Spontaner Trailporn

Der große Vorteil, wenn man ohne ein Ziel läuft, keine Vorbereitung für irgendein Event durchziehen muss, ist die Spontanität mit der man einen begonnen Lauf gestalten kann. Ich liebe genau das und würde für kein Event der Welt tauschen wollen, auch wenn ich immer wieder gefragt werde, ob das nicht öde und langweilig sei. Genau das ist es nämlich für mich nicht, so zu laufen ist für mich Motivation und Antrieb genug.

Zu Beginn möchte ich ganz kurz die chronologische Abfolge des Endes meiner A-Sehnen bedingten Laufpause berichten, denn immerhin war ich vier Wochen nur mit einem Rehaprogramm und Radfahren beschäftigt. In der vergangenen Woche durfte ich verhalten mit Einheiten zwischen 40 und 60 Minuten auf ebenem Terrain wieder beginnen, was in meinem Laufrevier allerdings schwierig ist und meist bedeutet an der Bundesstrasse entlang zu laufen, was nun wirklich keinen Reiz darstellt, okay, man könnte auch sagen, man läuft an der Rems – unser lokales Flüsschen – entlang, was aber nur Luftlinie ca. 10-100 Meter versetzt von der ausgebauten 4-spurigen Bundesstrasse bedeutet. Also bin ich mit dem Auto auf die Höhe gefahren, was ich sonst ja nie mache, und bin dort gelaufen, ist zwar oben auf der Höhe auch etwas wellig, aber mehr als 20-40 Höhenmeter 😈 kommen da meist nicht zusammen. Bei den so gearteten Läufen muckte die Sehne nicht mehr und ich konnte mich beruhigt auf die ersten richtigen Höhenmeter am vergangenen Wochenende stürzen. Am Samstag war ich dann überwiegend in den Weinbergen auf geteerten Wegen bei sehr angenehmen 19°C und zurückhaltendem Sonnenschein für 2 Stunden unterwegs, nichts Spektakuläres einfach nur hoch und wieder runter mit ein wenig Wald- und Forstautobahnen dazwischen. Am Sonntag ähnliches Programm in Begleitung von einem Familienmitglied, allerdings bei schönstem Sonnenschein und nur 13-14°C, gefühlt bei sehr böigem Wind deutlich kälter 😬

Panorama

360° Panorama mit Blick von der Höhe

Folgen sollte deshalb am gestrigen Montag ein nur rekonvaleszenter ruhiger und mäßig mit Höhenmeter gespickter Lauf durch die Felder und Baumstücke. Aber wie ich oben schon geschrieben habe, ist die Spontanität unberechenbar und so hatte ich bereits in weiser Voraussicht die VFFs Spyridon an den Füßen mit ordentlich Profil, um auch schwierigeres Gelände zu rocken. Schon nach drei Kilometer war es mir nach mehr und ich drehte gen Norden in ein Seitental um nach fünf Kilometer mit leicht angewärmter Muskulatur im Wald zu verschwinden, die ersten zwei bis drei Kilometer zog es mich fast konstant nach oben auf verschlungenen Trailpfaden durch den Wald, es herrschte eine fast schon explodierend anmutende Stille, nicht unangenehm, aber ich erwartete irgendwann einen lauten Knall, aber der kam nicht. Es ging einfach so weiter. Am vermeintlich höchsten Punkt nach einem kurzen off-trail Abschnitt wollte ich eigentlich umkehren, denn ich hatte bereits etwas Durst aufgrund der Anstrengung und den milden Temperaturen von 12-13°C, die ja das Laufen in den Kurz-Tights ermöglichten. Aber ich entschloss mich einfach entgegengesetzt den Wald wieder ins Tal hinunter zu verlassen, um gegenüber auf herrlichen, teilweise trockenen und teilweise angematschten, Trails wieder 200 Höhenmeter zu gewinnen. Keine Verspannungen, kein Murren aus einem Körperteil geschweige von der Achillessehne hielten mich ab, diesen Lauf spontan zu genießen, ja, das war  Trailporn bei Sonnenschein vom Feinsten. Allerdings ohne Bilder, da ich nicht anhalten mochte und dadurch so gar keine Lust hatte auf den Auslöser zu drücken. Irgendwann als ich durch den Wald auf der Anhöhe den zweithöchsten Punkt erreicht hatte, traf ich auch wieder andere Menschen und die Stille war definitiv dahin, meine Stimmung fiel um ein paar Grad und ich beschloß, so direkt als möglich nach Hause unter die Dusche zu wollen. Steil hinunter durch den Wald und die Weinberge, durch ein kleines Kaff, in dem sich schon die Nach-Hause-Pendler in ihren Ein-Mann-Zwei-Tonnen-PkWs über die Strassen trieben und dann entlang einer viel befahrenen Strasse durfte ich noch fünf Kilometer auslaufen, um dann eine Tasse frischen Kaffee und eine heiße Dusche genießen zu dürfen. Über drei Stunden feinstes Laufgefühl, mit einem Anflug von flow und vor allem fast 700 Höhenmetern…das stimmt versöhnlich…mich auf jeden Fall 😎

