Eine läuferische Bilanz

Eine Bilanz zieht man, wenn etwas zu Ende ist oder etwas fertig ist, ich zieh sie jetzt, weil ich wieder an einem Punkt bin, den ich als sehr wertvoll ansehe und schätze. Das Laufen macht überwiegend Spass, die Quälerei ist nur noch selten zu finden und Schmerzen gibt es auch nicht. Ich habe momentan das Glück, dass ich in einer sehr guten mentalen und körperlichen Verfassung bin. Das hat mir die Fast-Marathondistanz gezeigt am letzten Wochenende, ohne einen Trainingsplan und ohne eine Vorbereitung, die darauf ausgerichtet war, einfach nur los gelaufen um die Distanz in FiveFingers zu bewältigen. So sehe ich das Laufen für mich als das höchste Niveau, was ich erreichen möchte und kann. Warum schreibe ich so etwas? Ich musste in den letzten Wochen auf anderen Blogs von Krankheit und Schwierigkeiten und auch für mich von einem gewissen falschen Ehrgeiz lesen. Ich habe mir selbst dann die Frage gestellt, wie würde ich mich entscheiden, wenn ich plötzlich mit Schwierigkeiten zu kämpfen hätte, die mir das Laufen erschweren würden? Nicht anders, als in der Vergangenheit auch, wahrscheinlich sogar wesentlich früher, würde ich das Laufen pausieren um mir und meinem Körper nicht zu schaden und v.a. wieder gesund mit dem Laufen fortfahren zu können. Ich kenne meinen Körper sehr gut, ich weiß was ihm gut tut und was ihm schadet. Ein Neuanfang nach einer Laufpause kann etwas sehr Interessantes und Aufregendes sein, und genau darauf würde ich warten und mich freuen. Auf dem Blog von Volker, kann man die Frage lesen: Wohin geht meine läuferische Reise? Genau das ist es doch, was so interessant ist, keiner weiß ,was ihm das Laufen oder auch Nicht-Laufen noch bringt, es ist die Zukunft und sie bringt Dinge, die wir erwarten und oft genug überrascht sie uns. Einiges lässt sich steuern, aber kontrollieren können wir es nicht.

Für alle Leser spreche ich an dieser Stelle eine Warnung aus, es wird lang und vielleicht auch langweilig, aber das sind ja Alle gewohnt, die mit Bilanzen zu tun haben. Ich muss es einfach mal aufschreiben, die frühen Jahre 🙂

Meine läuferische Reise hat 2003 begonnen, oder besser wieder begonnen, denn bereits in den frühen 90ern habe ich mal einige Monate versucht einmal die Woche „joggen“ zu gehen. Warum habe ich begonnen? So genau weiß ich das gar nicht, es gab viele Gründe, meine Frau hat nach der Geburt unseres Dritten wieder von sportlichen Ambitionen geredet und ich war ein furchtbar notorischer Sucht-Raucher. Also dachte ich mir: tu was für Deine Gesundheit und v.a. steh nicht hinter Deiner Frau zurück. Ich wollte das Rauchen aufgeben, mit HIlfe des Sports, leider hat das erst nach fünf Jahren funktioniert, allerdings habe ich die Menge deutlich reduzieren können und seit 2008 bin ich abstinenter Raucher, dank des Laufens. Zuvor war ich häufiger mit dem Mountainbike unterwegs, allerdings hatte ich schon seit 2000 mit Bandscheibenproblemen an der Halswirbelsäule zu tun, weshalb ich das Rad nur noch selten bestieg.

