Nach dem Wiedereinstieg

Irgendwie stellt sich doch relativ rasch so etwas Ähnliches wie Normalität ein, wenn man nicht mehr auf ein Blatt Papier/digitales Dokument schielen muss, um zu wissen wieviel und wann man laufen darf. So habe ich mich erstmal zu Beginn der vergangenen Woche noch geschont mit kürzeren Distanzen, auch wegen den schwülen Temperaturen.

Aber am Freitag bin ich dann zum ersten Mal von der Praxis nach Hause gelaufen. Die Organisation im Vorfeld erforderte wieder etwas mehr Konzentration, da ich seit März nicht mehr so unterwegs war. aber ich habe nichts vergessen und konnte am Morgen in der S-Bahn meine mentale Liste in Ruhe durchgehen 😉 Ich wollte nicht die gesamte Strecke laufen, sondern mir zwei Kilometer sparen und so stieg ich am Abend gegen 18.30 Uhr in die Strassenbahn und fuhr drei Haltestellen weit. Die Menschen in der Strassenbahn schauten mich komisch an, was wahrscheinlich an den FiveFingers bzw. dem Lauf-Outfit lag 😀

Endlich konnte ich dann loslaufen, durch ein Wohngebiet ganz moderat bergauf ging es dann in Richtung Wirtschaftswege und schon hatte ich die Stadtgrenze verlassen. Ich nahm Kurs auf die naheliegenden Weinberge, die ich auch schon bald erreichte. Das Wetter war gnädig und die Schwüle hielt sich in Grenzen, dennoch durfte ich bereits ordentlich schwitzen und ich verstaute die FiveFingers im Rucksack, damit der Schweiß besser ablaufen konnte 🙂

Genuss in den Weinbergen

Schon bald trübte sich der Himmel ein und ich durfte noch auf ein paar Regentropfen hoffen, allerdings klarte es rasch wieder auf und der Regen folgte erst in der Nacht, Pech gehabt. Die Gegend indes hat sich im Vergleich zu meinem letzten Lauf auf dieser Strecke im März massiv verändert. Alles ist satt grün in verschiedenen Helligkeitsstufen, die Weinreben zeigen trotz des Frostschadens im Frühjahr sehr ordentliche Mengen, wenn auch noch ganz klein und grün, an Trauben und der Wald in der Ferne zeigt sich in den unterschiedlichsten Grüntönen. Verwundert war ich, dass ich nicht einem Menschen begegnet war bis ich das nächste Dorf erreicht habe, denn die Bedingungen waren fast schon optimal. Ein leichter Wind sorgte für eine stetige Abnahme der noch teilweise schwülen Luft, so dass ich die letzten Kilometer auf Wirtschafts- und Feldwegen mit einem gewissen Elan und einer etwas schnelleren Pace erledigen konnte.

Sommerlandschaft

Aus den üblichen 15 Kilometern habe ich durch die Nutzung der Strassenbahn nur knappe 13 Kilometer gemacht, aber umso mehr genossen. Mein längster Lauf seit März und bis auf den Gewichtsverlust durchs Schwitzen, waren keine Schäden zu berichten. Ich bin mir daher sicher, dass in der kommenden Woche wieder ein kompletter Lauf nach Hause möglich sein wird. Ich hätte nie gedacht dass ich mich über eine solche Distanz so freuen kann, aber die Relationen lassen sich verschieben und das ist gut so 😎

 

Salut

Christian

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Über DocRunner

Bin besessen von allem was ich anpacke: Beruf, Familie und natürlich vom Laufen. Besessenheit ist für mich Erholung und Genuss, Gleichgültigkeit bedeutet Stress und Langeweile. Mein Lebensmotto hört sich martialisch an, gründet aber auf täglicher Erfahrung und drückt meinen Wunsch aus: Stirb wenn es Zeit ist. Zeige alle Beiträge von DocRunner

20 responses to “Nach dem Wiedereinstieg

  • ultraistgut

    Lieber Christian, ist doch mehr als schön, dass sich die Normalität bald wieder eingestellt hat ! Längster Lauf seit März – und es läuft – einfach so – super !!

    Dass die Leute in der Straßenbahn dich schief ansahen, wer kann es ihnen verdenken – bei dem sportlichen Outfit, dann auch noch mit Fivefingers – Exot – sag‘ ich doch.

    Möge es immer alles gut und erfreulich bei dir bleiben, das wünsche ich dir von ♥

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    • DocRunner

      Liebe Margitta,
      für mich ist es wie wenn ich zum ersten Mal diese Distanzen laufe, ich bin gespannt, ob es klappt, höre in meinen Körper, obwohl der momentan ungewöhnliche Signale von sich gibt, was wahrscheinlich an der Trainingsmethode liegt 🙂
      Stuttgarter sind eh etwas seltsam und in den Gefilden, wo ich die Strassenbahn benutzt habe, herrscht eher kleinstädtisches Spießertum, so dass ich wirklich wie ein Exot wirkte 😎
      Merci

      Salut

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  • DerRastlose

    Na bitte! Jetzt kommt der Flow doch schon früher als von dir im Juni „befürchtet“! Umso mehr freue ich mich über deine Fortschritte! Und wenn sich’s einrichten lässt, bitte nicht gleich übertreiben!

    Zum Staunen: Wenn ich dich so auf den Fotos sehe und in der Straßenbahn vorstelle dann könnten Nichts-Ahnende schon an einen Außerirdischen oder sonst seltsamen Menschen im merkwürdigen Outfit glauben 😉

    Liebe Grüße aus der Ferne – Reinhard
    Bei mir läuft’s übrigens gut!

