Mein Reha-Programm ist abgeschlossen, das Laufen darf wieder intensiviert werden und ich bin gespannt wie es werden wird. Weniger Gymnastik und etwas mehr die Füße ausschütteln. Das Tempo wird vorerst noch verhalten bleiben, aber die Gewohnheit wieder von der Haustür weg laufen zu dürfen und zu können, motiviert mich sehr. Die letzten vier Wochen waren geprägt von der Angst ob der Fuß halten wird und welche Schuhe möglich sind.
Für den Samstag ist ein wunderschöner Trail mit Anlauf über Asphalt geplant, also mussten die f-Lite 195 an die Füße. Ein minimalistischer Allrounder, allerdings sind Socken Pflicht. Den richtigen Zeitpunkt wollte ich abwarten, am besten im strömenden Regen, allerdings begann der Tag mit Sonne und immer wieder aufziehender Bewölkung, aber nur minutenweisem Nieselregen. Am Nachmittag ging dann ein Regenguss nieder und ich schnürte die Schuhe. Kaum war ich vor der Tür brach die Sonne durch und sie begleitete mich bis zum Waldrand. Die Sonne hatte unheimlich viel Kraft und es entstand eine fast schon schwüle Wärme. Umso grandioser waren die Wolkenschiffe.
Die gute Stimmung hielt an und der Weg bergan durch die Weinberge war fast unmerklich zu einem echten Genuss geworden. Die Aussicht auf die umliegenden Dörfer und die grüner werdende Natur liessen mich immer wieder Staunen.
Kaum war ich im Wald angekommen, fing es an zu regnen, nur wenige Tropfen kamen durch das erstarkte Blätterdach, aber der Duft der entstand nahm mir den Atem. Fast wie ein erfrischender Sommerregen, der die Luft reinigt, stieg ein kühler und sehr angenehmer Duft auf. Nach wenigen Metern auf dem Forstweg bog ich hangabwärts auf einen steilen Trail ab, diesen hatte ich schon lange im Auge, allerdings konnte ich bisher dort noch nicht laufen, wegen der vergangenen Verletzung.
Der Pfad führte mich durch Dickicht und immer wieder zu querende Schluchten zu einem kleinen See. Ich war so froh, dass ich den Einstieg zu diesem Trail im tiefsten Winter entdeckt hatte, allerdings war er zu diesem Zeitpunkt absolut nicht laufbar. Doch jetzt präsentierte er sich mit einem tollen Untergrund und einem abwechslungsreichen Profil. Die zarten grünen Blätter an den Bäumen verliehen dem ganzen eine fast perfekte Atmosphäre.
Keine Menschenseele war auf diesen Wegen unterwegs, ich konnte einsam und alleine meinen Gedanken nachhängen und die erweckte Natur aufsaugen. Worte können diese Gefühle gar nicht ausdrücken. Mit kleinen Schritten und hoher Schrittfrequenz ging es auf und ab durch den Schurwald. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte dieser Lauf gar nie enden dürfen. Ich fühlte mich einfach nur frei, allerdings fehlte die Leichtigkeit dennoch, denn das Tempo entsprach noch nicht meinem Wohlfühltempo, dafür muss ich in den nächsten Wochen die Umfänge noch steigern und hoffe dann auch wieder da anknüpfen zu können, wo ich Mitte Januar geendet hatte.
Mit einem schweren Herz verliess ich irgendwann den Wald und schlug den Rückweg durch die Weinberge ein, vorbei an einem idyllischen Dorf. Inzwischen wechselte sich ein leichter Sprühregen mit zaghaftem Sonnenschein ab, so dass ein blasser Regenbogen entstand.
Starke zwei Stunden durch Wald und Weinberge haben richtig viel Spass gemacht und machen Lust auf mehr. Am Sonntag ist ein regenerativer Lauf mit meiner Frau angesagt, allerdings werden wir dabei auch knappe 200 Höhenmeter stemmen. Am Montag darf ich dann nochmal in den Wald zum Austoben bevor dann drei Tage nur Gymnastik und Stretching auf dem Plan stehen. Ab der ersten Maiwoche muss ich dann auf meinen inzwischen lieb gewonnenen Physio- und Sporttherapeuten verzichten, obwohl er noch das eine oder andere Mal mit mir laufen gehen will
Und ich gelobe Besserung und werde versuchen in die nächsten Beiträgen weniger Emotionen zu packen…
Salut
Christian









22. April 2012 um 00:21
Servus Christian,
das klingt doch super. Freut mich von deinen Fortschritten und dieser riesigen Begeisterung zu lesen. “Weniger Emotionen” braucht es nicht; des passt scho!
