Intervall am Sonntag

Leider habe ich die letzten zwei Wochen kaum noch Zeit gefunden meine Freizeit zu strukturieren, weil sie de facto nicht existiert hat, sprich Laufen nur maximal 45 Minuten und andere Blogs lesen war gar nicht drin. 14-15 Stunden pro Tag mit Arbeit zugeschüttet und selbst am Wochenende sah es nicht besser aus. Manches muss leider erledigt werden, nur ist es fast schon selbstverständlich, dass gleich mehrere solche zeitnah zu erledigenden Dinge auf einmal aufschlagen. Aber es ist ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen und mir scheint, dass gerade heute ich sogar den Tunnel ganz verlassen habe, auf jeden Fall was das Laufen betrifft 😎

Gestern ging es im Nieselregen eine starke Stunde durch den Wald, was mich maximal erfrischt hatte, so dass ich mich wieder in die Arbeit stürzen und sehr viel mehr erledigen konnte, als ich mir vorgenommen hatte. So blieb mir heute Zeit für Familie und für einen Lauf von mindestens zwei Stunden. Die Sonne brannte und Menschenmassen waren unterwegs, also musste ich mich entscheiden, wohin mich meine Füße tragen sollten. Da ich Mitte der kommenden Woche zu einem Treffen von Laufbloggern aufmache und dort lauter Marathonis und Ultras auftreten, wollte ich heute für mich eine kleine Duftmarke setzen. Leider reichen zwei Stunden dafür nicht, aber vielleicht können mich Höhenmeter befriedigen? Aber für 600 bis 1000 Höhenmeter brauch ich auch mindestens 25-40 Kilometer, also blieb mir nur eine bekannte Strecke mit definierten Höhenmetern mehrmals zu laufen, ganz frech nenn ich das mal Bergintervalltraining, obwohl es nur ein Hügel ist und ein Training ist es sowieso nicht, aber eine Herausforderung. Zwei Strecken kommen in Frage, die eine erfordert 6 Kilometer Anlauf und hat knapp 200 Höhenmeter mit Steigungen bis 27%, die andere braucht nur knapp 3 Kilometer Anlauf und hat 130 Höhenmeter mit maximaler Steigung von 21%. Ich entschloss mich für die zweite Variante und hatte mir mindestens vier Intervalle vorgenommen. Mit 700 Milliliter Wasser bewaffnet lief ich dann los, die Luft war schwülwarm bei 22-23°C, die Sonne brannte unerbittlich und mir schwante schon der Durst, den ich erleiden muss bei meinem Vorhaben. Abgelenkt wurde ich dann von dem hier residierenden Storch, der mich in niedriger Höhe überflog.

Zum Anfassen nah am blank geputzten Himmel

Zum Anfassen nah am blank geputzten Himmel

 

Als ich den Startpunkt für das erste Bergintervall erreicht hatte, schaute ich kurz auf die Herzfrequenz und öffnete den Reissverschluss an meinem Shirt, kurz nach dem Beginn der Steigung überholte mich ein Mountainbiker und enteilte mit einem Vorsprung von ca. 30 Metern. Im Verlauf der Steigung konnte ich dann wieder aufschließen, allerdings schoss er auf der ersten flacheren Strecke davon. Nicht lange, denn das steilste Teilstück kommt zum Schluss und da hatte ich ihn dann wieder gestellt, er quittierte dies mit einem gequälten Grinsen. Meine Beine waren locker und ich war zufrieden, ich lief zurückhaltend wieder hinunter und startete sogleich zum nächsten Intervall, welches zum Schluss etwas anstrengender wurde ob der Hitze, aber mein Körper erinnerte sich rasch daran, wie er sich wieder erholen konnte und so war ich bergab wieder erfrischt und nach ein paar Schlucken Wasser fühlte ich mich fast schon ausgeruht 😉 Das dritte Intervall war dann das Schwerste, ich zweifelte an meinem Vorhaben noch einmal den Anstieg zu nehmen und entschloss mich erst an der Talsohle zu entscheiden. Die Gedanken Schluss zu machen waren dort jedoch verschwunden und nur die Beine wollten Ruhe, also nahm ich Nummer Vier unter die Füße. Überraschenderweise lief es fast von selbst und obwohl die Zunge am Gaumen klebte konnte ich mir ein Lächeln nicht verkneifen als ich oben ankam. Ich leerte den letzten Schluck aus der Flasche und trat den Heimweg an, nicht ohne ein sehr zufriedenes Grinsen im Gesicht zu tragen, welches weiter anhält 😛