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    • DocRunner

      Lieber Reinhard,
      von flow rede ich noch nicht, der kommt bestimmt erst bei etwas längeren Distanzen, aber das Laufgefühl ist richtig gut 🙂
      Ausserirdisch? Ja, vielleicht für die dort Einheimischen eher etwas kleinstädtisch anmutenden Menschen.
      Ich freu mich, dass es für Dich gut läuft und wünsche, dass es so bleibt, deshalb gilt auch für Dich: nicht übertreiben 😀

      Salut

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  • regenfrau

    Lieber Christian,
    super! Noch besser, als die schon wieder beachtliche Distanz gefällt mir, dass du wieder nach Lust und Laune (natürlich unter Aufsicht der Vernunft) laufen kannst und keine Vorgaben mehr einhalten musst. So schön!! 😀
    Und die Leute in der Straßenbahn haben sicher nur deshalb komisch geschaut, weil sie es nicht gewöhnt sind, so glücklich lächelnde Menschen zu sehen. 😉

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    • DocRunner

      Liebe Doris,
      das mit Lust und Laune unterliegt immer noch der Vernunft. Die ganz spontanen 20+ Läufe muss und will ich mir noch eine Weile verkneifen. Ich freu mich auf die ersten 15 und dann mal sehen, wie es weiter geht. Meine Hausrunde hat zwischen 13 und 15 Kilometer und es wäre schön, wenn die immer drin wäre 😉
      Das mit dem Lächeln kam erst nach der Strassenbahn, in der Strassenbahn war eher selbstbewußter ernster Blick angesagt 😀

      Salut

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  • Weinbergschnecke

    Klasse, lieber Christian! Nicht mehr ein Plan, sondern dein Körperempfinden steuert dich – so sollte es (finde ich) idealerweise sein beim Laufen. 🙂

    Was die Irritation in der Straßenbahn angeht: FiveFingers sind wohl unter (Trail)Läufern inzwischen Normalität. Aber dann auch noch Bart, Sonnenbrille, Piratentuch und so eine komische Weste mit vielen Taschen – du kannst aus Sicht konservativer Schwaben doch nur ein Dschihadist oder gar Schlimmeres sein! 😆

    Liebe Grüße und viel Spaß und gute Gesundheit weiterhin beim Ausbau der Strecken
    Anne

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    • DocRunner

      Liebe Anne,
      das mit dem Körperempfinden ist noch etwas schwierig, da ich in ganz anderen Herzfrequenz-Bereichen als vor der Verletzung unterwegs bin seit ich nach Maffetone trainiere, meldet mein Kreislauf eher Unterforderung, deshalb muss ich mich mehr auf Muskulatur und Knochen konzentrieren.
      Naja, ein ISIS Anhänger würde wohl kaum in kurzer Hose rumlaufen, ich denke es waren doch eher die VFFs, die zu den Blicken geführt haben 😀
      Dir auch viel Spass und gute Regeneration

      Salut

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  • midLAUFcrisis

    Lieber Christian,
    das liest sich ausgesprochen positiv. Ganz ordentliche Steigerung. Und das gleich barfuß. Pass nur auf … Aber ich will nicht der Mahner sein 😉

    Es freut mich, wie gut es wieder bei Dir läuft!

    Liebe Grüße
    Rainer 😎

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    • DocRunner

      Lieber Rainer,
      Du musst Dich nicht sorgen, mein zweiter Vorname ist Vernunft…neuerdings auf jeden Fall 😉
      Mein Kreislauf will mehr und die Knochen murren nicht, also gehe ich mit jeweils einem kleinen Wochenziel ans Laufen, aber die langen Läufe werden nur ganz langsam über die 15 Kilometer hinaus gesteigert, ich habe Zeit und muss nicht am Tag X irgendetwas abliefern 😉

      Salut

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  • Oliver

    Hallo Christian, gefällt mir was ich da lese, entspannt und konsequent dran bleiben, so geht das. Andere hätten womöglich die Laufschuhe an den Nagel gehängt. Viel Spaß weiterhin und dass die Strecke wieder länger werden.
    Beste Grüße, Oliver

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    • DocRunner

      Lieber Oliver,
      ich war kurz davor alles hinzuschmeißen, aber was dann? Ohne Laufen ist für mich nicht vorstellbar, deshalb werde ich beharrlich weiter machen, aber nicht mehr in dem Glauben, dass mir nichts passieren kann. Die Distanzen kommen wieder, aber ich werde mich in Geduld üben.

      Salut

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  • Lauf Markus

    13 Kilometer wollen auch erstmal gelaufen werden. Ist ja kein Besenstiel. Zumindest für sehr viele Menschen 😉 Aber schön, wenn es dir wieder so problemlos gelingt

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    • DocRunner

      So ist es Markus, aber Du kennst das ja, wenn man Längeres gewohnt ist, ist man immer in Versuchung. Im Moment möchte ich einfach nur beschwerdefrei laufen und da ich das wieder erlebe, ist die Distanz erstmal egal…

      Salut

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  • helgeorlt

    Lieber Christian,
    so einfach nach Gefühl wieder Laufen und barfuß durch die Weinberge 🙂
    Das glaube ich dir sofort, das dir das gefallen hat.
    Da hätte tatsächlich nur der Regen gefehlt 😆
    Aber man muss ja auch noch Platz nach oben lassen für die nächsten Genuss-Läufe.
    Ich freu mich, das es so gut „läuft“ 🙂
    Liebe Grüße
    Helge

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  • Steve

    Das liest sich super Christian! Die Daumen sind gedrückt das es weiter und stetig bergauf geht.
    Sehr gut!

    Viele Grüße aus dem verregneten Süden

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  • joggerin

    Freut mich, soviel Positives hier zu lesen. Wünsche Dir weiterhin alles Gute und pass gut auf Dich auf.
    Lieben Gruß
    Kornelia

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