Ausrüstungs-Test: Nimbletoes Speedster

Die letzte Errungenschaft in meinem minimalistisch ausgerichteten Schuhpark und dazu gekommen bin ich, wie die Jungfrau zum Kinde. Na ja, nicht ganz, ein wenig Initiative und Spass war natürlich dabei 😉 Ich hatte schon ein oder zwei Infos übers Netz gelesen, als ich den Schuh zum ersten Mal an einem wildfremden Menschen während eines Wilhelma-Besuchs in Stuttgart gesehen habe. Ich habe ihn dann angesprochen und recht schnell waren mir die Vorzüge des Schuhs klar, es entwickelte sich ein nettes Gespräch über Lauf- und Alltagsschuhe. Ich habe mir den Speedster dann umgehend bestellt. Leider war er in meiner Größe – übrigens, wird die normale Schuhgröße empfohlen und nicht ne Nummer größer – nicht verfügbar, aber ich wurde zeitnah darüber informiert und nach gut zwei Wochen konnte ich den Speedster dann auspacken.

Verarbeitung und Ausstattung

Als das Paket ankam habe ich den Schuh erstmal ausführlich befingert und konnte keine Verarbeitungsfehler feststellen. Bei Lieferung steckte jeder Schuh in einem dünnen Stoffsäckchen, was sehr gut zum Transport im Gepäck weiter verwendet werden kann – sehr löblich. Der leichte Schuh ist astrein verarbeitet, keine störenden Nähte an der Innenseite und eine angenehme textile Fütterung. Die gewohnte Vibram Sohle mit 4 Millimeter Stärke ist sehr gut mit dem Obermaterial verbunden und das ungewöhnlichste ist sicherlich die Schnürung (Archraiser®-Schnürung). Die Farbe ist je nach Lichteinfall ein olivgrün und schwarz bzw. eher ein aubergine (s. Film am Ende).

Nimbletoes Speedster - der ganz andere Laufschuh

Tragekomfort und Praxistauglichkeit

Schon das erste Anprobieren macht Lust auf eine Laufrunde. Er ist weich und bietet doch im Fersenbereich absoluten Halt. Die patentierte Schnürung soll den Mittelfuss stabilisieren, was es meines Erachtens gar nicht braucht, da der Schuh sehr gut sitzt und durch die Zehenfreiheit im Vorfuß, trotz der 6 Millimeter Innen- und Aussensohle, die den Fuß vom Untergrund trennen, ein sehr direktes Barfuß-Feeling aufkommen lässt. Ich habe beim ersten Lauf, die Schnürung etwas zu fest angezogen, was meinem Fußrücken eine leichte Druckstelle beschert hat, inzwischen ist die Schnürung aber optimal und insgesamt sehr locker geführt. Die Schnürsenkel sind sehr vorbildlich, lassen sich gut anfassen und binden und vor allem gehen sie nicht von selbst wieder auf.

Weder bergauf noch bergab gibt es Probleme mit dem Sitz und dem Halt des Fußes im Schuh. Die Sohle ist sehr glatt und dadurch optimal auf ebenen oder sehr fein strukturierten trockenen Untergründen. Asphalt, Stein und sehr feiner Schotter sind das bevorzugte Terrain. Aber auch auf trockenen Waldwegen und Trails spielt der Schuh seine Direktheit aus. Auf nassem und rutschigem Untergrund, sowie Matsch, ist dagegen der Grip komplett verloren. Da hilft dann nur noch ein Abrollen über die Ferse um die Kontrolle nicht zu verlieren.

Der Schuh kann ohne weiteres mehrere Stunden oder auch einen ganzen Tag getragen werden, ohne dass es zu größeren Problemen kommt. Der Komfort beim Laufen ist so gut und das Gewicht so gering, dass ich meist den Schuh als solches von Anfang an nicht wahrnehme. Ich habe den Schuh auch beim Wandern und Kanufahren getragen und auch im Alltag in der Praxis und die Funktion war immer gleich gut. Wer den Schuh reinigen will, kann das wohl bedenkenlos laut Hersteller bei 30°C tun, bisher reichte ein feuchtes Tuch und eine Nagelbürste um das Obermaterial wieder sauber zu bekommen.

