Trailwetter oder vor den Trail hat Shiva die Weinberge gesetzt

Die Entscheidung fiel heute leicht, wenn es darum ging, wo und wie ich laufen wollte. Es war bewölkt, immer wieder Nieselregen und in den Tälern ca. 4-5°, auf der Höhe war es gut 5° kühler und damit musste damit gerechnet werden, dass noch ausreichend Schnee oder zumindest Schneematsch liegt. Also musste ich den richtigen Schuh auswählen, denn ich wollte mich nicht quälen, sondern einfach nur genießen und die einsamen Trails im Wald erkunden. Ich entschloss mich daher gegen den Eiskäfer und für die Trailschuhe, was sich schlussendlich auch als richtig erwies. Der Lauf heute sollte alles haben, ich hatte das Vergnügen mit Beton, Asphalt, Schnee, Eis, Matsch, glitschigen Steinen, gepflügte schneebedeckte Felder und natürlich schöne überflutete Feldwege, vor allem auf den letzten Kilometern. Da war mir dann aber sowieso alles egal.

Den religiösen Anklang im Titel habe ich etwas modifiziert, da ich bekannterweise Agnostiker bin, tu ich mich etwas schwer mit solchen Anleihen, aber wäre ich ein gläubiger Mensch, wäre ich wahrscheinlich Hindu, aber da Shiva in der Übersetzung ja der Glückverheißende bedeutet, passte er heute irgendwie ganz gut.

Um kurz nach zwei heute mittag ging es dann los, zuerst über die sanften Hügel auf regennassen Wegen gen Weinberge, nach ca. 30 Minuten ging es dann an den ersten Anstieg bis hinauf in den Wald auf betonierten und asphaltierten Wegen, nach 200 Höhenmetern hatte ich den Schurwald erreicht und konnte auf Waldwegen die Füße ausruhen, denn hier gab es eine feine Schneedecke auf viel braunem Waldlaub, was ich einfach als sehr angenehm empfinde um darauf zu laufen. So schlängelte sich mein Weg durch den Wald an den Hängen der Ausläufer des Schurwalds entlang. Die ersten Trailabschnitte begannen auf halber Höhe im Wald und ich freute mich richtig aufs „einsauen“ 😎


Ich musste dann quer über das vor mir liegende schneebedeckte und gepflügte Feld laufen, da der Weg am Rand hoffnungslos unter Wasser stand, meine Sprunggelenke jaulten, allerdings habe ich das Gefühl seit meiner Bänderdehnung im September diesen Jahres ist mein rechtes Sprunggelenk irgendwie elastischer und deshalb nicht mehr so empfindlich. Nach dem Feld tauchte ich dann wieder in den Wald ein und lief immer knapp hundert Meter parallel zur Waldgrenze auf herrlich matschigen und durchgeweichten schmalen Trampelpfaden. Ich jauchzte und sprang teilweise von Schlamminsel zu Schlamminsel um nicht in den Fluten unterzugehen. Immer wieder waren die Pfützen gut zwanzig Zentimeter tief und damit definitiv bei 0-1°C zu ungemütlich für meine Füße. Ich fühlte mich zunehmend beobachtet und hörte deshalb auf vor mich hin zu sabbeln, nachdem ich den Wald verliess wurde ich dann auch aufgeklärt, warum ich dieses Gefühl hatte als wenn mich jemand verfolgte: am Waldrand lagen gut und gern zehn geschossene Füchse im Schnee und es standen viele Menschen herum, teilweise mit gelben Warnwesten, da bin ich mal froh, dass ich heute keinen Pelzkragen trug, sonst hätte ich vielleicht einen nicht so tollen Lauf erlebt. Zur Jagd sag ich mal nix, bin da etwas zwiegespalten…

