Reset

Es ist doch immer wieder schön etwas Neues zu beginnen oder etwas etabliertes zu verändern oder anzupassen. Obwohl ich ein sehr umstellungserschwerter Charakter bin und vor allem dann meine Ambivalenz zu tragen kommt, wenn die Konsequenzen der Veränderung respektive Entscheidung nicht absehbar sind, lass ich mich immer zum Jahresbeginn zu einigen kleinen aber durchaus wichtigen Änderungen hinreissen.

Die tiefgreifendste Änderung ist wohl der Beginn eines neuen Lauf-/Sporttagebuches. Ich benutze schon seit Anbeginn meiner sportlichen – nicht mehr ambitionierten – Freizeitbeschäftigungen eine eigens hierfür programmierte Datenbank, die jedes Jahr neu begonnen wird mit entsprechenden Modifikationen und Auswertemöglichkeiten. Insbesondere beim aktuellen Jahreswechsel hatte ich viel zu tun, eigentlich ist die Datenbank zum ersten Mal komplett neu überarbeitet worden. Da ich ja 2010 quasi keine Kilometer- und nur ganz selten Höhenmeteraufzeichnungen von meinen Läufen gemacht habe, hatte ich im Februar 2010, diese gesamte Dokumentation aus der Datenbank entfernt, da sonst immer wieder Vergleiche mit den Vorjahren automatisch vom Programm angestellt werden, was mich bei Läufen mit einem Null-Kilometer-Eintrag doch sehr hätte stören können. Also musste ich jetzt diesen gesamten Programmpunkt neu implementieren und habe bei dieser Gelegenheit alle anderen Parameter auf den neusten Stand gebracht. Waren ein paar Stunden Arbeit, hat sich aber gelohnt wie ich meine. Ach ja, das Datenbank Programm ist FileMaker und wird von mir schon seit 1992 auf dem Mac benutzt, inzwischen in Version 11. Auch Rubitrack welches ich für das Auslesen des ForeRunners benutze habe ich eine neue Datei verpasst, da die aus 2009 etwas überfüllt war 😉 Ich werde ab heute wieder meine Läufe per GPS aufzeichnen und dokumentieren, mal sehen ob ich damit ohne Druck wieder klar komme.

Der gestrige Lauf war ein krönender und versöhnlicher Abschluss von 2010. Losgelaufen bin ich mit meiner Liebsten und wir wollten nur auf fast schneefreien Wegen entlang der Rems ein paar flache Kilometer laufen, das ging auch die erste halbe Stunde gut, doch dann bemerkte sie meine sehnsüchtigen Blicke zu den rechts von uns gelegenen Hügeln, die ich von der Seite aus noch nie erklommen habe, so dass ich den Segen bekommen habe, noch etwas schwierigeres Gelände zu erlaufen. Die Icebugs hatte ich zuhause gelassen, da ja asphaltierte Wege geplant waren, was sich allerdings nur gering auf den Laufspass auswirkte. Zuerst suchte ich mir einen Weg aus der Wohnsiedlung, die ich durchqueren musste und dann begann der verzweifelte Versuch der Zivilisation zu entkommen und gleichzeitig einen aufrecht gangbaren Weg auf den Berg zu finden. Die Wege sind alle mit Farben betitelt, so hiess einer „Grauer Weg“ und führte ins Nichts, vorher waren rechts und links sogenannte Wochenendhäuser aufgetaucht, die allerdings teilweise Villen-Charakter besaßen. Ich stapfte dann durch den Tiefschnee den Berg hinauf zwischen eingezäunten Grundstücken um nach geschätzten 50 Höhenmetern auf den „Blauen Weg“ zu stoßen. In der Hoffnung, dass dieser Weg, der steil bergan führte, mich stande pede auf die Höhe führte gab ich wiederum etwas mehr Gas auf dem knöcheltiefen schneeigen Untergrund. Meine Enttäuschung war groß, als dieser Weg in einer Hofeinfahrt eines „Wochenendhauses“ endete nachdem ich fast zweimal aufgrund des schwierigen Geländes gestürzt war. Ich lief vorsichtig wieder ein Stück zurück den Berg hinab um dann auf einen schmale fast unscheinbaren Weg abzubiegen, der sich jedoch als extrem schwierig begehbar herausstellte. Nach wenigen Metern griffen von links und rechts wilde Brombeerbüsche mit ihren Dornen auf dem nicht einmal einen Meter breiten Weg nach mir. Die Brombeersträucher wurden dichter und überwuchsen den gesamten Weg, so dass ich mich plötzlich genötigt sah auf allen Vieren den Berg zu erklimmen, da nur noch ein Durchgang mit einer Höhe von einem knappen halben Meter übrig blieb. Ich sah allerdings schon wieder das „Ende des Tunnels“, ungefähr 25 Meter vor mir erschien eine kleine Kuppe und der Weg wurde breiter und lichter, also hieß es Zähne zusammen beißen und weiter krabbeln, denn umkehren kam nicht in Frage. Oben angekommen fand sich bald schon wieder ein Weg („Roter Weg“), der rechts und links von Wochenendhäusern gesäumt wurde. Ich dachte mir nur: nichts wie weg von hier, diese Bergseite werde ich in Zukunft meiden 😉 Es folgte noch der „Gelbe Weg“ und dann war ich endlich oben. Zum Abschluss zog ich noch durch die verschneiten Weinberge meine Spuren bis zur Haustür. Ungeplant und etwas verworren, aber sicher abwechslungsreich war mein letzter Lauf 2010 nach knappen zwei Stunden zu Ende.

