Ausrüstungs-Test: Vibram FiveFingers V-Trail

Wieder mal hat ein neuer Trailschuh bei mir Einzug gehalten, und wieder ist es ein minimalistischer geworden. Und da ich gute Erfahrungen mit dem Spyridon MR gemacht habe, und der Spyridon MR Elite im Winter ebenfalls eine gute Figur abgegeben hat, aber eher etwas fürs alpinere Gelände ist, habe ich mir den Nachfolger des Spyridon MR, den V-Trail gegönnt 😉

Ich war seit der Verletzungspause im Frühjahr/Frühsommer nur noch mit FiveFingers, mit Luna-Sandalen oder barfuß unterwegs und v.a. auf den Trails habe ich sehr gerne einen gewissen Schutz für die Fußsohle, so dass der Spyridon MR ziemlich verschlissen ist und neben dem Bikila Evo der nächste Schuh ist, der aufs Altersteil bzw. zur Gartenarbeit verdonnert wird. V.a. das Obermaterial hat doch ziemlich gelitten. Ich hatte den V-Trail für unter 100 Euro entdeckt und ohne zu überlegen zugegriffen.

So reiht sich der Neue, neben Spyridon MR Elite, Bikila Evo bzw. inzwischen dem Nachfolger V-Run und den schon in die Tage gekommenen Komodo Sport (nicht mehr erhältlich) und KSO Trek Sport (nicht mehr erhältlich) ein. Jeder dieser FiveFingers hat seine Berechtigung und seinen Einsatzzweck. Über den V-Run habe ich nicht berichtet, aber im Wesentlichen ähnelt er dem Bikila Evo, ausser einem noch leichteren und dünneren Obermaterial und inzwischen habe ich davon auch schon einen Zweiten im Schuhregal 👣


Verarbeitung und Ausstattung

Der Schuh stellt sich beim Anfassen tadellos dar, v.a. der beim Spyridon etwas sehr steife und prominente Fersenabschluss ist jetzt herrlich weich und stumpf, so dass keine Gefahr mehr für eine mögliche Reizung bzw. Reibestelle an der Haut besteht. Das Obermaterial fühlt sich sehr gut an und wird als wasserabweisend angepriesen. Der Schuh wird über ein Schnellverschlusssystem an den Fuß angepasst. Die Sohle aus Kautschuk ist mit einem neuen, etwas zum Spyridon MR abgewandelten auffälligen Profil versehen bei einer insgesamt nur 5 mm starken Sohlendicke (nennt sich Megagrip), was einen Millimeter mehr als beim Vorgänger bedeutet, aber sich besser an den Untergrund anpassen und mehr „Gefühl“ und v.a. Grip zulassen soll. Eine Sprengung von mehr als 0 mm wäre bei den FiveFingers ungewöhnlich und findet sich deshalb nicht. Zusätzlich hat der Schuh noch eine 2 Millimeter Innensohle aus EVA und einer antimikrobiellen Beschichtung. Die Zehen sind durch abriebsresistente PU Zehenprotektoren geschützt 👣

Noch jungfräulich 🙂

 

Tragekomfort und Praxistauglichkeit

Das Anziehen gestaltet sich wie gewohnt einfach und unkompliziert, vorausgesetzt die Füße sind trocken. Aber selbst wenn sie etwas angeschwitzt sind, rutschen die Zehen und der Fuß nach wenigen Schritten in die richtige Position. Die breite Zehenbox fühlt sich sehr angenehm an. Der Schuh wird mit dem Schnürsystem fest angezogen, da drückt nichts und mit der richtigen Größe verliert man den Schuh auch garantiert nicht.

Der erste Eindruck beim Gehen ist phantastisch, die Innensohle ist wie bei den anderen Modellen  kaum wahrnehmbar und die Zehen schieben sich nach den ersten Metern sogleich in die richtige Position, und es besteht viel Bewegungsfreiheit für die Zehen. Die Direktheit beim Aufsetzen der Füße ist wie gewohnt bei den FiveFingers, trotz der dickeren Sohle. Das Laufgefühl ist definitiv besser als beim Spyridon MR, da die Sohle weniger starr und steif ist. Ich hatte auf trockenen, nassen und glitschig-matschigen Trails fast schon ein vollkommenes Barfuß-Laufgefühl, v.a. war die gefühlte Kontrolle erheblich besser als beim Vorgänger.

