Kontrastprogramm

Letztes Wochenende war ich noch bei strahlendem Sonnenschein und zweistelligen Plusgraden unterwegs und habe bei knapp 20°C schon den Sommer zurück kehren gesehen, im Laufe der Woche hat dann langsam aber mit Macht der November Einzug gehalten. Mir wurde gestern ein herrlicher Regenlauf zuteil, quer durch die Weinberge bei angenehm kühlen 5°C. Allerdings hüllte mich nach 90 Minuten die Dunkelheit ein und leider auch ein leichtes frösteln an den Fingern, da die Windstopper-Handschuhe total durchnässt waren, also habe ich den Heimweg angetreten und mich bereits auf den heutigen Lauf gefreut.

Es war etwas Besonderes, ja fast schon etwas Magisches am heutigen Tag. Ich habe den Lauf bis zum Nachmittag hinaus gezögert und bin dann bei strömendem Regen an der Haustür los ohne ein konkretes Ziel vor Augen ausser  die nächsten ein bis zwei Stunden nur zu geniessen, mir huschte schon zu Beginn ein Lächeln übers Gesicht, welches auch nicht mehr weg zu bekommen war. Also auf in die Weinberge und stetig bergan Richtung Schurwald. Oben angekommen, war mein „Motor“ richtig warm und es lief wie von selbst, meine Beine zogen mich in den Wald und ich lief quer zu den Weinbergen durch den Wald, etwa 50 Höhenmeter unterhalb des Höhenkamms. Der Weg war richtig durchnässt und der feine Schotter fast vollständig von klitschigem Laub bedeckt, so zogen sich die nächsten 20 Minuten hin und ich war mit meinen Gedanken weit fort. Als ich mich dann entscheiden musste ob ich den Wald verlasse und durch die Weinberge zurück schlurfe oder einen matschigen Trail einschlage war die Entscheidung rasch gefallen bzw. ich dachte gar nicht nach und lenkte nach scharf links weiter in Richtung auf die Höhe. Es wurde mühsam durch den schweren Matsch und Dreck bergan, aber ich fand eine Spur, die noch etwas Grip hatte durch eine kurze Grasnarbe. Mitten auf dem Trail bildete sich bereits ein kleiner, schnell fliessender Bergbach, der in die Tiefen des Walds eilte. Am Ende des Trails stand dann der Radweg am Waldrand, dem ich einige hundert Meter folgte um dann wieder auf einen Trail zurück in den Wald zu folgen. Es konnte nur noch der Rand des ausgetretenen Trails benutzt werde, da alles knöcheltief mit schwerem Matsch angefüllt war, teilweise wurde der Rand sehr schmal und ich hatte die Arme weit in der Luft zum Balancieren. Aber ich liess es richtig laufen und viel zu schnell war ich wieder auf Schotter befestigten Waldwegen. Ich sah schon aus wie mit brauner Farbe besprüht, also die nächste Möglichkeit genutzt wieder einen Trampelpfad durch den Wald nach oben. Und jetzt passierte es, der Regen wandelte sich in Schneeregen, es fielen zwischen den Regentropfen die ersten eisigen fast schon Nadelkopf großen „Flocken“. Ich musste herzhaft lachen und reckte mein Gesicht zu den Wolken empor, herrlich. Ich wollte nicht mehr aufhören zu laufen, weshalb ich meinen Zick-Zack-Kurs durch den Wald fortsetze bis ich mehr Schmutz an mir hatte als Schweiss. Mit gefühlten zwei Kilo Ballast machte ich mich dann auf den Heimweg durch die Weinberge und je mehr Höhe ich verlor umso weniger dicht wurde der Schneeanteil und im Tal war es dann wieder „nur“ Regen.

Manchmal passt einfach alles und die Füße lenken einen genau zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Ort, genau so eine Situation durfte ich heute erleben und die anschliessende Dusche war gleich viel intensiver und die Körperreinigung folgte der des Geistes 😎

Salut

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Über DocRunner

Bin besessen von allem was ich anpacke: Beruf, Familie und natürlich vom Laufen. Besessenheit ist für mich Erholung und Genuss, Gleichgültigkeit bedeutet Stress und Langeweile. Mein Lebensmotto hört sich martialisch an, gründet aber auf täglicher Erfahrung und drückt meinen Wunsch aus: Stirb wenn es Zeit ist. Zeige alle Beiträge von DocRunner

8 responses to “Kontrastprogramm

  • Täglichläufer

    Lieber Christian,

    das ist wirklich ein Beitrag, der von einem wunderbaren Kontrast beherrscht wird. Sommer und Schnee – nur durch wenige Worte getrennt. Auf den ersten Schneeregen warte ich noch, doch werde ich dies ebenfalls bald erleben.

