Traumlauf

Der Oktober ist in diesem Jahr schon besonders, feucht-warme 18-19°C und maximal eine Minute anhaltender Nieselregen sind schon ungewöhnlich für einen 11. Oktober. Aber natürlich wie geschaffen für einen Lauf durch die Wälder und die herbstlich bunten Weinberge, jetzt ist die schönste Zeit, die Blätter verfärben sich an vielen Weinstöcken schon, wobei daneben noch sattes Grün an den vergangenen Sommer erinnert.

Also liess ich mich einfach treiben, loslaufen ohne Plan und Ziel, habe einfach eine Richtung eingeschlagen und mich von meiner Stimmung tragen lassen, absolut genial waren die ersten Kilometer, entspannt und fast schon mühelos lief ich die erste Steigung in den Weinbergen Richtung Wald. Allerdings tummelten sich hier Massen von Spaziergängern und eine riesige etwas zerstreute Wandergruppe von Müttern mit kleinen Kindern. Ich wählte daher um den Menschen aus dem Weg zu gehen den steilen Schlussanstieg und nicht den langgezogenen eher moderaten Anstieg. Am Waldrand liess ich mich sofort von den Bäumen umarmen und der Schurwald verschluckte mich für die nächsten 90 Minuten. Auf matschigen und schlammigen Trails und welligem Profil überliess ich auch weiterhin meinen Füßen die Wahl der Richtung und so schraubte ich mich erstmal nach oben. Gedankenverloren befand ich mich dann irgendwann auf einer Forstautobahn, die mir nicht geläufig war. Aber ich vermutete, dass ich mich links halten muss und just als ich den Gedanken hatte, tat sich ein schmaler Pfad auf, der mich auf direktem Weg nach oben brachte in bekannte Gefilde. Kurz den Wiesentrail zwischen zwei Waldabschnitten wie bei meiner letzten Tour auf dieser Strecke benutzt um wieder auf morastigem Boden das nächste Tal zu durchqueren. Zwischendurch erreichten mich immer ein paar Tropfen des spärlichen und leider immer nur kurz anhaltenden Nieselregens. Als ich wiederum oben auf dem Kamm war hatte ich noch nicht genug und tauchte nochmals in den Wald mit seinen verschlungenen Trails ein um dann irgendwann in einem Bach zu stehen 😉 Das Wasser tat gut an meinen Füßen und so watete ich ca. 100 Meter durch den Bach um dann den Heimweg anzutreten… Nein, noch ein kurzer Anstieg, hoch zum Aussichtspunkt um den Ausblick auf die Weinberge und das vor mir liegende Remstal bei herrlich gemischt bewölktem Himmel zu genießen. Der Anstieg war nicht mehr so locker und mühelos zu erlaufen, wie zu Beginn des heutigen Laufs, aber irgendwann stand ich dann da und staunte ob der Aussicht:

Panoramablick aufs Remstal

Panoramablick aufs Remstal

Erst hier realisierte ich, dass ich so in meinen Gedanken versunken war und in den letzten zwei Stunden vergessen hatte Bilder zu machen. Aber diese Emotionen hätten sich nicht auf eine Speicherkarte bannen lassen. Der finale Downhill führte dann teilweise direkt durch die Weinberge.

Die letzten Kilometer zum auslaufen

Die letzten Kilometer zum auslaufen

So konnte ich dann nach 2,5 Stunden und etwas mehr als 600 Höhenmeter meine nassen Schuhe ausziehen und die Matsch verspritzten Klamotten ablegen. Es war ein guter Lauf an einem guten Samstagnachmittag, ein Lauf mit Träumen, mit vielen Gedanken und viel Entspannung. Ja es war ein Traumlauf, was will ich mehr?

Nettes Profil, wie ich finde :-)

Nettes Profil, wie ich finde 🙂

Salut

 

Christian

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Über DocRunner

Bin besessen von allem was ich anpacke: Beruf, Familie und natürlich vom Laufen. Besessenheit ist für mich Erholung und Genuss, Gleichgültigkeit bedeutet Stress und Langeweile. Mein Lebensmotto hört sich martialisch an, gründet aber auf täglicher Erfahrung und drückt meinen Wunsch aus: Stirb wenn es Zeit ist. Zeige alle Beiträge von DocRunner

31 responses to “Traumlauf

  • Deichlaeufer

    Lieber Christian,

    das klingt perfekt, da kann ein Christian nicht mehr wollen. Die Zeit und das Fotografieren beim Laufen vergessen, dass ist die vollendete Entspannung.

    Toll beschrieben, ich fühlte mich, als wäre ich dabei gewesen.

    Einen schönen Sonntag wünsche ich!