Salut

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Über DocRunner

Bin besessen von allem was ich anpacke: Beruf, Familie und natürlich vom Laufen. Besessenheit ist für mich Erholung und Genuss, Gleichgültigkeit bedeutet Stress und Langeweile. Mein Lebensmotto hört sich martialisch an, gründet aber auf täglicher Erfahrung und drückt meinen Wunsch aus: Stirb wenn es Zeit ist. Zeige alle Beiträge von DocRunner

26 responses to “Spontaner Trailporn

  • ultraistgut

    Lieber Christian, darauf habe ich schon lange gewartet: Christian endlich wieder dort in Aktion, wo es ihm am besten geht. Die Lauflust kann endlich wieder ihren gewohnten Lauf nehmen, ohne dich in irgendeiner Weise zu behindern. Dass mich das besonders freut, muss ich dir ja nicht sagen. In jeder Zeile lese ich das, was ich von dir am liebsten lese, und wer selbst läuft, die Stille besonders mag, versteht dich am besten. Freue mich für dich, sehr sogar – dann wird es vielleicht doch noch was mit dem lange geplanten Ultra ????

    Salut, mon cher copain ! 😎

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    • DocRunner

      Liebe Margitta,
      nicht nur Du, sondern v.a. Dingen ich selbst habe auf so ein Erlebnis wie gestern über 4 Wochen gewartet. Es hat so viel Spass gemacht wie schon seit dem Herbst nicht mehr, es war einfach nur laufen und am besten gar nicht mehr aufhören…wenn es nach mir ginge, hätte ich das gerne zweimal täglich 😎
      Mit den Planungen zum Nacht-Ultra warte ich mal ab, am kommenden Wochenende mal eine etwas längere Distanz bzw. einfach mal 4-5 Stunden am Stück auf dem Remstal-Höhenweg rumspringen, dann kann ich immer noch entscheiden…

      Salut ma chère copine

      PS: Heute Abend wird der Mais eingemottet 😉

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  • Karina

    Lieber Christian,
    ich freue mich, dass der spontane Trailporn so gut gelaufen ist und hoffe, er bleibt weiterhin ohne Nachwirkungen. Das Foto auf der Höhe könntest du auch hier aufgenommen haben. Ich laufe am liebsten morgens durch die Wälder und Weinberge, denn da treffe ich auch so gut wie nie jemanden und kann die Stille geniessen. Wenn ich flach laufen will/muss, dann kann ich das auch nur auf dem Mosel- oder Saarradweg. Aber da werde ich innerlich meist „agressiv“, da mir einfach zu viel los ist und ich zu sehr aufpassen muss und ich muss dann auch mit dem Auto dorthin.. Da trabe ich lieber genügsam durch die Wäder bergauf und bergab, denn da muss ich nur zur Tür rausfallen und kann loslaufen.
    Liebe Grüße und weiter schön vorsichtig ( aber das wirst du schon machen )
    Karina