An den ersten Lauf erinnere ich mich sehr gut, v.a. an die Schmerzen im Brustbereich, den ekligen Geschmack, den ich im Mund hatte und die Schmerzen in den Schenkeln. Vom richtigen Laufen hatte ich zu diesem Zeitpunkt sowieso keine Ahnung, ich lief los in meinen uralten Adidas Laufschuhen, sie hießen glaube ich Nirvana und waren aus 1991 oder 1992. Ich lief zu schnell und kam nur knapp einen Kilometer weit, dann lag ich quasi reanimationspflichtig in einer feuchten und kargen vom Winter gezeichneten Wiese, rücklings und ich konnte mich nicht bewegen. Nur mein Brustkorb hob und senkte sich in einem irrsinnigen Tempo und verbrauchte sämtliche Kohlenhydrate. Ich bekam nicht genug Sauerstoff und es dauerte gefühlt unendlich lange bis ich wieder zu Atem kam. Meine Nike-Boxershorts aus Baumwolle und mein T-Shirt aus dem selben Gewebe waren schwer und auf der Rückseite vollkommen durchnässt als ich mich wieder aufrichtete. Es war ein erstaunlich warmer und sonniger März-Nachmittag und ich begann wieder los zu laufen, viel langsamer und in die umgekehrte Richtung. Ich wollte nur nach Hause. Aufgegeben habe ich trotz der ersten Dramatik jedoch nicht. Vollkommen unambitioniert habe ich weiter trainiert und die Strecke in gemächlichem Tempo jedesmal ein wenig ausgedehnt. Ich verlor Gewicht und habe mir überlegt das Laufen wieder sein zu lassen, da ich eh schon extrem schlank war. Ein Freund, der beim Lauftreff mitlief, sagte mir dann, dass sich das geben würde, sobald ich Muskulatur aufbauen würde und genau so war es. Nach 6 Wochen lief ich schon 30 Minuten am Stück und nach weiteren 4 Wochen war ich zum ersten Mal eine Stunde unterwegs. Ich schloss mich Anfang 2004 dem Lauftreff im Nachbarort an, leider war das nicht allzu sehr kompatibel mit meinem Beruf, da ich die Zeiten nur selten einhalten konnte. Während dieser Zeit bekam ich dann auch den Nick „DocRunner“, was ja eigentlich widersinnig ist, denn ein Docrunner ist jemand, der ständig zum Arzt rennt, und das kann man von mir ganz sicher nicht behaupten 😉

In den folgenden Jahren lief ich fast kontinuierlich 2 mal die Woche, 2006 nach einer kurzen Laufpause wegen Krankheit, entwickelte ich dann Ambitionen auf Halbmarathon und noch mehr, so dass ich ernsthafter trainierte, nicht für ein Zeitziel, sondern um durchzukommen. Der erste ForeRunner kam auf den Markt und war schon bald in meinem Besitz, so wurden Distanzen immer wichtiger. Laufschuhe und Funktionskleidung nahmen einen beträchtlichen Anteil in meinem Schrank ein und autodidaktisch verbesserte ich bzw. änderte ich meinen Laufstil. Effizienter und schneller sollte er werden. Mein Sohn filmte mich und ich begann die Fehler auszumerzen. Nach mehreren Halbmarathonfinishs in 2006 schmiedete ich an einem Trainingsplan für den ersten Marathon 2007. Das kommende Jahr wurde mein Seuchenjahr, viraler Infekt vor Ostern und zu schnelle Wiederaufnahme des Trainings führten zu einer glücklicherweise nur leichten Myokarditis. Nach zwei Monaten Laufpause startete ich wieder durch, allerdings nur kurz, denn es folgte ein Abszess im Oberkiefer, welcher eine langwierige Zahnbehandlung nach sich zog, da im Oberkiefer eine Zyste auf dem Röntgenbild sichtbar war. Also nur regeneratives und langsames Laufen, immer wieder unterbrochen durch Operationen und aufwendige Zahnbehandlungen. Im September lief ich dann ambitioniert einen schweren höhenmeterträchtigen Halbmarathon und ging jämmerlich ein. Das Ziel erreichte ich, jedoch ohne irgendeine Befriedigung. Als ich nach Hause kam hängte ich die Laufschuhe symbolisch an die Wand, und dort blieben sie für viele Monate.