Weiterhin viel Erfolg, Spaß und Freude bei den nächsten Läufen
Viele Grüße aus den langsam-grün-werdenden Bergen
Steve
P.S.: Wo war denn heute die Ambit?
22. April 2012 um 00:32
Lieber Steve,

ja, so langsam geht es aufwärts, allerdings fehlt noch die Spritzigkeit und Leichtigkeit am Berg, aber ich habe Geduld
Die Ambit war da, wo sie hingehört, am linken Handgelenk. Die 310XT ist nur noch zum Vergleich dabei und wie es scheint, ist die Genauigkeit bei der Ambit deutlich besser, wenn es im tiefen Wald in Schluchten und enge Täler geht
Salut
Christian
PS: Die integrierten Bilder auf Deinem Blog sind der Hammer, habe mal ein wenig gestöbert
22. April 2012 um 08:56
Danke dir
22. April 2012 um 01:01
Wieso weniger Emotionen, lieber Christian?? Die sind doch das Salz in der Suppe.
Da läuft einer nach langer Verletzungspause zwei Stunden am Stück und mault über fehlende Spritzigkeit und Leichtigkeit am Berg. Da hält sich mein Mitleid doch arg in Grenzen
Schön Dich auch laufen zu sehen.
Übertreib es nicht, Herr Doktor
Moin Moin
Volker
22. April 2012 um 07:03
Du bist lustig, lieber Volker, ich kann mich sehr gut erinnern, wie es nach Deiner Verletzungspause gewesen ist, ich sag nur: ruhig Brauner
Übertreibung ist nicht mein Ding, deshalb mach Dir keine Sorgen, ist alles kalkuliert und was die mangelnde Spritzigkeit angeht bin ich sowieso geduldig, denn was ich nicht will, ist eine erneute Laufpause.
Salut
Christian
22. April 2012 um 07:46
Das mit den Emotionen kommt mir bekannt vor – scheint an unseren langen Laufpausen zu liegen.
2h gehen bei mir noch nicht, aber ich hoffe es dauert nicht mehr lange… Wir sind auf einem guten Weg
22. April 2012 um 08:28
Wahrscheinlich hast Du Recht, Andreas. Und Du weißt ja, Geduld ist das Wichtigste nach einer verletzungsbedingten Laufpause.
Salut
Christian
22. April 2012 um 08:34
Ich frag mich auch direkt…. warum weniger Emotionen? Nöö… lass mal und schön, dass es wieder läuft!
22. April 2012 um 08:36
Danke Anja, naja momentan geht auch gar nicht ohne viel Emotion
Salut
22. April 2012 um 08:57
Lieber Christian, geahnt habe ich es schon, dass bald wieder von einem Lauf in deiner hügligen Landschaft hier zu lesen sein wird, und es hat sich ja jetzt auch bestätigt.
” Worte können diese Gefühle gar nicht ausdrücken.” Reich mir die Hand, lieber Christian, es sind die schönsten Läufe, wie man es in jedem Wort deutlich lesen kann. Das ist genau das, was uns gefällt, was wir brauchen: Natur, vollkommene Einsamkeit, ein wenig Regen, Luft und herrliche Landschaft, die du wunderbar in Fotos mit nach Hause gebracht hast – ich kann so gut nachempfinden, wie dir zumute ist.
Und was das Wohlfühltempo angeht, sei geduldig, du hast erst wieder angefangen, gut Ding braucht ja bekanntlich Zeit, sei geduldig und freue dich, dass du überhaupt wieder das genießen kannst, was du lange genug vermissen musstest.
Und dein Versprechen, weniger Emotionen in deine Texte zu packen, kannst du vergessen, ich bin sicher, wir werden noch mehr davon hier lesen – und das ist gut so !
Freue mich für dich, sehr sogar !
22. April 2012 um 11:37
Danke liebe Margitta,
ja, ohne die Läufe im Wald und in den umgebenden Hügeln fehlt mir was und es war höchste Zeit, dass die ritualisierten Anläufe durch die Weinberge wieder ins Programm kommen. Ich bin ja nicht dogmatisch, sprich nur ausschließlich laufen, wo es keinen Asphalt gibt ist nicht meine Philosophie, da würde ich auch die wunderbaren Ausblicke verpassen
Die Einsamkeit in der Natur ist fast das Wichtigste, Nichtläufer fragen dann immer: “Ist das nicht langweilig?”, bei einem solchen Lauf wie gestern kann es gar nicht langweilig werden, da es so viele Sinneseindrücke gibt, dass das Laufen zu einem echten Erlebnis wird.
