Profis, kein 0815-Läufer wie ich braucht so einen Schuh wirklich, aber er macht absolut Spass und er erfüllt die Kriterien, die ich an einen Schuh momentan habe, voll und ganz. Umtauschen kann ich den eh nicht mehr, so wie der schon aussieht :-P Der Schuh wird ausgiebig gelaufen in den nächsten Monaten und ich werde dann auch noch einen Ausrüstungs-Test dazu verfassen. Meine Füße fühlen sich aber jetzt bereits sauwohl in den Schlappen.

Auch weiterhin werde ich barfuß laufend unterwegs sein, mindestens 2 mal pro Woche ohne oder mit minimalistischen Schuhen, allerdings nur in geringeren Umfängen und eher bei den regenerativen Einheiten oder Tempoläufen, an denen ich neuerdings wieder Spass gefunden habe. Wenn dann die Füße sich wieder beruhigt haben und das Gefüge stabiler ist, werde ich sehen, wie es weiter geht.

 

Salut

Christian


Laufalter 10!

Was ist denn das? Ich bezeichne damit die Zeit, seit dem ich das Laufen als regelmäßigen Sport betreibe, und jedes Jahr am 10.März wird ein Laufjahr bei mir abgeschlossen, denn an diesem 10.März habe ich meine Läuferkarriere begonnen, es war ein Montag und es ist nun exakt 10 Jahre her. Ich starte somit in mein elftes Läuferjahr. Erwartet habe ich das 2003 nicht, denn schon vorher hatte ich immer wieder versucht das Laufen in meinem Leben zu etablieren, was mir allerdings nicht gelang, ich war eher ein Technikfreak und deshalb waren die Mountainbikes in den Neunzigern eher mein Sportspielzeug ;-) Wer weiss was passiert wäre, wenn ich schon in den späten Achtzigern oder in den Neunzigern beim Laufen gelandet wäre. Keiner weiss es und das ist auch gut so. Ich habe allerdings Hoffnung, dass ich auch in den nächsten zehn Jahren beim Laufen bleiben werde und vielleicht, wenn die Gesundheit mitspielt, noch viel länger.

Salut

Christian


Unerwartet

Nachdem in den letzten Tagen doch wieder Tauwetter eingesetzt hatte – allerdings fast nur in den Talregionen, wie ich am eigenen Leib erfahren durfte – hatte ich mir am Samstag seit langem mal wieder einen Tempolauf vorgenommen, sprich zehn Kilometer mit einer Pace zwischen 4:40 und 5:10 pro Kilometer. Warum? Ich hatte einfach Lust drauf und wollte mal wieder Tempo machen. Laut meinem Trainingstagebuch war der letzte Tempodauerlauf im Jahre 2009 erfolgt, in der Vorbereitung auf den Halbmarathon, von daher war es mal wieder Zeit. Die ersten zwei Kilometer gemütliches Einlaufen, dann fünf Kilometer auf dem Rems-Radweg flach gegen den Strom um dann auf der anderen Seite der Rems wieder zurück und anschließend zwei Kilometer barfuß auslaufen. Hat Spaß gemacht und meine FiveFingers haben mal wieder richtig gefetzt. Ich sollte so was öfters in den Laufalltag einbauen… nee, lieber doch nicht, flach ist einfach nicht mein Ding :mrgreen:

Aussicht!

Aussicht!