Erst 2008 und dann 2009 fing mich das Laufen wieder auf, irgendwann begann ich wieder zu laufen, anfangs war noch unklar ob mit oder ohne Ambitionen, jedoch kristallisierte sich schon bald heraus, dass Laufbewerbe nichts für mich waren. Nach einigen Laufevents liess ich daher die Ambitionen ruhen und das war für mich die richtige Entscheidung. Seither hat sich das Laufen wie selbstverständlich mit Höhen und Tiefen in die für mich richtige Richtung entwickelt. Inzwischen laufe ich, wenn ich Lust habe zu laufen, ansonsten bleibe ich zu Hause bzw. nehme den Zug von der Praxis nach Hause. Als Ausgleich fahre ich viel mit dem Liegerad und dem Velomobil oder gehe mit den Kindern ins Schwimmbad. Ich weiß, dass meine läuferische Reise noch lange nicht zu Ende ist, aber ich habe mit den minimalistischen Laufschuhen und der damit erneut statt gefundenen Änderung meines Laufstils wieder Neuland beschritten und es tut mir gut. Ich bin dieses Jahr bereits Distanzen gelaufen, die ich mir 2003 am Beginn kaum vorstellen konnte, auch nicht mit solchen Schuhen, und ich fühle mich wohl dabei. Spontanität ist ebenso ein wichtiges Element beim Laufen geworden wie auch die Erkundung neuer Wege.

Entschuldigung für die epische Länge des Beitrags, aber 2008, 2009 und 2010 habe ich nur kurz angeschnitten, was sonst auch definitiv zu viel gewesen wäre, sogar für mich 😉 Ich hoffe die werten Leser – falls es welche gibt – können meine Gedanken nachvollziehen, warum ich das geschrieben habe, falls nicht kann ich das gerne noch ausführen 😉

 

Salut

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Über DocRunner

Bin besessen von allem was ich anpacke: Beruf, Familie und natürlich vom Laufen. Besessenheit ist für mich Erholung und Genuss, Gleichgültigkeit bedeutet Stress und Langeweile. Mein Lebensmotto hört sich martialisch an, gründet aber auf täglicher Erfahrung und drückt meinen Wunsch aus: Stirb wenn es Zeit ist. Zeige alle Beiträge von DocRunner

25 responses to “Eine läuferische Bilanz

  • Brigitte

    Guten Morgen lieber Christian!

    Ein wirklich interessanter Bericht, auch für Nichtläufer.Es ist toll zu lesen, wie du zum Laufen kamst, was dich da zu bewegte und wie du darüber denkst. Dass es zu ehrgeizige Läufer gibt, ist ganz normal. Sowas gibt es überall, in allen Dingen des Lebens. Marcus würde sagen, alles was man übertreibt wandelt sich in Traurigkeit. Da hat er verdammt recht.

    Als ich anfing zu laufen, ging es mir wie dir, nach ca 500 Meter oder war es 1 Kilometer – war Schluss. Der Brustkorb brannte wie Feuer. Kein Wunder, hatte ich erst kurz vorher aufgehört zu rauchen. In einem Punkt sind wir gleich – ich bin abstinenter Raucher und sogar recht militant. Aber da spielt auch noch anderes mit.

    Nochmal danke für deinen kurzweiligen Bericht. Vielleicht kannst du ja 2008 – 2010 ausfrührlicher beschreiben 😉

    Liebe Grüße und eine schöne Woche!
    Brigitte

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    • DocRunner

      Liebe Brigitte,
      ich bin überrascht, dass Du den Beitrag als kurzweilig bezeichnest, ich dachte eher, das muss langweilig sein, meine Laufgeschichte zu lesen. So kann man sich täuschen. Über die Selbstüberschätzung von Läufern und den falschen Ehrgeiz schreib ich nichts, nur so viel, ich habe Fehler gemacht und glücklicherweise daraus gelernt. Dauerhaften Schaden hat mein Körper nicht genommen und somit hatte ich gleich ein zweites Mal Glück 😉
      Ich kenne Deine Gründe warum Du ein militanter Nichtraucher bist und kann es nachvollziehen, ich bin da sehr tolerant, nach dem Motto: leben und leben (sterben?) lassen 😉
      Provozier mich nicht, sonst fange ich gleich an die fehlenden Jahre ganz ausführlich – Tag für Tag – hier zu beschreiben 🙂