Das allerdings gewohnte Manko ist, dass ich kleine Steinchen oder Split bzw. Waldboden aufsammle und in das Fersenfach schleudere, so dass ich immer wieder zwischen Achillessehne und Fersenabschluss des V-Trail Steinchen rausholen muss. Ich bin es jedoch schon gewöhnt und wahrscheinlich liegt es an meinem Laufstil. Mit zusätzlichen Zehensocken bin ich den V-Trail noch nicht gelaufen, allerdings habe ich den Schuh in der für mich gewohnten Größe 42 erstanden, so dass eigentlich Platz sein müsste, wobei bislang selbst bei Minusgraden ein Lauf bis 90 Minuten ohne zusätzliche Wärmespender ohne Erfrierungen möglich war mit dem Vorgänger.

Wie bei all den anderen VFFs ist die Reinigung sehr einfach. Rein in die Waschmaschine und im Kurzprogramm über 15 Minuten den Schmutz entfernen lassen. Übrigens sind die FiveFingers auch weiterhin die einzigen „Schuhe“, die bei mir regelmäßig gereinigt werden, weniger wegen dem Schmutz, sondern mehr wegen dem Geruch 👣 :mrgreen:

Neu, sind sie am schönsten

Fazit

Der X-te Zehenschuh und was soll ich sagen, das Laufgefühl bleibt unangetastet. Die Puristen mögen mir verzeihen, fast wie barfuß, allerdings mit dem Vorteil, dass die Fußsohle und die Zehen ausreichend geschützt sind auf den Trails und auch grober Schotter gut belaufen werden kann. Der Grip der „neuen“ Sohle ist sehr gut und die Kontrolle auf unterschiedlichen Trail-Untergründen hervorragend. Was aber wirklich herausragend ist, ist das Laufgefühl, die Sohle wirkt stabil und fest, angezogen macht sie aber jede Fußbewegung mit und ich habe das Gefühl, dass ich kontrollierter unterwegs bin. Mal sehen, ob das Gefühl anhält und ob die Haltbarkeit an die alten VFFs herankommt 👣 😀

 

Salut

Christian

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Über DocRunner

Bin besessen von allem was ich anpacke: Beruf, Familie und natürlich vom Laufen. Besessenheit ist für mich Erholung und Genuss, Gleichgültigkeit bedeutet Stress und Langeweile. Mein Lebensmotto hört sich martialisch an, gründet aber auf täglicher Erfahrung und drückt meinen Wunsch aus: Stirb wenn es Zeit ist. Zeige alle Beiträge von DocRunner

22 responses to “Ausrüstungs-Test: Vibram FiveFingers V-Trail

  • ultraistgut

    Lieber Christian, fast wie barfuß, dazu noch gute Erfahrungen, das macht Lust auf solche Dinger, allerdings muss ich zugeben, dass mir diese FiveFingers rein optisch nicht besonders zusagen – der gleiche ohne Fivefingers würde mir persönlich besser gefallen, aber wer weiß, vielleicht ändere ich irgendwann meine Meinung – ich würde nie nie sagen, aus dem Alter bin ich raus. Danke für diesen Erfahrungsbericht, mon cher copain – Salut ! 😎

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    • DocRunner

      Liebe Margitta,
      das Aussehen ist an den Füßen ziemlich egal, die meisten Menschen schauen gar nicht auf die Füße und das gedeckte Schwarz lässt die einzelnen Zehenkammern gar nicht sofort erkennen…ich empfinde die Leguanos da eher als grenzwertig und deshalb sind wir auch nie richtig warm geworden, hatte sowas von Hüttenschuh 😉
      Aber wie Du geschrieben hast, wer weiß, was noch kommt 😎

      Salut ma chère copine

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  • nido00

    Lieber Christian,

    etwas flexiblere Sohle und trotzdem Trailtauglich mit Grip. Das klingt sehr verlockend. Mal sehen wann die nächsten Trailschuhe für mich dran sind…
    Mit den Steinchen, hast du es schonmal mit Gamaschen versucht? Die kann man wohl auch mit VFF tragen laut website.

    Gruß!