Ich liebe die Höhenprofile von Intervallen ;-)

Ich liebe die Höhenprofile von Intervallen 😉

 

Zufrieden und glücklich sitz ich jetzt hier auf der Couch und freu mich tierisch auf das kommende verlängerte Wochenende an der Mosel, hasta la vista….

 

Salut

Christian

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Über DocRunner

Bin besessen von allem was ich anpacke: Beruf, Familie und natürlich vom Laufen. Besessenheit ist für mich Erholung und Genuss, Gleichgültigkeit bedeutet Stress und Langeweile. Mein Lebensmotto hört sich martialisch an, gründet aber auf täglicher Erfahrung und drückt meinen Wunsch aus: Stirb wenn es Zeit ist. Zeige alle Beiträge von DocRunner

18 responses to “Intervall am Sonntag

  • Frank Biermann

    Bei 15Stunden Arbeit ist es logisch das man nicht mehr viel ans Training denken sollte. Da fällt mir nur noch das Bett ein.

    Berglauftraining ist wirklich eine Einheit mit dem meisten Spaßfaktor. Zumindest bei mir. Da merkt und sieht man hinterher genau was man getan hat. Respekt! Klasse gemacht!

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    • DocRunner

      Manchmal ist es einfach schwierig ein paar vernünftige Läufe im Arbeitsalltag unter zu bringen. Ehrlich gesagt hatte ich auch kaum Lust dazu, weil ich meist physisch fertig war. Aber dafür gibt es ja die schönen Stunden und das Gute ist, ich weiß, dass sie immer wieder kommen 😎

      Salut
      Christian

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  • midlifecrisis65

    Na da hast Du ja nochmal zugeschlagen 😉 Keine Sorge, wir werden Dir nicht davonlaufen. Wir werden Spaß haben und uns Zeit nehmen.

    Die Situation mit dem Mountainbiker kommt mir übrigens sehr bekannt vor. Das macht schon Spaß, die Biker an ihren Maximalpuls zu bringen, wenn man da von hinten aufschließt 😉

    Genieße das schöne Gefühl nach einem hübsch anstrengenden Lauf! Wir sehen uns am Donnerstag!

    Liebe Grüße
    Rainer 😎

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  • Anna

    Lieber Christian,

    herzlich Willkommen zurück ins Blog-Leben!!
    Das hast du genau richtig gemacht – die paar Minuten die du übrig gehabt hast, bist du wenigstens gelaufen! Die beste Methode um Stress abzubauen!!

    Die Situation mit dem Mountainbiker habe ich (noch) nie erlebt, aber ich stelle es mir ganz lustig vor. Er muss sich schön geärgert haben, als du ihn immer wieder eingeholt hast. 😉

    Die Arbeit erledigt und ein anstrengendes Intervalltraining geschafft! Ich freue mich mit dir. Da ich das Gefühl kenne (ich glaube jeder von uns Läufer kennt das Gefühl) grinse ich mit dir! Zufrieden und glücklich hört sich sehr gut an! 😀

    Viel Spaß nächstes Wochenende!