Heute früh sollte dann der erste Lauf in 2011 erfolgen und wer mich kennt, weiß, dass ich morgens nur sehr ungern laufen gehe, allerdings hat der Lauf am ersten Januar in den frühen Morgenstunden schon fast Tradition. Auf gewohnten Pfaden lief ich gen Weinberge in Begleitung von leichtem Schneefall bei Null Fernsicht. Die Ruhe und die Einsamkeit am Neujahrsmorgen ist schon etwas besonderes, obwohl überall die Spuren der Feiern und Feuerwerke zu sehen waren in Form von leeren Sektflaschen und sogar einem inzwischen sehr unappetitlich aussehenden Essensbuffet, welches ganz unerwartet vor einem Weinberghäuschen noch aufgebaut war. Die Reste von abgebranntem Feuerwerk waren allgegenwärtig und verschwanden erst im Wald vollständig von den Wegen. Es war ungewöhnlich wieder mit dem ForeRunner am Arm unterwegs zu sein, ich werde mich jedoch an den Ballast gewöhnen 😉 Nach knappen 15 Kilometern lenkten mich die „Eiskäfer“ wieder in meine Strasse und ich war zuhause angekommen, angekommen im Jahr 2011. Es war/ist ein gutes Gefühl, das neue Jahr so begonnen zu haben…ich wünsche allen Freunden und Lesern ein gutes neues Jahr, mögen Krankheit und Elend uns verschonen, was ich übrigens allen Menschen wünsche.

Salut

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Über DocRunner

Bin besessen von allem was ich anpacke: Beruf, Familie und natürlich vom Laufen. Besessenheit ist für mich Erholung und Genuss, Gleichgültigkeit bedeutet Stress und Langeweile. Mein Lebensmotto hört sich martialisch an, gründet aber auf täglicher Erfahrung und drückt meinen Wunsch aus: Stirb wenn es Zeit ist. Zeige alle Beiträge von DocRunner

14 responses to “Reset

  • Täglichläufer

    Lieber Christian,

    vorweg wünsche ich Dir ein gesundes neues Jahr, welches von Glück, Zufriedenheit und wahrhaftiger Gesundheit für Dich geprägt sein möge – was freilich auch für Deine Familie gilt!

    Die Stille am Neujahrsmorgen ist einzigartig im Jahr – ich schätze das auch sehr – von daher hat sich Dein „Opfer“, so früh zu beginnen sicher mehr als gelohnt. Ich selbst bin auch entsprechend früh gestartet, um jene seltene Atmosphäre geistig wie körperlich aufzunehmen, wenngleich mein Lauf nicht im Ansatz ein Genußlauf war.

    Deine Beschreibung von der Eroberung der farbigen Wege liest sich von meiner Perspektive aus sehr witzig. Ich vermute, daß dieses Areal nicht zu Deiner Lieblingsstrecke werden wird. 😉 Immerhin konntest Du das alte Jahr mit einem abwechslungsreichen Lauf krönen.