Mein Weg führte mich jetzt quer über die kahle Ebene und der Wind pfiff kräftig, auf den Rad- und Forstwegen lagen ca. 15 Zentimeter Schnee respektive Schneematsch und erforderten etwas Geschick beim laufen, allerdings waren dazwischen immer wieder Strecken mit ausgefahrenen Spuren, so dass sich die Beinchen erholen konnten. Nach etwas über zwei Stunden ging es dann auf der anderen Seite des Schurwalds hinunter ins Tal, der Schnee wurde weniger, die Wege weicher und tiefer durchnässt und es begann zu regnen. Auch noch Regen…ich jubilierte, einfach das volle Repertoire, nichts fehlte ausser ein kräftiger Sonnenstrahl. So trabte ich durch den Wald abwärts und mir liefen die Tropfen des recht kühlen Nass übers Gesicht. Auf der Talsohle angekommen lief ich an einem normalerweise sehr ruhigen Bächlein entlang, welches allerdings fast ein reissender Gebirgsfluss geworden war, die Brücke, die für Fußgänger gedacht ist war an den Rändern bereits geflutet und der parallel zum Bach verlaufende Weg war unbenutzbar, weshalb ich einfach die etwas weniger stark überschwämmte Wiese benutzte. Eigentlich war es mir egal, noch knappe 25 Minuten, dann bin ich zuhause, ob die Füße dann nass und kalt sind ist unwichtig. Zuhause angekommen war ich dann doch etwas fertig, obwohl ich es in den letzten fünfzehn Minuten einfach ausrollen habe lassen. Das war seit vielen Monaten ein Lauf an die drei Stunden Marke, hätte nicht gedacht, dass ich das bei diesen Bedingungen packe. Die Dunkelheit umfing mich bereits als ich die Haustür erreichte und nach einem kurzen abduschen genoss ich ein ausgiebiges Bad mit vielen Kräutern und Blüten, so dass ich eigentlich schon wieder los könnte 😎

Salut

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Über DocRunner

Bin besessen von allem was ich anpacke: Beruf, Familie und natürlich vom Laufen. Besessenheit ist für mich Erholung und Genuss, Gleichgültigkeit bedeutet Stress und Langeweile. Mein Lebensmotto hört sich martialisch an, gründet aber auf täglicher Erfahrung und drückt meinen Wunsch aus: Stirb wenn es Zeit ist. Zeige alle Beiträge von DocRunner

14 responses to “Trailwetter oder vor den Trail hat Shiva die Weinberge gesetzt

  • ultraistgut

    Lieber Christian,

    so ganz ungefährlich ist das Laufen während einer Jagd auf Füchse sicherlich nicht, dann noch das Profil des Bodens dazu, da könnte einiges passieren, aber… du hattest deinen Schutzengel im Gepäck.

    Langer Lauf bei diesen Bedingungen – Christian ist wieder da !
    Freue mich mit dir -aber trotzdem – immer auf der Hut bleiben, gell ?

    Bis bald ciaoooooooooo 8)

    P.S. Schuh- und Klamotten technisch bist du auf alles eingerichtet, das erleichtert das Läufer-Leben und macht noch mehr Freude !

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    • docrunner

      Liebe Margitta,
      mir war ja gar nicht bewusst, dass eine Fuchsjagd im Gange war, von daher spielt es für mich keine Rolle, allerdings war ich ja mitten im Wald unterwegs und da hätte ich ein schönes Ziel abgegeben, aber ich bin nicht so einfach zu treffen wie ein Fuchs ,-)
      Der Lauf war einfach herrlich und die Bedingungen waren traumhaft, so viel Glück hatte ich kaum verdient. Was Schuhe und Funktionsklamotten angeht, geht es mir wie Dir, für jedes Wetter und für alle Bedingungen das Richtige, sogar die Brille 😎

      Salut

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  • Täglichläufer

    Lieber Christian,

    das freut mich zu lesen, daß die Witterungsmächte Dich zu einem Genußlauf par excellence einluden! Während meines gestrigen Regen/Schnee/Glatteis/Matsch/Flutlaufes mußte ich an Dich denken, der hätte Dir auch gefallen – dieser war sehr naß (um etwas zu untertreiben). Und meine „springenden“ Bedenken von einst wurden von der Nässe ebenfalls erobert. 😉

    Bis auf das glatte Element sind die derzeitigen Läufe eben einfach nur grandios, wie auch Dein neuerlicher Bericht wieder beweist. Von dem Jagderlebnis abgesehen, denn jene Zunft betrachte ich auch eher kritisch.

    Schön, daß Du mich als Leser mitlaufen läßt. Das nehme ich als virtuellen Auftakt, um im Anschluß meinen üblichen Waldbesuch zu starten. 🙂

    Ich wünsche Dir einen angenehmen Sonntag,

    liebe Grüße

    Marcus

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    • docrunner

      Mein lieber Marcus,
      der Lauf hatte fast alles, nur Sonnenschein und Schneefall haben gefehlt, aber das hatte ich ja schon öfters. Ja, wir werden momentan verwöhnt mit aussergewöhnlichen Wetterlagen und wir dürfen die Nähe zur Natur noch intensiver spüren. Soso, die Bedenken wurden „sprunghaft“ besiegt, das hätte ich dann schon sehr gerne gesehen 😉
      Du bist mir immer willkommen bei meinen Läufen und auch den Berichten und wenn es Dir einen kleinen Vorgeschmack auf Deinen Lauf gibt, umso besser
      Dir auch noch einen schönen Restsonntag

      Salut

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  • Brigitte

    Guten Morgen lieber Christian!