    Liebe Grüße Anna

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    • DocRunner

      Liebe Anna,

      manchmal hat das wirkliche Leben Vortritt und das erste was ich dann hinten anstelle ist die Virtualität im Netz, denn sonst wird das nichts. Ein paar Mal im Jahr fordert die Selbständigkeit ihren Tribut und ich bin jedesmal froh, wenn die Phasen vorbei sind 🙂
      Intervalle am Berg sind einfach etwas sehr Schönes, wenn die Oberschenkel anfangen zu schreien, der Schmerz da ist, aber der Kopf sagt, dass nochmal ein Intervall ansteht, ich bin früher fast ausschließlich solche Intervalle gelaufen, auf der Bahn macht es keinen Spass und v.a. macht es für mich auch keinen Sinn, denn schneller will ich nicht werden 😉

      Vielen Dank, Anna

      Salut
      Christian

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  • Deichlaeufer

    Lieber Christian,

    15 Stunden arbeiten??? Manchmal weiß ich doch, was ich an meinem tristen Beamtendasein habe, in der Regel geregelten Feierabend z. B. :mrgreen:

    Mountinbiker habe ich zwar noch keine eingeholt. Aber normale Radfahrer bei starkem Gegenwind schon. Das ist sehr lustig, selbst wenn mir bei so starkem Wind selbst fast die Lunge aus dem Hals fliegt 😀

    Du bist nach dem Lauf ja gut vorbereitet auf Trier. Da werden wir in dieser Form sicher nicht zusammen laufen. Aber nach dem Laufen bleibt ja sicher noch genug Zeit zum Saufen :mrgreen:

    Ich freue mich auf Freitag.

    Moin Moin
    Volker

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    • DocRunner

      Mein lieber Volker,

      ab und zu bin ich auch neidisch auf Angestellte, zwecks geregeltem Feierabend und so, aber normalerweise sind die 12 Stunden täglich unproblematisch. Ich habe es so gewollt und ehrlich gesagt, bislang auch kaum bereut. Ab und zu trifft es einen halt, Finanzamt, Kassen und berufspolitische Verbände haben ein Gespür dafür, alle gleichzeitig etwas zu wollen, dann muss die Arbeit halt getan werden 😦
      Es hat einen ganz speziellen Reiz Biker einzuholen, ich mag es auch, aber es weckt immer so einen Wettkampfgeist in mir….
      Was heißt hier gut vorbereitet, ich denke schon, dass wir in einer ähnlichen Form sind, nur dass Du momentan noch etwas ausgebremst bist durch die „Verletzung“, solltest Du laufen können, werden wir sicher auch gemeinsam unterwegs sein und das Saufen kommt dann nach dem Lauf, recht so 😛

      Salut und bis Ende der Woche

      Christian

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  • Weinbergschnecke

    „Mitte der kommenden Woche zu einem Treffen von Laufbloggern aufmache und dort lauter Marathonis und Ultras auftreten“ – ääähm, wohin fährst du am kommenden verlängerten Wochenende, lieber Christian? 😆

    15 Stunden Arbeit sind mehr als happig, selbst wenn man einen großen Teil der Arbeit gern tut und sie abwechslungsreich ist. Um so schöner, dass du dir nebst Familie ein paar Tage freischaufeln konntest. Ich freu mich auf das persönliche Kennenlernen! 🙂

    Liebe Grüße,
    Anne

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    • DocRunner

      Liebe Anne,

      ein paar „Normalos“, also Du und ich, scheint es dort ja dann doch noch zu geben, aber ansonsten 😉

      Leider ist es auch dann anstrengend und es frisst die gesamte Zeit, auch wenn man gerne arbeitet – und zu denen zähl ich mich – aber ich weiß ja meist, dass es absehbar ist bis wieder mehr Ruhe einkehrt. Ich freue mich auch Dich kennen zu lernen und v.a. auch an den paar Tagen weg von der Arbeit zu sein 😎

      Salut, bis Donnerstag

      Christian

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  • Täglichläufer

    Lieber Christian,

    wo entschwindet sie nur hin, die rare Zeit und dann gar noch die Freizeit? Es freut mich zu lesen, daß Du sie, wenn auch sicher nur partiell – einfangen konntest und selbige mit einem angenehmen Lauf garnieren durftest. In diesen Momenten registriert man die temporäre Flüchtigkeit umso intensiver und weiß die kostbare (Lauf)zeit wahrhaft zu schätzen.

