Ausrüstungs-Test: Durstlöscher-Transport

Die Sache mit dem Durst beim laufen kann schon richtig übel sein, insbesondere im Sommer oder bei den langen Läufen. Bis 15 Kilometer lauf ich prinzipiell immer ohne Ballast, sprich Wasser oder Saftschorle, darüber und vor allem bei Temperaturen über 20°C kommt es auf die Dauer an. Sprich je länger, desto mehr.

Als unerfahrener Läufer habe ich mir verschieden Strategien angeschaut. Zum einen, die Strategie irgendwo auf der Strecke vor dem Lauf etwas Trinkbares zu deponieren. Ist eigentlich die eleganteste Lösung, jedoch widerstrebt sie meiner Philosophie beim laufen, nämlich auf das Auto ganz zu verzichten. So wie ich auch nicht zum laufen in den Wald oder an einen anderen Ort fahre, will ich auch nicht vor einem Lauf eine Trinkflasche mit dem Auto irgendwo hinfahren und deponieren und ggf. später wieder abholen. Sorry, das ist nicht mein Ding.

Zum anderen – und das habe ich bereits öfters praktiziert – die Strecke so zu planen, dass irgendwo unterwegs eine Tanke, Supermarkt oder Gasthaus gestreift wird, wo man mit ein wenig Geld sich etwas Trinkbares verschafft. Eine gute Lösung, allerdings sind einsame Läufe in grossen Waldstücken nicht möglich.

Eine dritte Möglichkeit, die ich auch immer gern genutzt habe, die allerdings ethisch und moralisch zwiespältig ist, ist der Einsatz eines Familienmitglieds auf einem Fahrrad als Wasserträger, bevorzugt Minderjährige. Leider muss hier sehr oft eine gewisse Animation oder ein Belohnungsreiz erfolgen, was auf Dauer anstrengend und auch unangemessen teuer sein kann. Dazu kommt, dass mit der Zeit auch Papiergeld nicht mehr genügend Anreiz darstellt, so dass sich diese Methode rasch erschöpft. Der Ansatz, das trinkbare Nass mit sich zu führen ist sicherlich der angenehmste und unkomplizierteste, aber auch der beschwerlichste, da entsprechende Behältnisse getragen werden müssen. Um diese meine Erfahrungen soll es in diesem Beitrag gehen. Wie üblich sind die Bewertungen sehr subjektiv und nicht genormt mit einem bis fünf Sternen (*) gekennzeichnet.

0815-Trinkflaschengurt

Wer kennt sie nicht, die 0,5 bis ein Liter Trinkflasche aus Plaste oder Aluminium. Mit dem Walking-Hype tauchten recht schnell in grosser Vielfalt entsprechende Hüftgurte („waist-belt“) auf, die eine oder gar zwei solche Trinkflaschen aufnehmen konnten. Dies hat dazu geführt, dass auch die Gemeinde der Läufer versuchte, Gebrauch davon zu machen. Diese Gurte taugen für den Transport von Wasser nur bei geringem Tempo und in geringen Mengen, da es sonst zu wunden Stellen an den schmalen und abgemagerten Läufer-Hüften und einem furchtbar nervenden Gehüpfe der Flasche am Gesäss kommt. Nach nur wenigen Versuchen habe ich diese Notlösung wieder aufgegeben. Positiv ist allerdings, dass ausser etwas Trinkbarem auch noch eine kleine Kamera, ein Müsliriegel und eventuell ein MP3-Player im Hüftgurt Platz finden, was ihn allerdings nicht tragbarer macht. **

Flasche in der Hand

Ob nun eine schlanke Halbliter Flasche oder eine speziell geformte Flasche mit mittigem Durchgriff ist meines Erachtens egal. Für kürzere Strecken bei hohen Temperaturen eignen sich beide Modelle. Bei längeren Läufen kann schon Mal die Flüssigkeit deutlich zu wenig sein und meist wird es dann auch unbequem, vor allem, wenn in jeder Hand eine Flasche getragen wird. Auch ist ein zusätzliches Aufheizen der trinkbaren Substanz durch Körperwärme zu befürchten. ***