    Wow, ein so langer Lauf! Liest sich gut – bis auf die Witterung *lach*. Das Video find ich klasse. Ich werde das nun auch öfter mal nutzen.

    Das mit den Füchsen finde ich sehr sehr traurig! Gut, dass du kein Pelzträger bist! Ohne Spass, das kann ganz schön ins Auge gehen.

    Baden in Blüten und Kräutern? Heisst das, dass du noch keine Päckchen von mir bekommen hast? Die Post ist sowas von langsam!

    Ich wünsche dir einen superschönen Sonntag
    Brigitte

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    • docrunner

      Liebe Brigitte,
      der Lauf war nur so schön wegen der Witterung 😉 Irgendwann muss ich Dir das mal zeigen bei einem zwei- bis dreistündigen Lauf durch Schnee und Regen wirst auch Du bekehrt werden.
      Video ist nicht schlecht, nur beim Laufen hoppelt es so, aber was solls. Vor den Jägern habe ich keine Angst, denn die wollen auch keinen Ärger und ich habe das Gefühl, dass sie sehr verantwortungsvoll sind, wenn sie auf der Pirsch sind.
      Bisher kam noch keine Post von Dir an, aber vielleicht badet ja inzwischen der Postbote in Deinen Köstlichkeiten 😉 Lass DHL noch ein wenig Zeit

      Vielen Dank und ich wünsch Dir auch noch einen schönen Sonntag

      Salut

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      • Brigitte

        Lieber Christian!

        Wenn du Spass an einem ausgedehnten laaaangen Spaziergang hast, gerne 😉

        Nun hat sich das mit der Post ja geklärt. Der Postbote war unschuldig *gg*.

        Liebe Grüße
        Brigitte

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        • docrunner

          Ach Brigitte, auch ein Spaziergang im Regen oder bei Schnee hat seinen Reiz, nur wird einem da schneller kalt, deshalb ist laufen viel angenehmer 😉
          Der Postbote hätte auch was zu hören bekommen, wenn ich einen der bombigen Gerüche an ihm entdeckt hätte *g*

          Salut

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  • Steffen

    Lieber Christian,

    das, was ich da lesen durfte, war schlicht und einfach Genuss pur! Dieser Lauf hatte wirklich alles, aber auch wirklich alles, was ein Läuferherz begehrt (Sonne bei Regen ist auch unlogisch, oder).

    Das sind die Momente, die wir lieben, das sind die Gründe, weshalb wir laufen, Natur und Wetter satt, einfach nur unbeschreiblich schön.

    Schöner Lauf, danke dir für´s mitnehmen,
    Steffen

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    • docrunner

      Mein lieber Steffen,
      ja, manche Läufe haben einfach alles und ich bin froh, dass ich genau diese Dinge wieder erleben darf. Es war ja nicht immer so…
      Sonne hatte ich gestern dafür satt, orange-goldenes Sonnenlicht von einer kraftvollen Wintersonne, auch da wusste ich, warum ich immer weiterlaufen muss. Ich nehm Dich immer gerne mit und vielen Dank für Deine lieben Worte

      Salut

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  • Pierle

    Hallo Christian,

    hab deinen Blog gerade „wiederentdeckt“. Früher lief dein Blog auch unter „Docrunner“, oder?
    Ich werd hier jetzt wieder öfter vorbei schauen.
    Schöne Grüße
    Carsten

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  • Gerd

    Bei Treibjagden heißt es Vorsicht walten zu lassen. Manch Jäger schießt auf alles was sich bewegt.
    Und wenn das so ein „Verrückter“ von einem Schlammloch zum anderen springt, wird es schon mal mit einer „Wildsau“ verwechselt! 😉
    Ich wünsche Dir weiterhin „schussfreie Läufe!

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    • docrunner

      Mein lieber Gerd, wenn es denn so sein sollte, könnte ich mir fast keinen schöneren Tod vorstellen, Du etwa? 😉
      Danke für die Wünsche, aber wenn es so weiter geht, werden die Jäger ihre Flinten nicht mehr aus dem Schnee bekommen 😎

      Salut

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