Am Sonntag dann ein längerer Lauf alleine, da meine liebe Frau weiter in der Schonphase nach grippalem Infekt verharrt. Das Wetter ist nicht richtig einzuschätzen, wirkt eher wie Novembergrau, allerdings sind die mittäglichen 8°C fast frühlingshaft warm und die Kleiderwahl ist schwierig. 3/4 Tight, langärmliger Base-Layer und die GoreTex-Jacke, das müsste reichen. Die Mütze musste trotzdem mit, die Handschuhe sowieso und ich war später heilfroh. Erstmal rein ins Tal entlang am Bächlein um dann irgendwann eine gemäßigte Steigung hinauf auf die Halbhöhenlage, es war irgendwie nicht mein Tag oder bis dahin nicht mein Lauf, der Spass fehlte, also wieder hinunter durch braune Obstwiesen ins ruhige Remstal. Ohne es zur realisieren zog es mich wieder zum steilen mit Treppen gespickten Anstieg. Die körperliche Herausforderung sollte meinen Lauf retten, so hoffte ich. Als ich nach acht Minuten zum ersten Mal oben angekommen war ich absolut erstaunt und hoch zufrieden, also entschloss ich mich das Ganze zu wiederholen. Ich wählte einen längeren Weg nach unten und konnte so nach einer halben Stunde nochmals angreifen. Die Oberschenkel brannten, aber es hat sich gelohnt, denn ich hatte ein Lächeln im Gesicht, welches dann auch fast festfror aufgrund der Temperaturunterschiede, denn oben lag noch harschiger Schnee und die Temperatur war mit gerade mal 0°C nicht ganz so kuschelig wie im Tal. Ich war froh um die Mütze und die Handschuhe. Nach einer großen Schleife durch die Weinberge war ich dann nach zweieinhalb Stunden wieder zu Hause.

Heute war dann Home-Office angesagt, viel Arbeit die über die letzten Wochen liegen geblieben ist, Rechnungen ablegen, Steuer vorbereiten, Überweisungen erledigen, das Übliche halt ;-) Gegen 9.00 Uhr brach dann die Sonne durch die Wolkendecke und es offenbarte sich ein partieller blauer Himmel. Also etwas schneller durch die Ablage und den Rest wieder in die Schublade gestopft. Eine starke Stunde später stand ich dann bei 2°C und Sonnenschein vor der Tür und begann meine Füße zu bewegen. Die Oberschenkel waren auf den ersten Kilometern noch etwas schwer, aber schon bald fühlte sich das Laufen geschmeidig an und ich betrat nach sechs Kilometern den Wald um sogleich meinen Lieblingstrail unter die Sohlen zu nehmen.

Der Bach kreuzt den Pfad

Der Bach kreuzt den Pfad

Bergab ist auch nicht schlecht

Bergab ist auch nicht schlecht

Der führt erstmal leicht bergab, bevor es steil durch den Schurwald nach oben geht, sozusagen der Sonne entgegen. Sie schien anfänglich noch zaghaft durch die dicht stehenden Stämme der Laubbäume um dann irgendwann mit Macht und einer fast schon unangenehmen Wärme auf mich niederzubrennen, naja ganz so schlimm war es nicht, da die Umgebungstemperatur oben auf der Höhe noch knapp unter Null lag, was mir später noch zum Verhängnis werden sollte.

Den Berg hoch ist mir am liebsten

Den Berg hoch ist mir am liebsten

Blauer Himmel

Blauer Himmel

Die Schneeauflage auf den Forstautobahnen war harschig und teilweise sehr unangenehm zu laufen, weshalb ich mich nach einer kleinen Runde entschloss wieder bergab zu laufen um dann ruhig und entspannt durch Matsch und Morast nach Hause zu schlurfen. Am Rand des Waldes entlang zog sich der Weg mit etwas engen Kurven talwärts, nach einem etwas steilen Stück war es dann passiert, der gesamte Weg war unerwartet total von einer gefrorenen Pfütze bedeckt, deren Ende ich nicht erfassen konnte. Anhalten war nicht mehr möglich und links und rechts Ausweichen ging nicht wegen des Geländes, also schlitterte ich etwas unelegant auf der Eisplatte bis ich mich auf meinem Allerwertesten wiederfand. Den Sturz konnte ich mit den Händen und meinem linken Ellbogen abfangen, so dass mein Gesäß nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde. Allerdings war der Ellbogen sofort schmerzhaft und schwoll nach und nach an, das hätte nun wirklich nicht sein müssen. Die letzten Kilometer wurden so zu einer mäßigen Quälerei, aber das Wetter und die Natur lenkten mich ab, so dass es erträglich blieb.

Einfach grandios!

Einfach grandios!

Matsch, Schnee und Eis

Matsch, Schnee und Eis

Schon bald war ich auf der Talebene angelangt, der Stausee war trotz der Plusgrade noch mit einer fragilen Eisschicht bedeckt, was mich etwas wunderte, aber im Gegenlicht wirkte es fast surreal.