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    • DocRunner

      Liebe Karina,
      in den Weinbaugebieten sind die Ausblicke doch teilweise sehr ähnlich, obwohl ich diesen Ausblick aus tausenden heraus erkennen würde.
      Am einsamsten ist es im Wald und evtl. noch im Hochsommer bei 40°C in den Weinbergen, da hält sich kein Mensch freiwillig auf 😀
      Flach ist schwierig, wenn man alleine sein will, scheint nicht nur hier ein Problem, wie ich lesen darf. Ohne Verletzung sind die paar Höhenmeter ja ziemlich Wurscht, dann lieber den Wald 😉

      Salut

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  • midLAUFcrisis

    Stark! Wirklich starker Wiedereinstieg. Da wird mir ganz schwindelig. 😉

    Ich hoffe sehr, dass Dir die A-Sehne das nicht übel nimmt.

    Deine Freude schwingt in jeder Zeile mit. So möge es weiter laufen.

    Liebe Grüße
    Rainer 😎

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    • DocRunner

      Lieber Rainer,
      ich war über eine Woche geduldig und bin maximal 60 Minuten „gejogged“, deshalb war die Belohnung gestern fällig und meine A-Sehne hält die Klappe…und meldet sich hoffentlich nie wieder 😉

      Das war gestern ein Lauf für die Seele

      Salut

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  • Markus

    Trailgenuß vom feinsten!
    Die Spontanität ist einiges wert. Meist hindern mich jedoch nicht irgendwelche Laufevents im Hintergrund daran es mal auszuweiten sondern die Familie zu hause die auf mich wartet und für die ich da sein will. Aber ab und an kommt eben doch noch n Schlenker hier und da hinzu und dann wird das eben auch akzeptiert 🙂

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    • DocRunner

      Lieber Markus,
      warte es ab, wenn Deine Kinder größer sind und Deine Frau auch wieder mehr Zeit mit anderen Dingen verbringen will, hast Du fast immer Zeit spontan den Lauf auszudehnen, so denn Du Lust hast 😉

      Salut

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  • Wolfgang

    Lieber Christian,

    wie schön, dass deine Achillessehne wieder so gut mitspielt. Und sicher befanden sich in den Ein-Mann-Zwei-Tonnen-PKWs Leute, die nur ungern mit dir getauscht hätten. Und genauso sicher hat dir die Bewegung ohne soviel Blech um den Körper jede Menge mehr Spaß gemacht, vor allem wenn jetzt wieder freies Laufen ohne Einschränkung angesagt ist.
    Ich freu‘ mich für Dich!

    Liebe Grüße
    Wolfgang

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    • DocRunner

      Lieber Wolfgang,
      Du hast es auf den Punkt gebracht, alle waren glücklich mit der Situation und am meisten Ich 😀
      Ja, es war wirklich befreiend, ohne sich Gedanken machen zu müssen nochmals ein paar Meter mehr an die Runde dran zu hängen, genau das ist mein Ding…
      Vielen Dank

      Salut

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  • joggerin

    Da hatte aber einer Nachholbedarf. 😉 Freue mich sehr, dass Deine Beschwerden abgeklungen sind und Du nun wieder Laufen kannst, wie es Dir gefällt. Wünsche viel Spaß dabei.
    Lieben Gruß
    Kornelia

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  • Weinbergschnecke

    Was du für Wörter kennst, lieber Christian … „Trailporn“ .. 😉

    Ich freu mich riesig für dich und bin zugleich extrem erstaunt darüber, wie schnell du nach mehrwöchiger (?) Pause wegen einer Sehnenreizung wieder mit täglichem Laufen und so langen Distanzen einsteigen konntest. Super! Einen gewissen Neid und Frust kann ich allerdings auch nicht verhehlen, weil ich von Läufen in dieser Dimension immer noch bloß träumen kann. Aber gut, such is life … wenn wenigstens einer von uns fit ist, ist das doch auch schon was! 🙂