      Salut und eine angenehme Woche

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  • Deichlaeufer

    Lieber Christian,

    andere „Läuferbiografien“ zu lesen finde ich sehr spannend und ein Rückblick über viele Jahre läßt sich nunmal nicht in einen Fünfzeiler pressen. Das ist es was ich an den Läuferblogs so liebe, zu lesen wie es anderen ergangen ist und ergeht, was sie für Erfahrungen gemacht haben, was sie für Erfolge und Rückschläge hatten, schlicht wie sie läuferisch so „ticken“.

    Diese Vielfalt führt mich zum Mitlesen in den Blogs. Manchmal mit Bewunderung, manchmal mit Verwunderung, manchmal mit Unverständnis und manchmal vielleicht auch mit einem kleinen bischen Neid;-)

    Aber wichtig ist es ja (nicht nur läuferisch) mit sich im Reinem zu sein und seinen Weg gefunden zu haben und immer neu zu finden.

    Deine (Zwischen!!)-Bilanz ist sehr interessant mit der richtigen Würze „Humor“. Eine spannende und entspannte und vorallem gesundheitliche unproblematische Läuferzukunft wünscht Dir

    Volker

    P.S.: Ich muß mich doch wundern, wie gerade Ärzte immer wieder mal sehr unvernünftig mit ihrer Gesundheit umgehen können (Stichwort Myokarditis, Rauchen)
    Aber jetzt paßt Du ja gut auf Dich auf, gell? 😉

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    • DocRunner

      Lieber Volker,
      ähnlich geht es mir auch. Warum jemand mit dem Laufen angefangen hat interessiert mich sehr, ich liebe diese episodischen Biographien, denn sie verdeutlichen eine Entwicklung über einen meist nur kurzen Zeitraum. Es geht alles viel schneller als man selbst es wahrnimmt. Und das ist schon beachtlich.
      Neid gehört dazu, oft ist es allerdings positiver Neid, sprich ich gönne es demjenigen, weiß aber sehr genau, dass es nichts für meinen Körper wäre, es demjenigen gleich zu tun. Trotzdem würde man gerne diese Leistungsfähigkeit haben. Mit den Mitteln, die einem zur Verfügung stehen, das Vertretbare zu erreichen, das ist ein Ziel, was ein Hobbyläufer erreichen kann. Manchmal ist ein größerer Trainingsumfang nicht drin und damit ist auch die Leistung begrenzt, so ist es eben 😉
      Die Myokarditis war nicht gewollt 😉 und traf mich damals sehr überraschend, da der Infekt zuvor wirklich banal war, aber ich habe daraus gelernt. Zum Rauchen sag ich nix, denn das war einfach nur Dummheit

      Salut und Dankeschön

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  • Täglichläufer

    Mein lieber Docrunner Christian,

    egal wie schnell Du rennst, der Doc ist schon da. 😉 Es bedarf keineswegs einer Entschuldigung für die „epische“ Länge. Ich kenne da jemand, der – aber lassen wir das. Vielen Dank für den sehr interessanten Einblick in Dein Laufleben. Als Dein Leser fordere ich Dich durchaus dazu auf, manche Jahre noch detaillierter darzustellen, gerne in epischer Breite und Tiefe.

    Dein Weg, insbesondere der Auftakt ist in Teilen identisch mit meiner Entwicklung. Zu Beginn bin ich einst nach 240 Metern fast ins Koma gefallen; doch irgendwann bin ich aufgewacht.

    Ich hoffe und wünsche Dir, daß Dein jetziger wertvoller Punkt eine gewisse Zeit in dieser Intensität obsiegen wird und Du das wahrhaftig genießen kannst und wirst. Doch das Leben ist ein steter Wandel, Höhen wie Tiefen und das ist auch gut so. Solange mehrheitlich die Freude dominiert, kann man aber die Täler lächelnd durchschreiten. Nach meiner Erfahrung strebt alles nach Ausgewogenheit und solange man nicht übertreibt, sorgt das Gleichgewicht für Zufriedenheit.