Fazit

Nicht nur beim Laufen in Wald und Flur, sondern auch im Alltag mausert sich der Speedster zu meinem Lieblingsschuh. Ausser bei nassen und matschigen Untergründen bietet er ausreichend Halt und Sicherheit. Die Passform ist überlegen und wird nur noch von den FiveFingers und barfuß getoppt. Der hohe Preis macht sich bezahlt und das zweite Paar für den Alltag ist bereits bestellt, denn auch hier lege ich inzwischen Wert auf das natürliche Gehen. Der Manufaktur-Charakter ist dem Schuh anzumerken und das macht ihn nicht nur zu einem strapazierfähigen Laufutensil, sondern auch zu einem sehr wertigen „Fußschmuck“.

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Über DocRunner

Bin besessen von allem was ich anpacke: Beruf, Familie und natürlich vom Laufen. Besessenheit ist für mich Erholung und Genuss, Gleichgültigkeit bedeutet Stress und Langeweile. Mein Lebensmotto hört sich martialisch an, gründet aber auf täglicher Erfahrung und drückt meinen Wunsch aus: Stirb wenn es Zeit ist. Zeige alle Beiträge von DocRunner

19 responses to “Ausrüstungs-Test: Nimbletoes Speedster

  • Ausrüstungs-Test: Minimalist Footwear « DocRunners Laufblog

    […] Nimbletoes Speedster Fazit Einen Sieger gibt es für mich nicht, jeder Schuh hat seine Berechtigung und je nach Gelände und Laufuntergrund kann der Eine oder Andere punkten. Jedoch eines haben sie alle gemeinsam, sie sind leicht im Vergleich zu den gedämpften und Fersen erhöhten Asics und Co. Leider haben die Schuhe auch den Nachteil, dass sie im Preis den massenhaft verkauften in nichts nachstehen und insbesondere der Manufaktur-Schuh „Nimbletoes“ hinterlässt ein Loch in der Brieftasche. Ich hoffe, dass ich nicht schon bald wieder in Versuchung gerate Salut […]

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  • Täglichläufer

    Lieber Christian,

    ich gratuliere Dir zu Deiner neuen Errungenschaft, die mich jetzt ein wenig überrascht hat, da ich davon ausging, daß Du nur noch FiveFingers erwerben wirst. Offensichtlich hat Dich der Schuh überzeugt und ich hoffe, er macht seinem Namen alle Ehre und Du düst damit rasant durch Wald und Wind. 😉

    Was bereits auch das Video bestätigt, eine schöne Idee übrigens. Einen kleinen hügeligen Eindruck Deines Laufareals habe ich dadurch gewonnen.

    Ich wünsche Dir noch viel Freude mit Deiner Neuerwerbung und ich hoffe, daß der Langzeittest Deinen positiven Eindruck bestätigen wird.

    Einen schönen Sonntag und liebe Grüße,

    Marcus

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    • DocRunner

      Lieber Marcus,

      dankeschön, aber nicht der Schuh hat mich überzeugt, sondern das natürliche Laufen barfuß oder mit minimalistischem Werkzeug. Die FiveFingers sind nur eine Methode seine Fußsohlen zu schützen, durch den Freiraum der Zehen in den Nimbletoes habe ich fast noch mehr den Eindruck barfuß zu laufen. Es ist sehr individuell, ich habe schon bei anderen gelesen, die mit den „Schuhen“ gar nicht klar gekommen sind 😉
      Mein Laufrevier ist vielfältig und der Wald an verschiedenen Orten sehr unterschiedlich, im Video sind nur Trails zu sehen, die gut zu erreichen sind von öffentlichen Waldwegen aus 😎

      Salut und einen schönen Rest-Sonntag

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  • midlifecrisis

    Sehr interessant, sehr professionell. Auch das Video. Kompliment! Und du weißt ja: irgendwann werde ich dann auch mal…
    Was würdest du denn zum ganz langsamen Einstieg empfehlen? FiveFingers, NikeFree oder die Nimbletoes?