    Moin Moin
    Volker

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    • DocRunner

      Immer gerne, lieber Volker,
      manchmal würde ich schon gern ein paar mehr Bilder machen, aber gerade bei den längeren und entspannteren Läufen vergesse ich es oft und sauge die Umgebung nur in mich hinein. Ich werde versuchen mehr aufs Knöpfchen zu drücken 😉

      Ich wünsch Dir auch einen schönen Sonntag

      Salut
      Christian

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  • Steve

    Grandios! Perfekt!
    Ein genialer Herbst ist das zur Zeit!
    So soll es sein, so kann es bleiben!

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  • Kornelia

    Oh wie schön. Hab mich nur gefragt: Läufst Du steile Anstiege komplett hoch? Hattest Du im Bach noch Schuhe an?
    Wow !!!
    Lieben Gruß
    Kornelia

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    • DocRunner

      Ja, es war wirklich schön. Teilweise, je nach Steigung und körperlicher Verfassung, gehe oder laufe ich die steilsten Abschnitte, am letzten Anstieg bin ca. 50 Meter gegangen, da die Oberschenkel nicht mehr wollten, ich seh das absolut nicht dogmatisch 😉
      Ja, im Bach hatte ich die Schuhe an, da ich zu spät bemerkt habe, dass als nächstes ein knietiefer Wasserlauf kommt, war es schon zu spät 🙂

      Salut
      Christian

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  • ultraistgut

    Lieber Christian,

    was soll ich dazu noch sagen ?
    Ein Lauf just nach dem Gusto von docrunner
    den Menschenmassen entfleucht
    vom Wald verschluckt
    sehr poetisch dein Bericht
    man spürt
    wie gut dir das Laufen tut
    man liest es in jedem Wort
    ein Lauf mit vielen Gedanken
    Träumen
    Entspannung
    warum kommt mir das so bekannt vor ?
    Freue mich sehr für dich !

    P.S. Du bist so dünn
    solltest lieber aufhören mit dem Laufen ! 🙄

    Je suis très contente pour toi, mon cher
    bon dimanche…………………..tralalalalalalalal 😎

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    • DocRunner

      Liebe Margitta,

      wirklich poetisch? Habe ich gar nicht so empfunden. Hatte gestern nach dem Lauf ein paar Zeilen notiert und sie am Abend einfach so in den Blogbeitrag übernommen, also noch ganz frische Laufgedanken 😎
      Laufen ist für mich momentan wieder ein ganz wichtiges Elixier, ich möchte den Tag ja nicht vor dem Abend loben, aber das laufende Jahr ist ganz nach meinem Geschmack, irgendwie ist es trotz der Belastungen absolut versöhnlich und zufriedenstellend, das hatte ich schon lange nicht mehr…
      Das Mentale beim Laufen funktioniert auch, also was will ich mehr…

      Okay, ich hör jetzt auf mit laufen, weil ich so dünn bin 😛

      Salut
      Christian

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  • Blumenmond

    Lieber Christian,

    die Freude über den Lauf hüpft quasi aus dem Blog raus. Toll. Da braucht es auch keine Fotos. Die Bilder, die ich Danke Diener Beschreibung vor Augen hab, reichen völlig aus.

    Schön, so etwas.

    Gruß
    Anja

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    • DocRunner

      Liebe Anja,

      ja manchmal flippt es einfach und genau so ein Gedanken verlorener Lauf, der mich vom Träumen träumen lässt sind für mich die wertvollsten Läufe überhaupt.
      Schön, wenn ich ein Bild in Deinem Kopf zeichnen konnte 😉

      Salut
      Christian

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  • Weinbergschnecke

    Das Panoramabild lässt erahnen, wie herrlich die Umgebung war, lieber Christian. Aber was einen Traumlauf erst zum Traumlauf macht, ist ja das Einssein mit sich und der Welt, das du erleben durftest. Ich freu mich für dich und mit dir! 🙂

    Liebe Grüße,
    Anne

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    • DocRunner

      Liebe Anne,

      die Panoramen waren bei dem Lauf durchgehend sehenswert, wie gesagt die herbstlichen Farben in den Weinbergen und der gelb-rot-braun-grüne Wald sind momentan einfach nur zum genießen und staunen.
      Einer dieser seltenen Läufe, man fühlt sich so nah dran an allem und dennoch schweifen die Gedanken, selten und schön 🙂

      Danke Dir,

      Salut
      Christian

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  • midLAUFcrisis

    Das Fotografieren zu vergessen, würde mir zwar nie passieren. Aber Deine Gedanken kann ich nachvolziehen. Es gibt wirklich magische Läufe. Und das war für Dich einer davon. Seeeeehr schön!

