Es ist endlich da…

…das Schmuddelwetter, das Novemberwetter, die von mir so herbei gesehnte Wetterlage mit einstelligen Temperaturen und Regen. Allerdings scheint es nur ein Appetithappen gewesen zu sein, ein Teaser, denn so richtig traue ich diesem Herbst nicht, auch der nahende Winter wird mich wahrscheinlich wieder enttäuschen. Dabei weiß ich gar nicht mehr wie Schneefall und Minusgrade sich bei Läufen in heimischen Gefilden anfühlen, denn im letzten Winter konnte ich nicht einen Lauf bei solchen Bedingungen erleben.

Dafür konnte ich heute das volle Programm genießen, allerdings musste ich zwei private Termine deshalb verschieben 😉 Ich muss an dieser Stelle bereits den werten Leser warnen, denn es ist vielleicht verwirrend und wenig verständlich was hier gleich zu lesen ist, aber es ist nur ein Abklatsch von dem, was ich erfahren durfte.

Ich hatte am Morgen noch auf Regen gehofft und am späten Vormittag stellte sich dann Nieselregen ein, was mich sofort unruhig hat werden lassen. Als dieser dann anhielt und die Temperatur sich bei 9°C einpendelte, war ich nicht mehr zu halten. In ruhigem Tempo und mit einem Lächeln im Gesicht startete ich in den Regen und es war einfach nur wunderbar. Die folgenden 160 Minuten entfachten solch beherrschende Eindrücke und Emotionen, dass ich nicht anhalten wollte um nur ein Bild zu machen. Ich wollte die herrliche Natur und das Wunder der Bewegung zusammen genießen, anhalten, um ein Photo zu machen, war deshalb nicht drin.

Bei solchem Wetter ist auch Einsamkeit garantiert, kein Mensch ist mir begegnet, nachdem ich den Asphalt verlassen habe. Nach dem obligatorischen Weg durch die Weinberge zum Wald umfing mich letzterer mit seinem gold-braunen Blätterdach und als ich die Forstautobahnen verließ um mich auf die Jägerpfade zu begeben, gesellte sich eine angenehme Düsternis dazu. Ich vernahm nur noch die Geräusche des Waldes, das Rauschen der Bäume im leichten Wind, das beständige Tropfen des Regens und die Geräusche unter meinen Füßen. Mal ein Rascheln vom Laub, mal ein Knistern von feinen Steinen und immer häufiger das vertraute Schmatzen des morastigen und schlammigen Bodens. Ich lief wie in einem Rausch, alles wurde unwichtig und nur die Sinneseindrücke, die mir jedes Organ meines Körpers bescherte, wurden in starke Eindrücke, verschiedenste Emotionen und Erinnerungen gewandelt. Als es dann auch noch anfing zu schneien fing in mir ein wahrer Sturm von Emotionen an zu wüten. Nein, kein Schnee fiel vom Himmel, sondern Handteller große in matte Kupfertöne gefärbte Eichenblätter, sowie die gold-gelbem deutlich kleineren Buchen- und Hainbuchenblätter tanzten ihren Reigen bis sie am Boden auftrafen. Jedes Mal wenn mich ein Blatt berührte stieg mein Glücksgefühl. Der Weg wurde unwichtig, ich wollte nur nicht, dass diese Eindrücke endeten und so machte ich kehrt, als der Weg mich aus dem Wald heraus spie um diesen Genuss noch weiter auskosten zu können. Das erste Mal in meinem Läuferleben lief ich den selben Weg wieder zurück um dann erneut umzukehren und das Naturschauspiel weiter auskosten zu können. Dies kann und darf man nur erleben, wenn man gerade bei solchen Bedingungen das Haus in Laufschuhen verlässt. Kein Medium ist so intensiv, wie die körperliche Erfahrung, die mit allen Sinnen erfolgt. Am Aussichtspunkt schaute ich ins Tal und blickte auf die vielen Autolichter auf den Verkehrsadern, und ich hatte Mitleid, mit all den Menschen, die dort in ihren Blechdosen saßen und wahrscheinlich nie erfahren dürfen, was unmittelbar vor ihren Augen liegt und möglich ist.