    Den Wechsel der Jahreszeiten im Laufschritt zu begrüßen und unmittelbar beizuwohnen, in grandioser gefühlter Art und Weise – das ist einfach nur schön und Dein Lächeln kann ich nur zu gut verstehen. Ebenso den Lauf in das Unendliche ausdehnen zu wollen, allein die Realität läuft nicht mit, schade.

    Umso angenehmer, daß Du Deine Leser hier mitlaufen läßt – ich danke Dir für den kalten und genußvollen Artikel!

    Liebe Grüße

    Marcus

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    • docrunner

      Lieber Marcus,

      entschuldige die verspätete Antwort, war leider etwas verpeilt am gestrigen Tag 😉
      Du weißt es gibt fast nichts Schöneres als das Beschriebene in der Natur hautnah zu erleben, nicht der langsame Wandel sondern die plötzlichen Signale sind es, die einen mitreissen und begeistern. Genuss vom Feinsten mit viel Emotion, das ist es, was solche Erlebnisse für mich zu etwas Besonderem macht.
      Sehr gerne nehme ich Dich mit obwohl in realiter ein gemeinsamer Lauf im Regen noch aussteht

      Danke für Deine Worte und wie üblich

      Salut

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      • Täglichläufer

        Bitte keine Entschuldigungen, lieber Christian! Die Blogwelt ist nur eine virtuelle Welt und bei unserer knapp bemessenen Zeit geht das reale Leben stets vor.

        Ich habe mich mit meinem Schneeregensatz nicht geirrt, bereits gestern kam ich in jenen Genuß. Nur begleitet von der Einsamkeit. Ja, ein realer gemeinsamer Regenlauf wäre in der Tat sehr reizvoll; vielleicht bekommen wir das mal hin, ich würde mich freuen. 🙂

        Einen angenehmen Tag,

        liebe Grüße

        Marcus

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        • docrunner

          Das freut mich sehr für Dich, dass Du auch in den erfrischenden Genuss eines Schneeregens gekommen bist. Leider gehört dies ja eher zu den Seltenheiten im Laufallerlei 😉
          Nun, wenn wir zwei es jemals schaffen zusammen zu laufen, darf es nur ein Lauf bei Regen oder Schnee sein, denn nur dann wäre ein Treffen vollkommen 😉

          Salut

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  • ultraistgut

    “ und die Körperreinigung folgte der des Geistes “

    Das hast du schön gesagt, und ich könnte dich knuddeln, wenn ich lese, wie viel Freude dir dieser Lauf gebracht hat.

    Schön, Menschen zu finden, die genauso empfinden wie man selbst.

    Da lacht mein Herz und meine Seele ! 8)

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    • docrunner

      Meine liebe Margitta,

      es ist einfach so, wie ich es schreibe und manchmal sogar noch besser, nur leider hat unsere Sprache keine geeigneten Wörter um diese Gefühle und Erlebnisse zu beschreiben. Es braucht nicht viel um mich momentan glücklich zu machen 😎
      Dass wir vieles gleich empfinden, wissen wir schon lange 🙂

      Salut

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  • Brigitte

    Lieber Christian!

    Fast wäre ich mit dir mitgelaufen, aber nur fast. So ganz kann ich die Kälte ja nicht leiden. Kälte und Regen gehen schon gar nicht. Bei Kälte, Regen und Schnee bleib ich dann lieber zu Hause *lach*.
    Aber so schön wie du es beschrieben hast, war ich mit dabei. Man liest so richtig deine Liebe zum Laufn, der Natur und der Witterung heraus.

    Es macht wieder richtig Spaß von dir zu lesen und bei dir zu schreiben. Vielleicht wird es doch wieder ein wenig mehr.

    Liebe Grüße
    Brigitte

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    • docrunner

      Guten Morgen liebe Brigitte,
      viel mehr Beiträge wie bisher wird es wahrscheinlich nicht geben, wenn überhaupt schaff ich es einmal die Woche „minimal kreativ“ zu sein, mehr nehm ich mir auch nicht vor, allerdings freut es mich, dass Du gerne bei mir liest 😎
      Liebend gern nehm ich Dich mit und auch bei jedem Wetter. Wie ich bereits mehrmals schrieb, es gibt viel mehr Vorteile als Nachteile, wenn man bei Regen, Schnee oder Sturm unterwegs ist und vor allem ist das Naturerlebnis einzigartig. Aber es ist schon in Ordnung, dass es nicht jeder mag, denn sonst wäre die Einsamkeit dahin, obwohl Du gerne mitlaufen darfst 🙂
      Einen wunderschönen Tag wünsch ich Dir

      Salut

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