    Wohin die Reise gehen wird, weiß niemand. Über diesen Punkt denke ich auch oft nach. Allein, die Zukunft ist noch nicht geboren und sie wird überraschend über uns hereinbrechen. Und irrelevant, wie sie ausfällt, schlußendlich können wir sie nur annehmen – alles andere wäre falsch.

    Für Deinen weiteren Pfad im Laufen wie im Leben wünsche ich Dir alles Gute, mögest Du immer die Kraft zu einem Lächeln finden. Ich selbst sende Dir in Gedanken nur eines: Gesundheit.

    Liebe Grüße

    Marcus

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    • DocRunner

      Mein lieber Täglichläufer Marcus,
      ja mein Lieber, ich habe den Arzt immer dabei, nur leider ändert das nichts an der Tatsache, dass ich von vielen medizinischen Dingen keine oder nur geringe Ahnung habe, Fachidiot halt *hüstel*
      Zu den epischen Längen sag ich nichts, denn das liegt immer an der Sichtweise des Betrachters und mein eigenes Geschreibsel finde ich meist eher..naja sagen wir mal unzureichend und umständlich, also deshalb breiten wir den Mantel des Schweigens darüber 😉
      Es ist interessant, dass viele Läufer, die ich kenne, einen ähnlich stürmischen Beginn hatten, dass Du auch dazu gehörst ist mit neu und verwundert mich, denn ich war der Meinung, dass Du schon immer ein sehr besonnener Zeitgenosse gewesen seist. Die Übertreibung und Selbstüberschätzung sind der Tod des Genusses und der Freude an etwas, was man bis dahin gern getan hat, so sehe ich es auch. Wenn man allerdings darüber hinaus noch seine Gesundheit -durch an sich etwas Gesundes – riskiert ist es von meinem heutigen Standpunkt aus, reine Unvernunft. Gesundheit ist mit das höchste Gut, wenn wir sie denn besitzen, und es gilt sie nicht zu gefährden und zu bedrohen. Deshalb auch meine Gedanken…
      Die Tiefen gehören ebenso zum Laufen wie auch zum Alltag, sie lassen sich nicht vermeiden, aber wie Du mir gezeigt hast, lassen sie sich auch zu etwas Positivem wenden. Ich kann Dir Deine Wünsche nur zurückschicken, denn eben das selbe wünsch ich Dir auch, lass es Dir gut gehen

      Salut

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  • kohlerst

    Lieber Christian,
    ein großartiger Bericht, für den ich dir sehr dankbar bin, und der in meinen Augen ruhig noch etwas ausführlicher und länger hätte sein dürfen, ganz ehrlich!
    Und wie sich das Erlebte doch so gleicht, besonders was die Anfänge angeht, herrlich!
    Ein sehr interessanter Weg, auf dessen Fortgang ich mich jetzt schon freue!

    Ganz herzliche Grüße,
    Steffen

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  • ultraistgut

    Mon cher Christian,

    “ Ich kenne meinen Körper sehr gut, ich weiß was ihm gut tut und was ihm schadet „.

    Das ist gut, du kennst deinen Körper und tust mittlerweile nur das, was ihm gefällt und was dir nicht die Freude an der Bewegung nimmt. Bis man allerdings dorthin kommt, besonders, wenn der Ehrgeiz im Nacken steckt, das dauert – bei einem schneller, beim anderen später und bei anderen gar nicht, und letztere sind mir in meiner gesamten Laufzeit genügend über den Weg gelaufen, bis sie dann irgendwann sich tot gelaufen hatten und von da an – und das habe ich selbst erlebt – zum Invaliden wurden.

    Langsam und stetig aufbauen, keinen übertriebenen Ehrgeiz zeigen, Signale erhören und danach handeln, dann kann die Freude am Laufen ein Leben lang andauern, ohne dass man wegen irgendwelcher Zipperlein oder ernsthaften Verletzungen für längere Zeit aus dem Konzept gebracht wird, immer wieder neu anfangen muss und irgendwann- auch das habe ich oft genug erlebt – keine Lust mehr hat und dem Laufen den Rücken zu kehrt.