    An die neuerliche GPS Dokumentation gewöhnst Du Dich gewiß – ohne, daß Du einen Druck aufbauen wirst. Allein, das liegt an Dir.

    Ich wünsche Dir einen wunderbaren Jahresauftakt,

    liebe Grüße

    Marcus

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    • docrunner

      Lieber Marcus,
      vielen Dank für die Neujahrswünsche, die ich gerade in gleicher Weise an Dich und Deine Lieben zurücksenden darf.
      Der Neujahrsmorgen ist fast der einzige Morgen, an dem ich die Laufschuhe schnüre, ansonsten läuft meine Maschine einfach noch nicht rund. Es war wieder mal wunderbar still, allerdings nicht zu vergleichen mit dem Morgen am 1.1.2009, der war irgendwie besonders, frag mich aber nicht warum 😉 Dein Neujahrslauf hatte wohl etwas unangenehmes, wenn Du ihn nicht genießen konntest. Bin mal gespannt, was dahinter steckt.
      Wahrlich, das Terrain vom Silvesterlauf wird nicht ein neues Lieblingsrevier, aber ich habe die Landkarten bereits studiert und eine angenehmere Route ohne Sackgassen gefunden, so dass ich es sicher noch einmal versuchen werde. Aber schön, wenn Du etwas schmunzeln konntest 🙂

      Dir einen ebenfalls guten Jahresauftakt in ein erfolgreiches 2011

      Salut

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      • Täglichläufer

        Der Jahresbeginn 2010 war für mich eine Besonderheit. Aber in diesem Jahr wurde die seltene Stille durch eine übersteigerte Konzentration, bedingt durch Glatteis verdrängt. Die derzeit herrschende Glätte ist einfach nur extrem.

        Möge es bei Dir anders sein!

        Alles Gute,

        Marcus

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        • docrunner

          Lieber Marcus,
          auf den flachen Passagen und bergan ist es okay, aber bergab habe ich trotz „Eiskäfern“ schon das eine oder andere Ballettkunststück vollführt. Allerdings wäre es ohne die Spikes kaum möglich hier sicher meine Pfade zu erlaufen. ich wünsch Dir trotzdem ausreichend Freude bei Deinen täglichen Runden

          Salut

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  • ultraistgut

    Lieber Christian,

    heute ist Sonntag, es ist eisig kalt, Raureif, die Straßen erneut spiegelglatt, noch sitze ich hier am PC und “ lausche “ deinen Worten.

    Der Statistiker im Manne, komisch, dass die meisten eures Geschlechtes eine Riesen Freude an Statistiken haben, das soll keine Wertung, sondern nur eine Feststellung sein. Für mich als Frau Spielerei schlechthin, obgleich Datenerfassung auf längere Zeit hin (z.B. 32 Jahre laufen) Kilometer mäßig in etwa auch von mir festgehalten wird.

    Wie dem auch sei, ich war dabei, als du unerwartet vor einem Haus landest, als du den Anblick des Unrat der sauberen Menschen am einsamen Neujahrstag mit ansehen musstest, der sicherlich auch heute dort noch vorzufinden ist, wie du durch die Hügel irrst, wundert mich, dass du dort immer noch neue Reviere entdeckst, die dir fremd sind.

    Das gute Gefühl, das neue Jahr mit einem Lauf zu beginnen, das hatte ich ebenso, man hat genügend Zeit, mit dem alten abzuschließen und sich dem neuen voller Optimismus zuzuwenden.

    Liebe Christian, gehen wir es an das Neue Jahr 2011 – es kann nur gut werden !