Vereister See im Wald

Vereister See im Wald

Ich war froh als ich zu Hause ankam und meine Wunden lecken konnte, nach der heißen Dusche und etwas Mitleid von meiner Frau war ich dann aber schon wieder versöhnt und ausser dem entstandenen blauen Fleck und einem unangenehmen Schmerz am linken Ellbogen erinnert nichts mehr an den Sturz, der Lauf bleibt mir aber wegen der herrlichen Wetterstimmung in Erinnerung, denn am Nachmittag war schon wieder alles Grau in Grau. Aber wer weiss, vielleicht schneit es ja schon bald wieder oder es fängt an zu regnen, das wäre ja traumhaft :-P

Salut

Christian


Nachschlag

Nach dem phantastischen Lauf am gestrigen Samstag bei diesen wahrlich brillanten Bedingungen, zeigte sich der Morgen heute ähnlich freundlich, jedoch mit -9°C viel zu kalt. Da ich es ja eh nicht so mit dem morgendlichen Laufen habe und meine Liebste leider unter einem Infekt der oberen Luftwege leidet, habe ich den Lauf, der ja deshalb ohne meine Frau stattfinden musste, auf den milden Nachmittag verlegt. Es sollte ein kleiner 10er werden, ganz flach, an der Rems entlang, aber es kam mal wieder alles ganz anders und ausnahmsweise hänge ich mal das Höhenprofil an, weil der plötzliche Sinneswandel sich massiv in dem Höhenprofil abzeichnet :-P

Langsam von vorn, gestartet bei schönstem Sonnenschein Richtung Osten immer flach zwischen Rems und Bundesstrasse, weshalb ich auch Musik im Ohr dabei hatte, denn die Geräuschkulisse dort hat wenig mit Naturerlebnis zu tun. Nach vier Kilometern und unzähligen Spaziergängern und Radfahrern, trotz eisigem Ostwind, habe ich mich auf meine Bedürfnisse besonnen und gegen die Vernunft entschieden, deshalb rechts abgebogen, den Hang hinauf auf einem schmalen Pfad mit vielen unterschiedlich hohen und teilweise natürlichen Treppenstufen.

Steil nach oben

Steil nach oben

Was war das für ein herrliches Gefühl, diese fast 200 Höhenmeter einfach steil nach oben zu rennen, kein Spaziergänger, kein Radler weit und breit. Allerdings schlüpfriger Untergrund mit Eis und nassem Schnee sowie stellenweise Matsch und Pfützen, je nach Sonneneinstrahlung. Auf der Halbhöhenlage war der Wind noch eisiger und er wehte teilweise den lockeren Schnee über die Felder. Dennoch die Aussicht und der blaue Himmel haben mich zum Träumen aufgefordert.

Lange nicht gesehen, das Himmelsblau!

Lange nicht gesehen, das Himmelsblau!

Hier war nun die einzige Chance noch einen Schluck frisches Wasser zu trinken, allerdings ist das Nass extremst kalt, so habe ich mich aufs Anschauen beschränkt. Und das hat sich gelohnt, der Wasserstrahl ist nicht so stark wie sonst und das Wasser spritzt sehr stark beim Auftreffen auf den Wasserspiegel, weshalb sich bizarre Eistrauben am Naturstein gebildet haben. Das sah wirklich absolut genial aus und ich konnte mich kaum lösen von der Eis-Kunst :-)

Der Brunnen ist im Sommer Gold wert

Der Brunnen ist im Sommer Gold wert

Natürliche Eistropfen

Natürliche Eistropfen

Weiter ging es vorbei an noch nicht bestellten und zugeschneiten Feldern, vorbei an Schrebergärten in Richtung auf den Wald. Mein Plan ruhig und regenerativ unterwegs zu sein wurde noch nicht ganz aufgegeben, weshalb ich sehr gemächlich und in Gedanken einen Fuß vor den anderen setzte. Schon bald umfing mich der gezuckerte und teilweise tief verschneite Wald. Obwohl die Wege bereits viel belaufen waren und auch Forstfahrzeuge ihre Bahnen gezogen hatten, war etwas sehr Magisches am Werk, die Sonne, wie sie durch die Bäume schien sorgte für eine ganz besondere Stimmung, einfach unbeschreiblich.