    Margitta hat angedeutet, was mir auch aufgefallen ist. Ganz schön schlank, der Herr Doktor. Aber wenn Du Dich wohl fühlst, ist das wohl in Ordnung. 😉

    Liebe Grüße
    Rainer 😎

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    • DocRunner

      Lieber Rainer,

      ja, ich bin da etwas nachlässig, entweder ist die Kamera zu Hause, der Akku leer oder ich vergess einfach das photographieren…
      Ähm, wie bitte? Margitta meinte das mit einem Augenzwinkern und als Hinweis auf ihren vorletzten Blogeintrag…denke ich 😉 Mein Gewicht ist sehr konstant, momentan sogar eher an der oberen Grenze, was bergauf zu heftigem Schnaufen führt 😛 Also mach Du Dir keine Sorgen.

      Salut
      Christian

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  • nido00

    Als ich deinen Bericht gelesen habe, dachte ich was für ein schöner poetischer Wortfluß. Und dann realisierte ich, dass das genau zu deinem Gefühl passte. Ein Traumlauf, bei dem du alles um dich herum vergessen hast. Toller Bericht auch ohne Fotos!

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  • Anna

    Lieber Christian,

    das hört sich wirklich Traumhaft an und da ich seit eine Woche ziemlich erkältet bin, beneide ich Dich natürlich sehr um Deinen schönen Lauf – natürlich gönne ich ihn Dir vom ganzen Herzen.
    Das muss wirklich ein besonders schönen Lauf gewesen sein, da Du sogar das Fotografieren vergessen hast 😉

    So direkt durch den Weinbergen zu laufen stelle ich mich sehr schön vor! 🙂

    Liebe Grüße Anna

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    • DocRunner

      Liebe Anna,

      Du musst nicht neidisch sein…sobald Du wieder fit bist hast Du die schönste Umgebung fürs Laufen, meine paar hundert Höhenmeter werden dann wieder mickrig klein aussehen, wenn Du nur einmal Richtung Berg abgebogen bist 😉
      Teilweise führt sogar ein Wanderweg durch die Weinberge, da ist auch das Bild entstanden 🙂

      Salut
      Christian

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  • handballer84

    Ohlala, so wunderschön hatte ich den Samstag garnicht mehr in Erinnerung. Aber wahrscheinlich nur, weil ich auf einem Geburtstag die ganze Zeit essen musste und nicht raus drufte 🙂

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  • Helge Orlt

    Einfach vergessen zu fotografieren! Das muss einfach ein Genuss gewesen sein, dein Lauf 🙂
    So soll es doch sein. Einfach dahin laufen, wohin die Beine und das Herz einen trägt.
    Hört sich wirklich gut an dein Lauf.
    Liebe Grüße
    Helge

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  • Täglichläufer

    Lieber Christian,

    ich will nicht viele Worte machen, die doch nur höchst unnütz wären. Ein Lauf mit diesem Titel – bedarf des Schweigens, der Ruhe und des Innehaltens. Laufen und dabei versinken, in andere Welten, in ein Reich der Träume – eben ein Traumlauf. Was gäbe es da noch zu schreiben?

    Alles Gute,

    Marcus

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    • DocRunner

      Lieber Marcus,
      leider ist es nicht immer so, aber wahrscheinlich wäre es dann auch langweilig und ich würde mich nicht mehr trauen hier davon zu berichten 🙂
      Ruhe, etwas Einsamkeit und den eigenen Gedanken wie im Traum nachhängen…das ist das Salz in der Läufersuppe.

      Salut
      Christian

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  • Bianca

    Lieber Christian,
    ein Traum – Dein Traumlauf. Was willst Du mehr! Ein Lauf zum Kraft tanken – freut mich, dass Du solche Läufe zur Zeit findest!
    Liebe Grüße
    Bianca

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  • regenfrau

    Lieber Christian,
    also wirklich – da warst du ja ganz schön brutal unterwegs. Erst zerstörst du Frau Spinnes Haus und dann ißt du auch noch ihren Vorrat für den kommenden Winter?!? Tststs… 😉 Aber gut, wenn sie versucht, sich dir beim Laufen in den Weg zu stellen, hätte sie damit rechnen müssen…

    Deine Beschreibung sagt mehr über den Lauf aus, als es Bilder hätten tun können! Schön, dass es solche Läufe gibt! 🙂

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    • DocRunner

      Liebe Doris,
      brutal? Nein, ich habe das Frühstück der Spinne ja gar nicht verspeist, war mir dann doch zu trocken 😉
      Ja, diese Läufe lassen mich weiter laufen, das ist mein Ziel beim Sport, möglichst oft genau diesen Zustand zu erlangen 🙂

      Salut
      Christian

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  • Klitzekleiner Rückblick | DocRunners Laufblog

    […] traumhafter Lauf durch die bekannten und unbekannten Landschaften in unmittelbarer […]

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