Dafür gibt es keine App :-)

Dafür gibt es keine App 🙂

Ich konnte mich kaum beherrschen und musste mit dem Blick auf die Uhr mich selbst zur Raison bringen, denn leider hatte ich noch eine Verpflichtung, die ich nicht verschieben konnte. Auf dem abschließenden Nachhauseweg durch die Weinberge, dessen Laub immer noch von grün über gelb bis tiefrot verfärbt ist, kam ich wieder zur Besinnung und hatte die Gelegenheit, die emotionalen Seiten dieses Laufes zu sortieren. Von Zufriedenheit über unsägliche Glücksgefühle bis hin zu Erinnerungen mit Trauer und Traurigkeit durfte ich in diesen knapp 2 Stunden im Wald alles erleben, doch am beeindruckendsten waren die Sinneseindrücke, das Gesehene, das Gehörte und das Gefühlte. Nur selten habe ich solche Dinge erlebt bei einem Lauf, und wenn es dann auftritt, dann fast ausschließlich im Herbst und wer weiß, vielleicht darf ich noch mehr Herbst erfühlen und vielleicht sogar einen richtigen Winter…

Salut

Christian

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Über DocRunner

Bin besessen von allem was ich anpacke: Beruf, Familie und natürlich vom Laufen. Besessenheit ist für mich Erholung und Genuss, Gleichgültigkeit bedeutet Stress und Langeweile. Mein Lebensmotto hört sich martialisch an, gründet aber auf täglicher Erfahrung und drückt meinen Wunsch aus: Stirb wenn es Zeit ist. Zeige alle Beiträge von DocRunner

37 responses to “Es ist endlich da…

  • Jana

    Mein einziger Kommentar dazu: 😀

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  • Deichlaeufer

    Ui ui, lieber Christian,

    da waren bei Dir ja wirklich Emotionsexplosionen im Gange. Deren Intensität sprengen ja schon nahezu die Möglichkeiten eines einzigen Laufs.

    Ich wünsche Dir, dass Du in den kommenden Wochen und Monaten noch viele solche berauschenden Läufe erleben darfst!

    Moin Moin
    Volker

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    • DocRunner

      Ja, lieber Volker, es war wirklich fast zu viel für einen Lauf, aber es hat einfach so gut gepasst, dass diese Eindrücke mich so beseelt haben. Ich freue mich über jeden Lauf, der nur annähernd an das heran kommt, aber so etwas zu erleben und erfühlen ist schon ungewöhnlich 🙂

      Salut
      Christian

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  • regenfrau

    Lieber Christian,
    was für ein wunderbarer Bericht.
    Ich bin in Gedanken mitgelaufen, habe mitgestaunt und mitgenossen! Ich hoffe, dir sind noch viele so beeindruckende Herbst- und Winterläufe vergönnt! 🙂

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    • DocRunner

      Danke, liebe Doris, schön, dass Du mitgekommen bist und Dich darauf eingelassen hast 😉 Ich wünsche Dir auch genau diese Art von Läufe, denn ich bin mir sicher, die äußeren Bedingungen hätten Dich genau so angesprochen.
      Was den Winter angeht bleib ich weiter skeptisch….

      Salut
      Christian

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  • nido00

    Dafür gibt es keine App – wie wahr! Sofort möchte ich raus in den nieselnden Herbst nach dieser gefühlsstarken Beschreibung. Noch viele solcher Herbstläufe wünsche ich Dir!

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    • DocRunner

      Schön, dass ich Dich anstecken konnte, dass Du sofort den Drang verspürst, nach draussen zu gehen und den Herbst zu genießen 🙂
      Ich hoffe auf anhaltend ähnliche Bedingungen in den kommenden Wochen….

      Salut
      Christian

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  • Blumenmond

    Wow, was für ein Bericht, lieber Christian. Wenn man sich der Natur stellt und sie annimmt mit all dem, was sie hergibt = Regen, Kälte etc. und es als schön und nicht als unangenehm abgespeichert hat, dann kann man wohl dieses Glücksgefühl erleben. Schön, dass Du das kannst und vielleicht findet der ein oder andere über den Bericht auch den Zugang dazu.

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    • DocRunner

      Danke, liebe Anja,
      Du hast es auf den Punkt gebracht, genau für solche Bedingungen, muss v.a. die innere Haltung stimmen, sonst gelingt es nicht und der Spaß bleibt auf der Strecke. Leider muss alles andere auch passen, sonst sucht man und findet nicht 😉

      Salut
      Christian

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  • chriba76

    Schöööööööööööön! 🙂

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  • ultraistgut

    Mein lieber Christian,

    ich bin hin und her her gerissen
    oder
    wie man heute so schön sagt
    GEFLASHT
    deinen ersehnten Lauf hast du perfekt beschrieben
    wer jetzt noch keine Lust aufs Laufen hat
    verspürt garantiert spätestens nach den ersten Sätzen
    riesige Lust
    es dir gleich zu tun

    ich stehe in den Startlöchern
    DAS IST LAUFEN FÜR UNS
    fühlt sich an wie Glück
    Zufriedenheit der exklusivsten Sorte

    formidable
    extraordiniaire
    merci mon cher
    je pense tout à fait come toi