Herrliche Eindrücke

Herrliche Eindrücke

Kein Ende in Sicht

Kein Ende in Sicht

Gespenstischer Sonnenschein zwischen den Bäumen

Gespenstischer Sonnenschein zwischen den Bäumen

Ich schraubte mich weiter durch den Wald nach oben, zuerst auf den Forstwegen und dann auf verborgenen Trails, die nur durch Tierspuren kenntlich waren. es ist schon seltsam, dass die Waldtiere die Pfade benutzen auf denen ich auch unterwegs bin, jede Biegung und jeder Haken ist durch die Spuren markiert gewesen. Scheint ein Fuchs gewesen zu sein. nachdem ich am höchsten Punkt angekommen war, lief ich ein paar Meter bergab um mir eine kleine Pause im Sonnenlicht zu gönnen.

Aussicht genießen!

Aussicht genießen!

Auf dem weiteren Weg bergab entschloss ich mich einen Pfad einzuschlagen, der auf einer Lichtung endet und von der kein Weg in die von mir geplante Richtung führt, dennoch hatte ich schon einen Plan, wie es weiter gehen sollte. Ich überquerte die Waldlichtung und lief den steil abfallenden Hang nach unten in erdachten Serpentinen. Bis ich nach ca. zweihundert Meter wieder auf einen Weg gelangte, der mich quer durch den Wald bis in die Weinberge führte. Ich wollte wieder die Sonne auf meinem Gesicht spüren, weshalb ich ziemlich Gas gab, obwohl der Weg sich leicht wellig bis zum Waldrand hinzog. Endlich in den Weinbergen angekommen drosselte ich das Tempo und genoss den Ausblick und die wärmenden Sonnenstrahlen auf meiner Haut.

Durch die Weinberge nach Hause

Durch die Weinberge nach Hause

Sehr entspannt und mit einem wohligen Gefühl im Bauch sowie einem Lächeln im Gesicht zog ich dann in der Halbhöhenlage meine Bahnen bis ich unter mir meinen Heimatort erblickte. Ich entschloss mich den unterwegs geplanten letzten Schlenker auszulassen und stieg deshalb kurzer Hand über Weinbergstaffeln rasch ab. Der Lauf hatte richtig nach 4,5 Kilometern mit Treppen begonnen und endet ebenfalls mit Treppenstufen. Noch locker ausgelaufen und mit großer Freude auf eine Tasse Kaffee die Haustür geöffnet. Kann es einen schöneren Lauf an einem so herrlichen Sonntag geben?

Zum Schluss noch das versprochene Höhenprofil. Mir gefällt es ;-) Nach 800 Höhenmetern gestern, heute nochmal 500, so kann es weiter gehen :-D

Ich mag den ersten Anstieg ;-)

Ich mag den ersten Anstieg

Salut

Christian


Den Hals nicht voll kriegen…

…so oder so ähnlich ging es mir heute. Es ist schon ein seltsamer Winter, ständiger Wechsel von Regen, Schnee und Sonne, sowie zweistelligen Plustemperaturen und dann wieder frostigen Minusgrade. Aber genau so mag ich ihn und ich bin flexibel, sprich wenn der Winter spontan ist, bin ich es auch. Heute Morgen um kurz nach sechs zeigte mir der Blick aus dem Badezimmerfenster eine weisse Winterlandschaft, also wurde der Plan für den Tag während der notwendigen Rasur und Dusche gestrickt. Eigentlich sollte es mit dem Auto in die Praxis gehen, aber kurz entschlossen packte ich die Laufsachen in die Sporttasche und hetzte zur S-Bahn. Der Plan war von der Praxis am frühen Nachmittag nach Hause zu laufen mit einem kleinen Schlenker auf dem Remstal-Höhenweg. Mein Arbeitsprogramm am Vormittag war straff und anstrengend, gegen 13.00 Uhr war der letzte Patient weg und ich konnte mich satt essen, mit Nudeln und frischem Salat, und die leider notwendige Bürokratie erledigen. Endlich gegen 14.45 Uhr war ich dann soweit, noch eine Tasse Kaffee und rein in die Laufklamotten, leider war der Akku der Cam nicht aufzutreiben, also doch ohne Bilddokumentation loslaufen. Als Reminiszenz an das vorhergehende Wochenende ein noch nicht veröffentlichtes Photo.