    Je t’embrasse ! 8)

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    • docrunner

      Meine liebe Margitta,
      wo findest Du denn da Statistik? Ich seh nix 😎
      ne, im Ernst, das letzte Jahr war toll ohne diese zwanghafte Aufzeichnung von den Kilo- und Höhenmetern, allerdings habe ich trotzdem die Läufe in meinem Lauftagebuch dokumentiert, so mit Dauer und welche Strecke ich gelaufen bin und wie es mir ging dabei, ich habe das schon immer gemacht und finde es teilweise sogar interessant, allerdings so akribische Auswertungen wie Gerd will ich nicht machen und brauch ich auch nicht, deshalb fühl ich mich nur ein klein wenig statistisch infiziert 😉 Mein Gedächtnis ist auch extrem schlecht, so dass ich ganz gerne die alten Läufe durchschaue…
      Ich denke Margitta, dass ich nicht einmal die Hälfte aller Wege und Trails hier in der unmittelbaren Gegend erlaufen habe, manche Gegenden hier sind es aber auch nicht wert als Laufrevier entdeckt zu werden, allerdings hat der Silvesterlauf noch ein Nachspiel für diese farbigen Wege 🙂
      Ich nehm Dich auch mal in den Arm und ja, wir packen 2011 an und es wird definitiv ein gutes Jahr 😎

      Salut ma chère

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  • Brigitte

    Lieber Christian!

    Ich wünsche dir und deinen Lieben ein wunderbares und gesundes Jahr 2011, viele schöne Läufe – ob bei Regen oder Sonnenschein und auch viel Erfolg in deinem Berufsleben.

    Über deinen etwas daneben gegangen Lauf musste ich doch ein bisschen lachen. Wenn ich mir das so vorstelle… *gg*. Ich vermute, dass es doch ein paar schönere Strecken für dich gibt.

    Hab noch einen schönen ruhigen Sonntag!
    Brigitte

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    • docrunner

      Liebe Brigitte,
      vielen lieben Dank für die guten Wünsche und für Dich habe ich vor allem Gesundheit in meinem Wunschreigen reserviert, ich hoffe, dass 2011 für Dich ein angenehmeres jahr wird als das vergangene. Wichtig ist nur, dass Du Dich nicht unterkriegen lässt, doch da mach ich mir keine Sorgen 😉
      Der Lauf war ein würdiger Abschluss, da er alles hatte, was 2010 so ein wenig gefehlt hat, etwas Abenteuer und Verirrung, deshalb fand ich den Lauf versöhnlich, aber ich habe mit dem Laufareal noch eine kleine Rechnung offen und die werde ich schon bald einlösen und begleichen, Du kennst mich doch 😉
      Ich wünsch Dir auch noch einen angenehmen Sonntag

      Salut

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  • Pierle

    Die farbigen Wege waren also nicht so deine Freunde. Ich mußte ja doch ein wenig schmunzeln, als ich gelesen habe, wie du auf allen Vieren durch die Brombeeren gerobbt bist.

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    • docrunner

      Hallo Carsten,
      inzwischen ist die Schmach (auf allen Vieren…) fast getilgt, allerdings war die Alternative ein komplett zugeschneiter und vereister Weg mit 18 bis 20% Steigung, also auch eher schwierig, aber ich geb nicht auf 😉

      Salut

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  • Revanche « Docrunners Laufblog

    […] dem doch etwas frustrierenden und abenteuerlichen Streckenverlauf an Silvester, wollte ich sehr schnell die „Schmach“ wieder gut machen, denn auf allen Vieren unter […]

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  • Reset : : Miss Monster

    […] liebe Docrunner kam mir zuvor und hat aktuell einen Blogbeitrag “Reset” getauft. Ich denke, es wird ihm […]

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  • Steffen

    Ein Schöner Start ins neu Jahr, für Wahr! Und was die Statistik angeht – ich glaube nicht, dass du dir da Druck aufbaust, ich selbst führe sie zwar auch (über die Polarsoftware), schaue aber nur sehr selten rein, wozu auch?

    Auch an dieser Stelle nochmals alles Gute, viel Glück und Gesundheit für 2011,
    Steffen

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    • docrunner

      Lieber Steffen,
      Danke für die guten Wünsche und wie bereits an anderer Stelle geschrieben wünsch ich dasselbe auch Dir (Euch).
      Der Druck wird sicher nicht mehr so gross werden, wie er schon war und ein wenig Druck schadet manchmal nicht, allerdings bin ich schon der Typ, der versucht, wenn es knapp wird, noch einen drauf zu setzen, aber ich lass es jetzt einfach mal rollen. Wenn es nicht funktioniert kommt der FR wieder in die Schublade 😉

      Salut

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