    Nun hast du dein Maß gefunden, dass Laufen Spaß bringt, Abwechslung zum anstrengenden Berufsleben, Ausgleich – Bewegung und vor allem Freude an der Bewegung , ohne Stress, ohne den Drang, gesteckte Ziele erreichen zu müssen, wahrscheinlich bringen uns Erfahrungen und vor allem die Freude am Laufen oder der Bewegung im allgemeinen dorthin, wo wir – du und ich – jeder auf seine Weise – gelandet sind.

    Du wirst sicherlich immer laufen wollen, je länger du läufst, je älter du bist, umso mehr wirst du es zu schätzen wissen, dieses Lebenselixier für dich gefunden zu haben, du wirst mit Freude und Vorsicht Neues ausprobieren, das verstärkt die Freude am Laufen.

    Danke für diesen Einblick in dein Läuferleben !

    Bonne chance pour la future, mon cher Christian !

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    • DocRunner

      Liebe Margitta,

      in den letzten zwei Jahren durfte ich noch jede so kleine Ecke meines Körpers kennen lernen und habe viel gelernt. Ich kann einen Schmerz sehr gut bewerten, kommt er vom Muskel oder hat es andere Gründe und kann dann die richtige Entscheidung treffen. Genauso halte ich es auch bei mentalen Problemen, während des Laufs versuche ich immer wieder zu ergründen, wie es mir geht und was das Problem sein könnte, wenn es mal nicht so rund läuft. Bei Erkältungen oder anderen Infekten zieh ich aus Respekt vor den möglichen Folgen die Notbremse, nachdem ich 2007 diese am eigenen Leib erfahren durfte. Es heisst ja, aus Erfahrung wird man klug 😉 Aber das wünsch ich niemand, obwohl ich welche kenne, denen das droht….

      Ob ich das richtige Mass gefunden habe und ob der Weg, den ich momentan gehe, der richtige ist, wird sich auf lange Sicht zeigen, allerdings fühle ich mich dabei pudelwohl und daher habe ich nur wenig Zweifel. Aber auch ich werde älter und vielleicht profitier ich von der damit verbundenen Weisheit, wäre auch nicht schlecht 🙂 Ich bewundere Dich für Deine Motivation auch an 24-Stundenläufen teilzunehmen, das wäre definitiv nichts für mich -selbst, wenn ich es könnte – ich hätte nicht die notwendige Disziplin und wahrscheinlich auch nicht die mentale Härte und wahrscheinlich fürchte ich mich sogar ein wenig vor einer solchen Erfahrung. Strecken zwischen 30 und 50 Kilometer werden auf lange Sicht meine Welt bleiben und auch nur dann, wenn ich Lust habe 😎

      Merci beaucoup pour ta réponse
      Salut ma chère

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  • Max

    Zuerst mal: Ja, ich hab mich durch den ganzen Text gekämpft 🙂
    Es war sehr interessant mal deinen ganzen Werdegang zu lesen zu bekommen und nachdem ich bis jetzt nur schweigsamer Leser war, wollte ich mal was zu deinem Blog schreiben.
    Ich bin sehr gerne hier und freue mich immer wieder wenn’s neue Laufgeschichten von dir gibt. Mach auf jeden Fall weiter so, auf die nächsten Jahre und die dann folgende Zusammenfassung, die ich mir sicher wieder durchlesen werde 🙂

    Gruß
    Max

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    • DocRunner

      Hallo Max,
      erstmal herzlich willkommen und es feu mich, dass Du Dich getraut hast, einen Kommentar zu hinterlassen. Deine Worte klingen sehr ermutigend und provozieren fast noch längere Texte. Ich denke immer es sollten nicht mehr als 800-1000 Worte pro Beitrag sein, aber anscheinend werden auch mehr gelesen 😉

      Salut
      Christian

      PS: Hast Du was mit dem Internet-Shop voycontigo.de zu tun?