    Viele Grüße
    Rainer

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    • DocRunner

      Lieber Rainer,

      einen definitiven Rat kann ich Dir nicht geben, ich denke, das muss man selbst probieren. Ich würde aber grundsätzlich anders beginnen, wenn ich nochmals mit dem barfuß Laufen beginnen würde. Nämlich wirklich barfuß, und erst wenn ich da eine halbe bis eine Stunde laufen könnte, würde ich mich dem minimal footwear zuwenden. Schon zu spät, für mich auf jeden Fall 😉

      Salut

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  • ultraistgut

    Lieber Christian,

    erst einmal zu deinem Video, das ich ja schon bei FB kommentiert hat, macht Spaß, es anzusehen, immer wieder, locker, leicht, fetzig dazu die Musik, das animiert zum Nachmachen, was ich in kleinen Schritten auch tue, nur bei der Vorbereitung auf die ganz langen Kanten wäre das wohl ein wenig vermessen, langsam und mit Freude an die Sache heran zugehen, so wie du es auch tust.

    Dieser Schuh reizt mich selbstverständlich auch, aber………. zwei genügen erst einmal, auch wenn die Versuchung allzu groß ist.

    Danke für deine Erfahrungsberichte.

    Warum hast du die Kommentarfunktion beim folgenden Artikel abgeschaltet ❓

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    • DocRunner

      Liebe Margitta,
      vielen lieben Dank für Dein Lob, das ist mir sehr wichtig, wie Du weißt 😎
      Ich versteh Deine Beweggründe sehr gut und das Timing muss stimmen, und der Spass darf dabei auf gar keinen Fall zu kurz kommen. Der Schuh ist wirklich gut und sieht so gar nicht nach einem Laufschuh aus, ausser auf nassen Trails ist das Barfußgefühl erste Sahne. Inzwischen habe ich den zahmen Schuh für die Strasse gefunden 😉

      Salut

      PS: Hm, komisch, das mit der Kommentarfunktion, werde ich mal prüfen, nur nicht heute, Sommergrippe, Fieber, muss ins Bett 😦

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  • kohlerst

    Super Bericht und ein noch viel besseres Video – oh man, was beneide ich dich um den wunderbaren Wald :-(!!

    Ein Schuh, den ich mir gut merken werde. Aber wie bei Margitta – für die ganz langen Kanten ist mir das noch zu joger…

    Ich wünsche dir erst einmal gute Besserung und eine schöne Woche,
    Steffen

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  • Daniel Kopp

    hübsches vid. aber viel wichtiger als die ausrüstung ist ein schönes laufrevier – und das hast du ja 🙂
    davon konnte ich mich ja überzeugen. wirkt teilweisde wie der naturpark hier in augsburg.

    lg
    daniel

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    • DocRunner

      Du hast natürlich Recht, insbesondere was die Schuhe angeht, denn das barfuß laufen macht fast genauso viel Spass 😉
      Das Privileg des abwechslungsreichen Laufreviers habe ich wie Du auch, allerdings fehlt mir die Nähe zu alpinen Touren 😀

      Salut

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  • Chris

    Du pirschst dich da wie ein Indianer durch das Dickicht an deine Beute ran… 🙂

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  • Gerd

    Der gefällt mir!
    Ich muss mich bei deinen Berichten ein klein wenig zurückhalten. Du machst mir jedes Mal den Mund wässerig. 😉

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  • Gundula

    Hallo DocRunner,
    ich habe mir vor einigen Tagen auch den Speedster rot gekauft und war dazu sogar bei der Herstellerfirma Bär in Bietigheim-Bissingen.

    Mit dem „Barfuss-Laufen“ an sich komme ich gut klar, zum einen ohne Schuhe auf Asphalt, Schotter, Gras, zum anderen mit den Zehenschuhen – trage sie schon 3 Jahre lang – und den Leguano (zu Hause), früher auch unterwegs mit den Feelmax panka (gut, aber schnell löchrig).

    Nun meine Frage:
    Ich möchte ab 14.05. – 20.06.2012 den ca. 800 km langen Camino in Spanien wandern. Würdest Du dazu die Nimbletoes „Speedster“ auch raten?

