Ausrüstungs-Test: Salomon XT Wings Vest 10+3 Exp M

Im Sommer 2009 habe ich mich mal wieder auf die Suche nach einem vernünftig zu tragenden Laufrucksack gemacht mit der Option ein Trinksystem aufzunehmen. Bereits vor ein Jahr zuvor hatte ich mich bei entsprechendem Bedarf umgesehen, allerdings war zu diesem Zeitpunkt bis auf die Produkte von Camelbak und Deuter kein adäquates Produkt zu bekommen. Der in verschiedenen Berichten hoch gelobte Salomon XA Pro 15 Packvest war sowohl in Deutschland als auch im Rest von Europa nicht zu bekommen und selbst Bemühungen den Rucksack aus USA oder Neuseeland zu beziehen scheiterten an der Verfügbarkeit. Da die Alternativen von Camelbak und Deuter (Speed Lite Serie) leider nicht den Tragekomfort hielten, den sie versprochen hatten und die Produkte von Nathan leider auch kaum zu bekommen waren geschweige denn vorher anzuprobieren waren hatte ich mir einen RACE PRO 12 von inov-8 bestellt. Der Tragekomfort war okay, aber das Trinksystem bzw. das Reservoir was im Hüftgürtel sitzt hat mich sehr gestört. Vielleicht ist es nur Gewohnheit, aber beim Laufen einen Hüftgürtel mit knappen 2 Kilo Gewicht war einfach nichts für mich.

Verarbeitung, Konzept und Ausstattung

Salomon hat den XT Wings Vest 10+3 seit 2009 im Programm und er ist unkompliziert in den Größen S/M und L/XL lieferbar. Nach Bestellung konnte ich den Rucksack in Größe S/M bereits zwei Tage später an der Packstation abholen. Ich war extrem überrascht als nach dem Öffnen des Pakets ein dünnes und sehr leichtes rot-grau-schwarzes Stück Stoff zum Vorschein kam. Auf den ersten Blick wirkte der Rucksack billig und sehr fragil. Allerdings fiel mir schon sehr bald auf, wie durchdacht das gesamte System war. Die Küchenwaage zeigte nicht einmal 500 Gramm an und die Nähte und Reissverschlüsse sind beim näheren Betrachten äusserst gut verarbeitet und laufen auch sehr sauber. Die Einstellungsmöglichkeiten immer angepasst an die Beladung bzw. das Gewicht sind sehr gut durch maximal zwei einfach Handgriffe gelöst. Die Schulterriemenlänge, sowie der Seitabstand von Weste und Rucksack können reguliert werden. Das Kernstück und der eigentliche Beweggrund mir diesen Rucksack anzuschaffen war natürlich die Weste, die zu einem erheblichen Tragekomfort und einer besseren Fixierung der Last ohne Einschränkung der Bewegung beiträgt. Das Material ist sehr angenehm und transportiert Feuchtigkeit vom Körper weg, es befinden sich zwei kleine Reissverschlusstaschen auf der Vorderseite, in denen sich ohne weiteres etwas Geld, ein Schlüssel oder wer es mag auch Gelchips transportieren lassen. An der Schulter befinden sich Schlaufen für zusätzliches Zubehör (Trinkflaschenhalter o.ä.) und eine kleine und sehr leichte Signalpfeife, was sicherlich auch nützlich sein kann.

Der Rucksack selbst hat unmittelbar am Rücken anliegend ein mit einem Reissverschluss zu verschliessendes Fach für die Trinkblase, welches nach Absetzen des Rucksacks gut zu erreichen ist. Der Trinkschlauch wird bis zur Schultervorderseite verdeckt in den Schulterriemen geführt. Einen Clip oder etwas ähnliches zum Befestigen des Trinkschlauchs findet sich allerdings hier nicht, Improvisation ist gefragt.

In der nächsten Ebene sozusagen findet sich der eigentliche Packbereich, der durch einen sehr langen Reissverschluss geöffnet werden kann. Durch einen umlaufenden Reissverschluss kann dieses Packfach um drei Liter erweitert werden.