Ich werde geduldig sein, denn was ich auf keinen Fall will, ist eine erneute Laufpause, deshalb bleiben die Umfänge und das Tempo noch moderat in den nächsten Wochen und Monaten. Ich muss ja nicht, ich darf und wie ich schon öfters schrieb: ich muss nicht laufen
Das mit den Emotionen ist eh schwierig, denn für mich gehört das eine zum anderen dazu und meist fliesst es dann auch in die Beiträge hier ein, aber etwas weniger schadet sicher nicht.
Salut ma chère copine!
22. April 2012 um 12:58
Lieber Christian,
möge Dein Weg in die wiederkehrende Leichtigkeit führen, umgeben von läuferischen Genüssen in Vollendung. Ich freue mich sehr, daß es wieder so richtig aufwärts für Dich geht. Dennoch, bitte nicht übertreiben und gebe Dich lieber einer gewissen Vorsicht hin, umso nachhaltiger die Gesundheit. Aber Du wirst schon den richtigen Pfad für Dich beschreiten.
Hinsichtlich der Emotionen brauchst Du Dir kein Korsett anlegen – zumindest nach meiner Betrachtung. Was könnte wichtiger als Gefühle sein? Und sie zu zeigen?
Die Einsamkeit in Deinen Wälder sieht nahezu greifbar aus, das würde mir dort auch sehr gefallen. Ausnahmsweise füge ich an dieser Stelle keinen meiner berüchtigten „preußischen Hügelsätze“ ein.
Ich wünsche Dir noch einen schönen Restsonntag, viel Spaß heute mit Deiner Frau und alles Gute.
Liebe Grüße
Marcus
22. April 2012 um 13:34
Lieber Marcus,
Geduld muss ich noch haben, das ist richtig, aber mit jedem Schritt nach vorne tut sich mehr Freude und Hoffnung auf.
von der gewohnten Leichtigkeit bin ich noch weit entfernt und die Laufumfänge sind immer noch moderat und ich liege immer noch an der Kette der Vernunft
Die Emotionen beim Lauf selbst sind nicht kontrollierbar und die anschließenden Worte hier im Blog sind eh nicht angemessen, aber momentan kann ich gar nicht anders, weil es nur so aus mir heraussprudelt.
Mit Dir zusammen könnte ich mir einen Lauf durch mein Revier sehr gut vorstellen und ich denke es würde der gewünschten Einsamkeit keinen Abbruch tun. Aber wahrscheinlich würdest Du mir trotz Anstiege und Hügeln rasch davoneilen
Dir auch noch einen schönen Sonntag und eine angenehme Woche
Salut
Christian
25. April 2012 um 17:36
Mein lieber Christian,
sollten wir eines Tages gemeinsam die läuferische Aktivität hochleben lassen, so würde ich mich darüber freuen und ich kann Dir versichern, daß ich freilich nicht von dannen eilen würde – aber auch nicht hinterher hängen; trotz des nicht ausgesprochenen Hügelsatzes.
Salut,
Marcus
26. April 2012 um 09:47
Lieber Marcus,
ich bin mir sicher, dass wir ein gemeinsames Tempo finden würden, denn ob bergan oder auf ebener Strecke, wir sind ja anpassungsfähig
Salut
Christian
22. April 2012 um 14:36
Ein Wonne, Christian, endlich wieder einen so euphorischen Text mit solch schönen Bildern von Dir zu genießen. Auf den Portraits siehst du entgegen deiner Beschreibungen sehr dynamisch aus. Das wird doch nicht nur für die Fotos so gewesen sein
Ich freue mich für Dich, dass es nun weitergehen kann mit Deinen langen Streifzügen durch die Natur. Und wie Du das Programm der Folgetage beschreibst, scheinst Du auch kein unnötiges Risiko einzugehen.
Viel Genuss wünscht
Rainer
22. April 2012 um 14:40
Lieber Rainer,
Dynamik hat ja nichts mit Geschwindigkeit zu tun und ob meines Laufstils wirkt auch das grottigste Tempo dynamisch
Vielen Dank für Deine Worte und niemand freut es mehr als mich selbst, dass ich wieder solche Läufe erleben darf. Die Umfänge sind noch gemäßigt und auf vier Lauftage mit ganz unterschiedlichen Profilen, Distanzen und Tempi, folgen drei Ruhetage mit Gymnastik, so dass eine Überforderung nicht stattfindet. Ich habe glücklicherweise einen Profi an meiner Seite gehabt, der auch schon Olympiasieger wieder fit gemacht hat
Salut
Christian
22. April 2012 um 14:44
das zweite bild gefällt mir besonders gut. vom frühling scheint ihr schon ein wenig mehr verwöhnt worden zu sein als ich. ich renn ja teilweise noch immer durch tiefen schnee. es freut mich zu sehen das es wieder aufwärts geht. 2h sind doch absolut zufriedenstellend. mehr kommt ganz von selbst. bloß keinen rückfall riskieren. grüße. daniel.