    Nieselregen! Welch ein Wort. Nein, da denke ich gar nicht weiter nach, doch ich gönne es Dir von Herzen. Und die Höhenmeter taten sicher das ihrige für den maximalen Genuß. Über Deine radlige Begegnung mußte ich lächeln, derartige Situationen kenne ich zur Genüge, insbesondere das Klicken und Klacken der Schaltung finde ich immer höchst amüsant, welches man zu hören bekommt, wenn man die radligen Gesellen im Laufschritt überholt. 😀

    Ich wünsche Dir eine angenehme Woche, gebe Dich der Vorfreude hin und ja, vielleicht findest Du noch etwas Zeit – oder sie Dich. 😉

    Liebe Grüße,

    Marcus

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    • DocRunner

      Lieber Marcus,

      die Zeit und nicht nur die Freizeit ist das kostbarste Gut, was ich selbst zuteilen kann, nur leider nicht immer und v.a. nicht in vollem Maße. Wenn es nach mir ginge wäre ich da gerne unabhängiger, nur leider interessiert das den Rest der Welt nicht. Es wird verfügt und abgefordert wie es beliebt. Das geht nicht lange gut.
      Der Nieselregen am Samstag war sehr angenehm obwohl die Schwüle dadurch etwas stärker wahrgenommen wurde. Die Biker sind am Berg ein drolliges Volk, da wir Läufer hier total überlegen sind und nur uns selbst in Bewegung halten müssen und nicht zusätzlich einen Haufen Metall 🙂
      Vorfreude, ja die habe ich, ein paar freie Tage, Laufe in fremden Revieren und Zeit mit der Familie verbringen, was will ich mehr 😉

      Salut

      Christian

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  • Karina

    Tja solche Wochen wird es immer mal wieder geben. Selbst und ständig sage ich immer. Jetzt wo das Wetter wieder besser wird versuche ich immer mit dem Bike in die Praxis zu fahren, so habe ich dann auf dem Rückweg schon mal gleich ein „Bergtraining“ hinter mir. Wenn man schon zu nix anderem kommt.
    Und du wirst sehen, in der Gruppe laufen sich die Berge ( die hier in Trier gar nicht so hoch sind wie alle vermuten ) fast unbemerkt und freue dich einfach auf die fantastische Ausicht oben.
    Leider sind wir nicht mit dabei, da wir die Berge im Schwarzwald testen 😉
    Über die Sache mit dem MTB musste ich lachen. Ist ja fast so als ich Aquajoggend einen Schwimmer überholt habe.
    Viele Grüße
    Karina

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    • DocRunner

      Liebe Karina,

      schade, dass ihr nicht dabei seid, aber der Schwarzwald ist natürlich ein guter Grund 😎
      Das mit dem Bike in die Praxis mach ich ja auch oft genug, aber ich empfinde das radeln in der Stadt eher als anstrengend, deshalb fahre ich häufig mit der S-Bahn hin und laufe abends heim.
      Ich bin gespannt auf Trier und die umliegende Mosellandschaft, war zuletzt vor über 30 Jahren im Schullandheim dort, war nett, nur ist die Erinnerung schon ziemlich blass 😉

      Salut
      Christian

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  • SilberExpert

    Lieber Christian, jedes Lebenszeichen von dir freut mich. Ganz besonders wenn darin zu lesen ist, dass du die anstrengende Arbeitswelt läuferisch hinter gelassen hast. Dass du Intervalltraining dann gleich mit einer Extremtour verbindest ist eine andere Geschichte. Da scheint es im Verborgenen noch irgendwelche Ressourcen gegeben zu haben *lacht*!

    Erhol dich ein wenig, spätestens im verlängerten Wochenende!
    Alles Gute – Reinhard

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    • DocRunner

      Lieber Reinhard,

      naja, so ganz hinter mir liegt die Arbeitswelt ja nicht, aber ab und an ein schönes Zeitfenster ist schon mal ein Anfang und wenn ich dann noch eine anstrengende Laufeinheit habe, umso besser 🙂 Wahrscheinlich hast Du recht und ich haushalte einfach sehr gut mit den Reserven, aber öfters hätte ich den Berg wohl nicht mehr geschafft 😉

      Salut und vielen Dank

      Christian

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