    Liebe Grüße,
    Anne

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    • DocRunner

      Liebe Anne,
      dieses Wort hat ja überhaupt keine anzügliche Bedeutung, einer meiner liebsten Trail-/Photoblogs heißt sogar so, http://www.trailporn.com 😀
      Wenn ich bedenke, von welchen körperlichen Bedingungen ich vor der über 4 wöchigen Laufpause gestartet bin, bin ich auch erstaunt, aber eher weil ich das Gefühl habe, dass die Muskulatur, trotz des begleitenden Radfahrens und Gymnastik doch sehr gelitten hat. Auch die tägliche Beübung der A-Sehne und die nur mäßige Reizung derselben hat sicherlich dazu beigetragen, dass die Pause nicht länger angehalten hat..

      Salut

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  • Steve

    Yes, so muss es sein…geil!

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  • regenfrau

    Lieber Christian,
    ach wie schön! Da konntest du ja richtig aufholen, was du in deiner Verletzungspause so sehr vermisst hast! Herrlich! 🙂
    Aus deinen Zeilen springt die Lauffreude gerade so heraus – so sollte laufen immer sein! 😀

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    • DocRunner

      Liebe Doris,
      naj, aufgeholt ist leider noch nichts, denn wenn ich zurückdenke in welcher Form ich im Januar gewesen war und wie es jetzt ist, muss ich wohl eher kleinere Brötchen backen.
      Dennoch macht das Laufen wieder Spass, wenn die Beschwerden Vergangenheit sind und deshalb werde ich wieder versuchen meine Form aufzubauen, sofern das möglich ist 😉

      Salut

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  • Bianca

    Endlich kannst du wieder so laufen, wie du es magst, lieber Christian. Die Lauffreude ist richtig zu spüren. Freut mich.
    Liebe Grüße
    Bianca

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  • koppdaniel

    Na das klingt doch prima. „Einer dieser Tage“ würde ich sagen. Und auch sonst kann man sich über die Läufe bei den angenehmen Temperaturen nicht beklagen. Ist ja immer noch März.

    LGD

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  • nido00

    Lieber Christian,

    sehr lyrisch deine Trailbeschreibung – da klingt die Leidenschaft gleich heraus und bedarf es gar keiner Fotos.
    Das du so schnell und locker wieder einsteigst ist sehr erfreulich. Weiter so!

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    • DocRunner

      Danke, liebe Roni,
      Leidenschaft ist mein zweiter Vornahme, v.a. wenn es ums Laufen geht 😉
      Naja, ich mache immer noch einiges an Übungen, die Sehne hat sich aber nicht mehr gemeldet, dafür muckt jetzt das Sprunggelenk am gleichen Bein, aber ich werde mit Vernunft dran bleiben.

      Salut

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  • langeguido

    Lieber Christian, eine schöne Geschichte, die ich nur zu gern gelesen habe. So oder so ähnlich empfinde ich ebenfalls meine Läufe durch den Hunsrück. Nur daß es eben gemischte Bäume sind statt Weinberge. Mich plagt zur Zeit die Reizung der Sehnenplatte direkt unterm rechten Fuß. Rolle deshalb oft gern einen Golfball unter dem Fuß. Hast Du zufällig davon Ahnung? Ich muß damit fertig sein bis zu meinem Abenteuer Baltikum ( http://www.abenteuerbaltikum.wordpress.com ).
    Herzlicher Gruß, Guido

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    • DocRunner

      Lieber Guido,
      aus der Ferne ist es immer schwierig so etwas zu beurteilen und meine Orthopädiekenntnisse sind sehr beschränkt. Ich würde an Deiner Stelle einen Orthopäden aufsuchen um die häufigen Erkrankungen (Plantarfasziitis, Fersensporn, etc.) ausschließen zu lassen, dann hast Du Klarheit. Ansonsten kann ich das Maistreten nur empfehlen 😈

      Salut und gute Besserung

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