22. April 2012 um 16:28
Lieber Daniel,
es scheint wirklich so, dass ich hier etwas privilegierter bin, was den Frühling angeht, allerdings ging es in den letzten drei Wochen extrem schnell, die Natur ist richtig gehend explodiert. Dafür hatte wir hier wenig bis gar keinen Schnee, aber Du hast Recht, jetzt braucht es wirklich keinen Schnee mehr.
Einen Rückfall riskiere ich sicher nicht, bis jetzt ist alles im grünen Bereich und ich werde weiter vorsichtig sein
Salut
22. April 2012 um 18:01
da bin ich mir sicher. ich kenne dich nicht als hitzkopf, sondern immer besonnen.
22. April 2012 um 18:03
Das ehrt mich Daniel, aber ich kann auch ein Hitzkopf sein, allerdings sind die Zeiten lange vorbei
22. April 2012 um 18:33
Schöne Bilder. Und du wirst die Landschaft nun wieder doppelt geniessen können!
22. April 2012 um 21:29
So ist es Chris, ich genieße sogar dreifach oder vierfach oder…….
Salut
22. April 2012 um 22:15
Schönes großes Landschaftskino, insbesondere die Weinberge sind immer wieder echt beneidenswert! Zum virtuellen Mitlaufen quasi wie geschaffen.
Aber mach langsam und übertreib es nicht
Wohlwissend, dass das nach der langen Pause nicht so einfach ist…
Viele Grüße
Lars
23. April 2012 um 00:32
Mach Dir keine Sorgen, Lars, ich weiß was ich tu, nur der Wunsch ist da, so weiter zu machen wie vor der Verletzungspause, aber noch regiert die Vernunft
Ja, jetzt im Frühjahr ist es fast so schön wie im Herbst, die intensiven Farben habe ich genauso vermisst, wie die Gerüche und Aussichten, aber bald schon ist es wieder Routine
Salut
23. April 2012 um 06:59
Lieber Christian!
Emotionen sind genau das, was schöne Beiträge ausmachen. Also lass sie ruhig weiter einfließen.
Es ist schön zu lesen, mit welcher Freude du nun wieder unterwegs bist. Schön langsam legst du ja wieder los
Liebe Grüße und eine wunderbare Woche
Brigitte
23. April 2012 um 07:25
Liebe Brigitte,
zuviel Emotion ist auch nicht gut, sonst komm ich noch in Verruf und werde als Romantiker abgestempelt
Ja, das Laufen ist wieder ein Gewinn in meinem Leben und dadurch bin ich wesentlich sozial verträglicher für meine Umwelt. Die hätte das nämlich auch nicht mehr sehr lange ausgehalten
Die auch eine angenehme Woche
Salut
Christian
23. April 2012 um 07:59
Herrliche Bilder – und lass blos auch in Zukunft die Emotionen nicht weg, hörste?!!
23. April 2012 um 09:26
Danke Eddy, ich tu was ich kann, aber Du weißt ja, ohne Gefühle geht es nicht beim Laufen
Salut
23. April 2012 um 11:03
super welcome back
die bilder machen mich grad an, schnüre gegen mittag meine schuhe und gehe auf einen lockeren run … den ersten nach der oberschenkelzerrung. die emotionen sind doch das salz in der suppe, also bitte nicht darauf verzichten!
23. April 2012 um 13:53
Hallo Daniel,
da wünsche ich Dir erstmal gute Besserung und hoffe, dass Du alles gut überstanden hast. Ich geb es auf, werde die Emotionen weiter zulassen, geht eh nicht ohne
Salut
24. April 2012 um 15:43
Wie wunderbar und nein, bitte bitte nicht weniger Emotionen, die sind doch gerade das “Salz in der Suppe”. Ich freue mich unheimlich Dich wieder laufend unterwegs zu wissen
25. April 2012 um 06:47
Danke, liebe Julia,
mal sehen wie es weiter geht und je nachdem werden es mehr oder weniger Emotionen
Salut