    Ich liebäugle sehr damit, bin mir aber unsicher, weil diese Schuhe auf dem eventuell regenglattem Geröllweg (Pyrenäen) nicht rutschfest sind. Allerdings habe ich meine Wanderstöcke dabei, die als Stütze (Bremse) wirken.

    Danke für Deine Antwort.
    dr.gock (63 J.)

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    • DocRunner

      Hallo Gundula,
      erstmal schön, dass Du meinen Bericht gelesen hast. Entgegen anderen kurzen Berichten auf der Shop-Seite von den Nimbletoes, nehme ich den Speedster nur auf trockenen und eher „kompakten“ Trails und Forstwegen zum laufen. Ich finde bei Matsch und Nässe ist er zu schlüpfrig und mir fehlt die Stabilität. Da ich davon ausgehe, dass Du „wandern“ wirst, also eher gehend unterwegs bist, könnte es schon funktionieren. Versuch es doch einfach mal, Schotterwege oder nasse Waldwege finden sich überall, auch ein leichter Anstieg bei regennassen Bedingungen kann schon die Tauglichkeit zeigen.
      Bin momentan in den Alpen und finde den Speedster auf den Steigen und groben Schotterwegen ganz okay, allerdings nur beim Wandern. Laufend ist es mir zu, sagen wir mal, gefährlich, da nehm ich lieber den Trail Glove (s. Bericht) oder sogar einen Trailschuh von Salomon 😉
      Du scheinst ja sehr viel Erfahrung mit Barfuß-Schuhen zu haben, da bin ich ja noch ein richtiges Greenhorn 🙂
      Danke für Deinen Kommentar

      Salut
      Christian, auch Dr.

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  • Jope

    Hallo,

    wie ich schon woanders (https://regenlaeufer.wordpress.com/2011/07/23/ausrustungs-test-minimalist-footwear/) gesagt habe, habe ich mir vor über einem Monat auch die Speedster besorgt – und sie postwendend zurückgeschickt.

    Für mich sind diese Schuh (mal wieder) eine Katastrophe. Von der Länge her passt mir der Schuhe zwar (Größe 13), ABER:

    1. Der Schuh ist viel zu eng von der Höhe her (Spann).
    2. Die Sohle ist zwar relativ dünn, aber viel zu steif, und was noch viel schlimmer ist: sie ist ungleichmäßig steif. Der grüne Teil – denn Bär wohl aus ästhetischen Gründen eingebaut hat – ist viel steifer als der Rest, was sich natürlich negativ auf das Abrollverhalten auswirkt.
    3. Genau wie beim Vivo Barefoot Evo knickt bei jedem Schritt das Obermaterial nach unten und drückt mir auf den Fuß.

    Kurzes Fazit: der Schuh ist für mich völlig unbenutzbar, und minimalistisch erst recht nicht.

    Wenn Dir dieser Schuh passt, dann passt Dir auch der Evo und der Neo.

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    • DocRunner

      Jochen, das tut mir leid,
      ich bin nicht unzufrieden mit dem Speedster, allerdings ist er nicht vergleichbar mit dem puren barfuß laufen oder den FiveFingers. Was die Sohle angeht gebe ich Dir Recht, obwohl ich diese Unregelmäßigkeit nicht bemerkt habe. Das mit der Spann-Höhe hatte ich beim ersten Lauf auch und habe dann wesentlich weniger fest geschnürt und komme seitdem gut klar und der Fuß sitzt ausreichend fest im Schuh. Ich hatte allerdings auch anfänglich bei längeren Läufen (20+) das Problem mit dem Obermaterial und habe an dem 3. Zeh auf einer Seite eine wundgescheuerte Stelle, was nicht angenehm war, inzwischen passiert das aber nicht mehr, wahrscheinlich hat sich die Eigenschaft des Obermaterials „eingelaufen“ 😉

      Das mit dem Neo Trail werde ich wahrscheinlich in Angriff nehmen, denn mit einem „normalen“ Schuh, wie dem Salomon tu ich mich absolut schwer 😦

      Salut und Danke für Deine offenen Worte
      Christian

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