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  • Evchen

    So lang fand ich den Text gar nicht und ich „höre“ Dir gern zu. Es hat immer so etwas freundlich-lächelnd und melancholisch-weitschauendes an sich, wenn Du erzählst. Du hast uns also quasi schon provoziert, mehr Ausführungen von Dir einzufordern. Hopp, hopp, hopp! 😉

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  • Franziska

    Hallo Christian,
    ich hab deinen Blog nun schon länger abonniert und verfolge deine Berichte. Ich finde es toll, wie du deinen Weg beim Laufen gefunden hast. So scheint es mir auch die gesündeste Art einen Sport auszuüben.
    Ich mit meinen knapp 30 Jahren habe mir noch einige (auch ehrgeizige) Ziele gesteckt, die ich aber in aller Ruhe und ohne zeitlich Druck verfolgen möchte.
    Vor einigen Jahren hab ich mit dem Volkstriathlon angefangen. Schwimmen und Rad fahren fällt mir ziemlich leicht, nur beim Laufen fehlt mir seit je her die Leichtigkeit.
    Insofern sehe ich deine Berichte auch als Anregung für mich selbst, das Laufen auf andere Weise zu entdecken. Hier stehe ich noch am Anfang und ich bin gespannt, wohin mich der Weg noch führen wird.

    Im Übrigen mag dein Bericht zwar lang sein, aber er war so interessant, dass er sehr kurzweilig war! 😉

    Viele Grüße aus dem Rheinland
    Franziska

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    • DocRunner

      Hallo Franziska,

      erstmal herzlich willkommen und Danke, dass Du einen Kommentar hinterlassen hast, und was für Einen 😉
      Laufen ist m.E. das einfachste was es gibt, nur braucht es auch sehr viel Geduld und natürlich auch einen gewissen Ehrgeiz. Mit 2-3 x die Woche 20-30 Minuten laufen kann man sehr viel erreichen, wenn man das Tempo und den Laufstil von vorne herein passend auswählt. Sprich langsam laufen und von vorne herein einen sauberen Stil angewöhnen, film Dich doch mal und vergleich das mit dem Laufstil wie er vom Kollegen Marquardt in der Laufbibel empfohlen wird oder mit Deinem eigenen Stil, wenn Du barfuß läufst, Du wirst Dich wundern.
      Triathlon find ich spannend und bereits ganz schön ambitioniert, nur leider kann ich kein solches Rad fahren, wegen meiner Halswirbelsäule, ich fahr deshalb Liegerad und die sind beim Triathlon nicht zugelassen, sonst hätte ich es auch mal probiert, denn schwimmen mag ich auch. Ich wünsch Dir viel Erfolg bei Deinen ehrgeizigen Zielen und verlier bloß nicht die Geduld beim Laufen, irgendwann fluppt es, ganz sicher 😎

      Salut

      Christian

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  • Pienznaeschen

    Bilanz hat für mich einen leicht bitteren Beigeschmack nach Abrechnung und das finde ich ist es so gar nicht geworden – es ist interessant und spannend Deine läuferische Reise ein bisschen mehr kennen zu lernen … und die Frage wohin diese Reise noch gehen wird finde ich sehr sehr spannend …

    Und nein, ich fand es nicht zu lang, ich hätte auch gerne noch ein bisschen mehr gelesen 😉

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    • DocRunner

      Liebe Julia,

      vielen lieben Dank für Deine Worte, ich verbinde glücklicherweise mit Bilanz nichts Negatives, denn bisher waren die „Abrechnungen“ in meinem Leben meist positiv 😉
      Mit der Länge des Textes habe ich meine Leser wohl unterschätzt, ich verspreche Besserung und werde nächstes Mal noch einen drauf setzen 😎