    Salut 😎

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  • Anna

    Lieber Christian,

    bei solchem Wetter ist Einsamkeit garantiert und dabei ist es doch sooo schön!! 🙂 Nein, die meisten wissen gar nicht was sie da verpassen….
    Wenn man das Laufen und die Naturerlebnisse derart genießen kann, wie Du gerade beschrieben hast, ist man schon sehr reich – solche Erlebnisse kann man für kein Geld der Welt kaufen !! (und es gibt dafür auch kein App… 😉 )

    Ich freue mich sehr für Dich, dass Du Dein lang ersehntes Schmuddelwetter endlich mal genießen konntest und ich wünsche Dir noch viele solch schöne Läufe im kommenden Herbst und Winter!!

    Liebe Grüße Anna

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    • DocRunner

      Danke, liebe Anna,

      es ist einfach meine Vorliebe für solche Bedingungen, die dann solche Emotionen und Eindrücke bei einem Lauf entstehen lassen. Bei schwüler Hitze und Sonne ist mir das noch nie passiert 😉
      Natürlich wünsche ich Dir auch noch viele angenehme Läufe durch Deine heimatliche Bergwelt, obwohl der Schnee da schon mal ein Hindernis sein kann 🙂

      Salut
      Christian

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  • Markus

    Ich kann mir sehr gut vorstellen wie einsam, matschig, ruhig, gelassen, entspannt, meditativ, relaxt,… und einfach wunderschön und erholsam dein Lauf gewesen sein muss 🙂

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  • midLAUFcrisis

    Lieber Christian,

    so einen Lauf hätte ich heute früh auch gehabt, wäre mein Zeitbudget da nicht auf 60 Minutne beschränkt gewesen. Ich habe den Wald, das licht, den Matsch und den beginnenden Regen wirklich genossen und kann Dich sehr gut verstehen. Nur in einem Punkt unterscheiden wir uns: ich wäre gerne öfter stehen geblieben, um die Natur auch in Bildern einzufangen. Habe ich nicht gemacht, denn ich habe noch so schöne Aufnahmen vom Sonntagslauf in meiner Heimat. 😉

    Danke für diesen Gefühlsausbruch! Dir ist genau das passiert, was uns laufen lässt. 😀

    Liebe Grüße
    Rainer 😎

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    • DocRunner

      Lieber Rainer,
      ich gönn Dir diese Art der Läufe sehr, denn sie bedeuten Erholung und Entspannung, weg von der alltäglichen Hektik, von dem Lärm und dem Trubel. Für mich ist genau das, wenn es auch meist sehr viel versteckter und leiser vor sich geht, der Hauptgrund um zu laufen 🙂
      Tja, ich nehme die Eindrücke lieber für mich in meiner Erinnerung mit, Du bist halt der Reporter, der versucht ein Dokument für die Nachwelt zu erschaffen :mrgreen:

      Salut
      Christian

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  • joggerin

    Mir scheint, Du warst schon vor Deinem Lauf im „Runners-High“. 😉 Ist schön zu lesen, wieviel Spaß Du hattest und wie Du diesen Lauf genossen hast. So soll es sein. Gerne mehr davon, gleich schon heute und morgen und übermorgen…
    Lieben Gruß
    Kornelia

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    • DocRunner

      Ich kann Dir nicht sagen, ob es das „Runners-High“ war, für mich gibt es nur diesen eher zufriedenstellenden Zustand und den echten „flow“, der aber höchst selten auftritt. Ein sog. „Runners-High“ ist mir wahrscheinlich noch nie begegnet 😉
      Ja, von solchen Läufen kann man nicht genug bekommen, allerdings wäre es sehr langweilig würde dies täglich einen begleiten 🙂

      Salut
      Christian

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  • korrektlaufen

    Christian, da liefen mir gleich mehrere Schauer über den Körper.
    Auch hier an der Ostsee wird es endlich schmuddelig, und ich kann kaum abwarten, es dir gleichzutun. Wobei sich diese Momente nicht herbeizaubern lassen. Danke fürs Mitnehmen!