Locker und entspannt auf einsamen Trails

Locker und entspannt auf einsamen Trails

Die ersten drei Kilometer durch die Stadt, stetig bergan, sind wie immer zu schnell. Da steht der Wunsch im Vordergrund, die Zivilisation möglichst schnell verlassen zu können. Durch ein gewachsenes Wohngebiet mit schmucken Einfamilienhäusern geht es dann langsam auf die grüne Wiese. Nach einer knappen halben Stunde habe ich dann die Weinberge erreicht und ich schraube mich langsam durch knöcheltiefen Schnee auf der Startetappe des Remstal-Höhenwegs auf die Anhöhe hinauf. Beim Blick über die Schulter kann ich den unerwartet schönen Ausblick auf ein weiß gezuckertes Stuttgart erhaschen, aber mich zieht es in den Wald und hinauf auf den Kappelberg. Schon bald weiche ich das erste Mal von der ausgeschilderten Wanderroute ab um über einen schmalen verschneiten Pfad einen Aussichtspunkt zu erreichen, der einen wunderschönen Ausblick auf den Rotenberg und das Neckartal zulässt. Leider ist der Boden unter der frischen Schneeauflage nur angefroren, darunter ist der Matsch und Morast teilweise enorm, so dass ich das eine oder andere Mal wieder fast einen Schuh opfern muss ;-)

Weiter geht es auf vereinzelten Forstautobahnen, teilweise schmalen Waldpfaden vorbei am Kernenturm bis zum eigentlichen Abstieg nach Stetten, allerdings lass ich das Städtchen links liegen, und damit meine ich nicht, dass ich es ignoriere, nein, ich umkreise es auf der Höhe um den herrlichen Sonnenschein hier oben genießen zu können. Schon bald tauche ich zwischen Obstwiesen und Weinbergen wieder in den Wald ein. Hier bin ich nicht ganz so vertraut mit den Trails, so dass ich auf den ordentlichen Wegen bleibe, obwohl diese aufgrund der Witterung und des forstwirtschaftlichen Verkehrs teilweise eher einem Truppenübungsplatz geähnelt haben, was mich aber ganz und gar nicht gestört hat. Nach einem netten Schlenker auf einem ausgewiesenen Wanderweg stand ich dann irgendwann in einem gepflügten mit Schnee überzogenen Feld. Ich entschloss mich an dessen Rand entlang zu laufen und wieder durch den Wald in Richtung Strümpfelbach hinunter zu laufen. Auf halber Strecke bergab entdeckte ich einen mir bekannten Trail bergauf, welchen ich wie selbstverständlich in Angriff nahm. Der Zustand war jämmerlich, tiefer Morast unter einer nassen Schneeauflage und das ganze durchzogen von oberirdischen Baumwurzeln, das war Schwerstarbeit nach den bereits zurück gelegten über zwanzig angestrengten Kilometern. Doch der Sonnenschein auf der Höhe lockte immer noch, obwohl sich der goldene Ball immer wieder zwischen Wolken versteckte und so langsam auch den Horizont berühren wollte. An diesem Punkt fühlte ich mich jedoch pudelwohl und hatte das Gefühl noch ewig weiter laufen zu können. Ein letzter Abstecher zum nahe gelegenen Aussichtspunkt, bevor ich mich auf die letzten Kilometer bergab durch die Weinberge begeben habe. So langsam umfing mich die Dämmerung und ich begann mich auf eine heiße Dusche zu freuen. Meine Schuhe und Unterschenkel waren braun vom Schlamm und alles begann sich langsam etwas klamm anzufühlen. Zuhause angekommen zog ich dann Schuhe und Strümpfe aus und lief noch einen Kilometer barfuß über eine Schnee bedeckte Wiese in der Nähe, als krönenden Abschluss sozusagen 8-)

Salut und einen schönen Sonntag

Christian


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