      Salut

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  • Gerd

    Irgendwie findet sich jeder ein bisschen in deinen Zeilen.
    Das Alter. Die Unfitness.
    Man“n“ merkt das man etwas tun muss um das Leben weiter genießen zu können.
    Dann will man alles viel zu schnell.
    Schmerz. Leid. Aufhören!
    Aber zum Glück haben wir aus unseren Fehlern gelernt (Und werden dies hoffentlich auch weiterhin tun) und die positiven Erfahrungen verinnerlicht. Zwar sind die Ziele bei uns beiden unterschiedlich, aber gar nicht mal soooo weit voneinander entfernt. Ich brenne nun mal auf die extra langen Strecken. Ausprobieren was mein Körper, und noch viel wichtiger mein Geist, zu leisten mag. Grenzen ertasten.
    Da ich nicht über die medizinischen Kenntnisse von Dir verfüge muss ich hier und da ein bisschen länger grübeln und ausprobieren bis ich die Zusammenhänge verstehe. Aber mein Körper ist ein sehr schlauer Lehrer. Aber auch hart und unerbittlich. Aber wenn ich ihm folge, erlebe ich nur Gutes!
    Wir genießen das Laufen. Nicht mehr und nicht weniger.

    Ich wünsche Dir, nein uns allen, dass wir weiterhin mit der entsprechenden Freude unseren Sport genießen. Es ist nicht das Wichtigste im Leben.
    Aber es macht das Leben zum Wichtigsten!

    Gruß Gerd

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    • DocRunner

      Lieber Gerd,

      Es ist nicht das Wichtigste im Leben.
      Aber es macht das Leben zum Wichtigsten!

      so ist es, dem kann ich fast nichts hinzufügen. Es hat nur wenig mit meinem medizinischen Wissen zu tun, dass ich meinen Körper sehr gut kennen gelernt habe. Das verdanke ich, wie Du, ausschliesslich dem Sport, allerdings kann ich meist ein Problem schneller eingrenzen und beim Namen nennen und eventuell das richtige tun 😉
      Dein Weg ist trotzdem der härtere gewesen, Gewichtsreduktion, Blutdrucknormalisierung und die vielen Probleme in 2009 haben Dich doch stark gefordert. Ein wenig Vorbildcharakter hast Du deshalb schon, nicht ausschliesslich für mich, sondern wahrscheinlich auch für viele Andere. Ich freu mich aufrichtig, Dich virtuell im Netz getroffen zu haben.

      Geniess Deinen Urlaub
      Salut

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  • Chris

    Deine Aussagen im ersten Teil kann ich voll befürworten: Es ist die Ruhe, die es dazwischen immer wieder braucht. Nach meinem Hauptwettkampf Ende Mai lasse ich es im Juni meist einfach so laufen. Geniesse die Abende, an denen ich raus muss, mach mal zur Sauerstoffdusche ein kurzes Läufchen irgendwohin. Die Wochen, in denen ich nicht laufe, haben so eine ganz andere Qualität. Und dann kommt die Zeit wieder, da brauche ich es einfach. An der Grenze laufen – ja, gegen den Schmerz laufen – nein.

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    • DocRunner

      Lieber Chris,

      ich bin voll einverstanden mit Deiner Laufkultur, an die Grenze gehen kann allerdings nur der, der seine Grenzen kennt und genau da ist der Haken. Ich denke, dass viele diesen schmalen Grat nicht schaffen und dazu neigen sich zu überschätzen. Wenn jemand mental sehr stark ist, kann er seinen Körper überlisten und auch besiegen, doch wenn sein Körper dafür nicht bereit ist, bezahlt er einen hohen Preis. Schmerz u.a., ist ein Warnsignal und nur wer gelernt hat Schmerzen richtig einzuordnen kann auch richtige Entscheidungen treffen, was die (Lauf-)Belastung angeht. Ich bin eher der Typ, der aufgrund seiner Erfahrungen früher zurücksteckt und bin eigentlich ganz froh, dass es so ist 😉

      Salut

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  • Laufalter 10! | DocRunners Laufblog

    […] bei mir abgeschlossen, denn an diesem 10.März habe ich meine Läuferkarriere begonnen, es war ein Montag und es ist nun exakt 10 Jahre her. Ich starte somit in mein elftes Läuferjahr. Erwartet habe ich […]

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