    Grüße
    Tilman

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    • DocRunner

      Guten Morgen Tilman,
      Diese Momente sind leider selten und nur bei wenigen Läufen passt alles, dennoch sollte man es ständig versuchen und vielleicht stellt es sich das eine oder andere mal ein, dieses glückselige Gefühl 🙂
      Viel Spass

      Salut
      Christian

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  • Täglichläufer

    Lieber Christian,

    ich will mir nicht anmaßen, diese liebliche Stimmung, geboren in der einsamen Romantik der elementaren wunderbaren Wetterbedingungen durch unnötige Worte zu stören und spreche Dir an dieser Stelle nur meinen Dank für den schönen Bericht aus. Und ja, ich kann Dir versichern, ich verstehe nur zu gut, was Du gefühlt hast. Ich frage mich bei solchen Läufen immer, wieso müssen sie nur enden?

    Also, viel Schnee, Regen und noch mehr Kälte. Für Dich. Aber für mich auch. 😀 😉

    Alles Gute,

    Marcus

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    • DocRunner

      Lieber Marcus,
      vorneweg, ich wünsch Dir sogar mehr Schnee und Regen, denn Du läufst ja immerhin täglich 😉
      Dass Du verstehst was ich meine ist wohl sonnenklar, und sicher hast Du Ähnliches bereits mehrmals erlebt, wäre ja auch eine Schande, wenn nicht. Für mich sind es diese fast schon monumentalen Eindrücke, die in der Erinnerung bleiben, die mich immer wieder hinaus treiben, ob für eine, zwei oder mehr Stunden 🙂

      Salut
      Christian

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  • Helge Orlt

    Wow, ich hab das gelesen und bin völlig außer Atem. Ich hatte gerade das Gefühl durch einen Herbstwald zu laufen und die Blätter tanzen um einen herum.
    Das nenne ich mal eine Wiedergabe von Eindrücke und Gefühlen!
    Eine tiefe Verneigung angesichts dieser wahren und beeindruckenden Worte.
    Und die armen Nichtläufer haben einfach keine Ahnung was ihnen entgeht.
    Liebe Grüße und ich wünsche dir noch ganz ganz viele solche Läufe 🙂
    Helge

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    • DocRunner

      Danke, liebe Helge,
      da bin ich ja fast rot geworden 😉 Es sind nur schwache Bilder, die sich mit unserer Sprache zeichnen lassen, die Worte geben leider nur einen Bruchteil der Emotionen und Eindrücke wieder, aber wenn ich Dich trotzdem mitnehmen durfte und DU einen Hauch davon erleben konntest, umso besser 🙂
      Nichtläufer? Kenn ich nicht :mrgreen:

      Salut
      Christian

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  • Weinbergschnecke

    Gibt’s was Schöneres und Berührenderes, als durch den herbstlichen Blätterfall zu laufen, eins mit sich und der Welt, ganz bei den eigenen Emotionen? Schwerlich vorstellbar, wenn man deine Zeilen liest, lieber Christian! Solche Läufe sind ein fantastisches Geschenk, das uns das Leben macht – schön, dass du es so auskosten konntest!

    Liebe Grüße,
    Anne

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    • DocRunner

      Liebe Anne,

      schön, dass Du wieder da bist 🙂
      Ja, ein Geschenk, welches ich demütig annehme, wann immer es mich trifft. Und nein, es gibt nur wenig, was besser wäre, als ein solcher Lauf.

      Salut
      Christian

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  • Daniel Kopp

    Schönes Bild mit den Weinbergen. Richtig schön bunt. Ansonsten muss ich gestehen das ich immer mehr zum Schönwetterläufer mutiere. Kalter Dauerregen und Dunkelheit gehen mir jetzt schon wieder auf den Sack 😦

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    • DocRunner

      Heh, dabei fängt die dunkle Jahreszeit doch erst an;-) Ich genieße die Läufe mit Stirnlampe oder nur im Mondlicht und freue mich auf eine Langdistanz am Wochenende vor Weihnachten…6 Stunden durch den Wald….mal sehen wie das wird 😀
      Also, halt die Ohren steif, auch der längste Winter geht vorbei.

      Salut
      Christian

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  • Bianca

    Lieber Christian,
    mir fehlen die Worte. Ich freue mich einfach für Dich!
    Liebe Grüße
    Bianca

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  • Abstinenz | DocRunners Laufblog

    […] überall da draussen begegnet. Es ist schon bombastisch und in Anlehnung an meinen letzten Beitrag kaum zu fassen und zu begreifen, wie einen diese Natur in den Bann zieht und v.a. mich kaum mehr […]

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