Innen befinden sich zwei Netztaschen, wobei eine mit einem Reissverschluss versehen ist. Im Packbereich findet sich Platz für zusätzliche Wechselklamotten oder eine Regenjacke und Armlinge/Beinlinge bzw. eine Long-Tight. Auch etwas Proviant kann noch verstaut werden.

Vom Inneren des Rucksacks führt ein zweiter Kanal parallel zu dem für das Trinksystem zum vorderen Schulterbereich, z.B. für ein Kopfhörerkabel.

An der Rucksackfront befindet sich nochmals ein kleineres Fach, welches ebenfalls mit einem Reissverschluss versehen ist und zum Beispiel einer Kamera oder Müsliriegel Platz bietet.

An den Seiten sind kleine Netztaschen angebracht, wobei eine verschlossen werden kann. In diesen können ebenfalls kleine Snacks oder z.B. ein Navigationsgerät untergebracht werden.

Tragekomfort und Praxistauglichkeit

Wenn erstmal alle Riemen eingestellt und der Westenreissverschluss geschlossen ist, ist der Rucksack je nach Gewicht kaum mehr zu spüren. Die auf und ab Bewegung des Rucksacks hält sich bei moderatem Tempo beim Laufen ebenfalls in Grenzen und falls der Inhalt entsprechend verstaut ist, lässt sich das gesamte System sehr angenehm tragen. 
Ein Nachteil der Weste ist, dass bei entsprechend warmen Aussentemperaturen in diesem Bereich deutlich mehr geschwitzt wird, ein Tragen des Rucksacks ohne Funktionsshirt habe ich nicht versucht, aber ich denke dieses Experiment empfiehlt sich auch nicht. Ich hatte auf einem 25 Kilometerlauf neben der 2 Liter Trinkblase, Digitalkamera und Navi noch einen Landkartensatz, zwei Äpfel und zwei Müsliriegel sowie eine Regenjacke dabei. Das gesamte System war sehr gut tragbar, besser als der Original-Camelbak und störte auch nach 25 Kilometer nicht. Die Eigenbewegung des Rucksacks war minimal, allerdings mussten die Riemen mehrmals nachgestellt werden, da sie sich selbstständig lösten und dem Füllungszustand der Trinkblase entsprechend angepasst werden mussten. Ein kleiner Wermutstropfen ist allerdings, dass sich die Trinkblase nur sehr schlecht befestigen lässt, was direkt am Rücken etwas störend werden kann, jedoch mit abnehmender Füllung reguliert sich dieses Problem von selbst.
Auf den letzten Läufen über knapp 20 Kilometer und 33 Kilometer habe ich den Rucksack versuchsweise genutzt, allerdings nur mit Trinkblase und Mobiltelefon, das Tragen hat sich nicht auf die Haltung ausgewirkt und ich hatte auch keine Scheuerstellen an Haut oder Kleidung. Richtig bewähren wird er sich allerdings in der Übergangszeit und vor allen Dingen bei meinen anstehenden „Freitagsprojekten“, dazu später mal mehr.

Fazit

Definitiv ist der Salomon eine bessere Alternative als die bisher von mir versuchten Rucksäcke für das kleine Gepäck. Jedoch allzu viel und auch schweres Gepäck möchte ich mir und meinem Rücken beim Laufen nicht zumuten. Echte Bewährungsproben mit Läufen von mehr als zwei Stunden hat er auf jeden Fall bestanden, ich werde aus Gewichtsgründen den Camelbak wahrscheinlich öfters ignorieren und den Salomon schultern auch ohne grosses Gepäck.

Salut

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Über DocRunner

Bin besessen von allem was ich anpacke: Beruf, Familie und natürlich vom Laufen. Besessenheit ist für mich Erholung und Genuss, Gleichgültigkeit bedeutet Stress und Langeweile. Mein Lebensmotto hört sich martialisch an, gründet aber auf täglicher Erfahrung und drückt meinen Wunsch aus: Stirb wenn es Zeit ist. Zeige alle Beiträge von DocRunner

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