Läuferspezifische Hüftgürtel

Ich bin inzwischen bei den Produkten von Fuelbelt hängen geblieben. In die Endurance 4 von FB passen 4 Flaschen à 200 ml. Diese sind sehr gut und sicher verschliessbar, leicht zu reinigen und auch nach vielfachem Einsatz erscheinen sie hygienisch noch einwandfrei. Die Flaschen können jederzeit nachgekauft werden. Erstaunlicherweise ist der Tragekomfort sehr gut, jedoch sollte auf eine symmetrische Gewichtsverteilung geachtet werden. Schlackern oder wippen tun die Flaschen an sich nicht, jedoch kann das glucksende Geräusch ziemlich nervig sein. Die Gurte sind in verschiedenen Größen passend zum Hüftumfang zu bekommen und können durch einen Klettverschluss sehr gut angelegt werden und rutschen weniger in der Vertikalen. Allerdings habe ich bemerkt, dass sie in der Horizontalen eine Wanderbewegung ausüben, was auch nervig sein kann. Maximal können mit einem größeren Gurt sechs Flaschen transportiert werden. Zusätzlich passt noch der Schlüssel, ggf. der MP3-Player und ein bis zwei Müsliriegel in die Tasche an der Rückseite. Für den normalen längeren Lauf bei moderaten Temperaturen um 25°C sind die 800 ml vollkommen ausreichend. ****


Trinksysteme, wie das Camelbak Flashflo System, bieten schon etwas mehr Komfort als der 0815-Gurt und können sehr gut an den jeweiligen Füllungszustand der Trinkblase bzw. an das jeweilige Gewicht des Hüftgurts adaptiert werden. Die Trinkblase fasst 1,4 Liter und das Trinksystem bzw. der Trinkschlauch wird am Gurt fixiert. Die Reinigung nach dem Lauf ist wie bei anderen Reservoir-Systemen aufwendig aber unumgänglich, da sonst Bakterien- und Pilzbefall drohen, was weniger angenehm sein kann. Ein  weiterer Nachteil ist die mangelnde Kontrolle, wie viel Flüssigkeit noch vorhanden ist, da dies mit einem entsprechendem Aufwand verbunden wäre. Vor allem schlanke Läufer können sehr schnell Probleme an den Beckenknochen bekommen, da es hier zu Scheuerstellen an der Haut kommen kann. Die Kapazität der zusätzlichen Taschen ist sehr gut, Mobiltelefon, Digitalkamera, Müsliriegel, Schlüssel, Geld und MP3-Player finden sicher Platz. ***

Trink-Rucksack

Erfahrung habe ich mit einem Camelbak Classic Trinkrucksack. Dieser bietet ein 2 Liter Trinkreservoir, ein kleines Wertsachenfach für Schlüssel und Geld, welches durch einen Reissverschluss verschlossen wird und eine elastische Befestigungsmöglichkeit, in der z.B. Mobiltelefon oder Digitalkamera mitgenommen werden kann. Der Trinkschlauch wird aus dem Rucksack über die Schulter bis zu den Gurten geführt und dort fixiert, was einen schnellen Zugriff auch in Bewegung erlaubt. Der Rucksack ist selbst sehr leicht und kann sehr straff und eng am Rücken anliegend getragen werden. Die Eigenbewegung ist bei entsprechender Einstellung und Fixierung über den Brustgurt minimal. Die Reinigung nach dem Lauf ist wie bei anderen Reservoir-Systemen aufwendig aber unumgänglich, da sonst Bakterien- und Pilzbefall drohen, was weniger angenehm sein kann. Ein  weiterer Nachteil ist die mangelnde Kontrolle, wie viel Flüssigkeit noch vorhanden ist, da dies mit einem entsprechendem Aufwand verbunden wäre. Auf langen Läufen im Sommer ist der Classic für mich trotzdem die erste Wahl und hält mich dann auch mal 30 Kilometer oder mehr hydriert. Alternativ bzw. fast besser bei den langen Kanten ist allerdings der Salomon ***

Ganz zum Schluss noch ein kleines Resumée, egal in welchem Transport-Gefäss man was zum trinken befördert, Hauptsache es ist vorhanden, wenn man Durst hat. Jeder macht in seinem Läuferleben eigene Erfahrungen, leider nicht nur positive. In diesem Sinne

Salut

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Über DocRunner

Bin besessen von allem was ich anpacke: Beruf, Familie und natürlich vom Laufen. Besessenheit ist für mich Erholung und Genuss, Gleichgültigkeit bedeutet Stress und Langeweile. Mein Lebensmotto hört sich martialisch an, gründet aber auf täglicher Erfahrung und drückt meinen Wunsch aus: Stirb wenn es Zeit ist. Zeige alle Beiträge von DocRunner

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