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    • DocRunner

      Liebe Roni,
      ich war wirklich überrascht, wie gut das Gefühl für den Untergrund trotz der etwas dickeren Sohle ist.
      Gamaschen sind mir zu kompliziert, die benutze ich nur im Winter bei ordentlich Schnee…die Steinchen lassen sich ja einfach rauspuhlen, das schaff ich gerade noch 😉

      Salut

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  • regenfrau

    Lieber Christian,
    so, dann laufe ich also ein Auslaufmodell… schade!
    Aber so wenig, wie ich mit den VFF unterwegs bin, halten die noch lange. Jedenfalls danke für die vielen Informationen zu den V-Trail. Klingen sehr verlockend! 🙂

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    • DocRunner

      Liebe Doris,
      ich laufe sogar ein Modell, was es gar nicht mehr zu kaufen gibt, spielt doch keine Rolle.
      Allerdings ist der V-Trail eine gelungene Weiterentwicklung, was man ja nicht immer so sagen kann 😉

      Salut

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  • Gerd (diro1962)

    Hört sich sehr interessant an Christian,
    ich habe mich ja bisher immer vor den Zehenschuhen gedrückt. Irgendwie habe ich da noch keine Ambitionen.
    Da ich aktuell am liebsten auf Asphalt unterwegs bin, besteht hier auch kein akuter Bedarf. Vielleicht nach dem FRA-Marathon für die Herbst/Winterzeit. Da bin ich bestimmt wieder öfters im Wald.

    Gruß vom Odenwald!

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  • Deichlaeufer

    Lieber Christian,

    da hast Du ja allein preislich wirklich einen Schnapper getan 🙂

    Im Vergleich zum V-Run scheinen sie aber insgesamt einiges mehr an Stoff zu haben. Da glaube ich Dir die -8° aufs Wort 🙂

    Viel Spaß mit den Neuen!

    Übrigens: Ich finde die „Hüttenschuhe“ saubequem und laufe die bislang sehr gerne 😀

    Moin moin
    Volker

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    • DocRunner

      Lieber Volker,
      ich bin ja immer vorsichtig, wenn VFFs günstig angeboten werden, aber da es ein offizieller Händler war und ich einen generösen Gutschein hatte, war der Kauf ohne Risiko eine Fälschung zu erstehen 😀
      Ob die V-Trail -8° C aushalten muss sich noch zeigen, der Vorgänger war auf jeden Fall tauglich was Minusgrade betraf.
      Die Hüttenschuhe sind bequem, aber im ästhetischen Vergleich mit den VFFs eher im Hinterfeld, nach meiner Meinung, aber die Geschmäcker sind ja verschieden 😉

      Salut

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  • midLAUFcrisis

    Lieber Christian,
    ein wenig packt mich ja der Neid der Nicht-Barfußläufer. Aber ich werde vermutlich in diesem Läuferleben keine Five-Fingers mehr überstreifen. Dazu ist mein „Fahrwerk“ einfach zu krumm und schuhgewohnt. Ohne leichte Stütze geht da nichts.

    Aber natürlich gönne ich dir den Spaß mit den Sohlenschützern und würde Dich liebend gerne mal wieder begleiten, wenn auch in „normalen“ Schuhen. 😉

    Liebe Grüße
    Rainer 😎

    Gefällt 1 Person

    • DocRunner

      Lieber Rainer,
      Du kennst meine Meinung: ich denke jeder kann sich an Schuhe ohne Stütze, Dämpfung und Sprengung gewöhnen, egal welche Voraussetzungen er mitbringt 🙂
      Ein gemeinsamer Lauf wäre schon längst überfällig, aber die Entfernung macht es schwer und die freien Wochenende beginnen erst wieder im Dezember…leider…

      Salut

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  • Ariana

    Lieber Christian
    Meine Füsse kommen mit Zehenschuhen ja so gar nicht klar (ein Zeh ist viel länger als der Rest), aber trotzdem wollte ich Dir an dieser Stelle mal sagen, dass ich Deine Ausrüstungstests total gerne mag und mich immer sehr darüber freue – wahrscheinlich umso mehr, weil die Pausen dazwischen immer etwas länger sind 🙂
    Liebe Grüsse
    Ariana

    Gefällt 1 Person

    • DocRunner

      Liebe Ariana,
      mein zweiter Zeh, also der neben dem Großzeh, ist ebenfalls länger als der Rest, das macht bislang keine Probleme in den VFFs. Hast Du es denn schon mal versucht?

      Vielen Dank für das Kompliment, ist mir ja fast peinlich, denn so toll finde ich die Tests gar nicht, nicht standardisiert, sondern nur aus der Erfahrung geschrieben, da gibt es sicher bessere. Aber es freut mich, dass Du die Tests magst 😀

      Salut

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  • joggerin

    Ich gehöre nicht zu der Barfußläufer-Fraktion. Wenn es Dir bekommt, ist es gut und dann macht auch Material testen Spaß.
    Lieben Gruß
    Kornelia

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    • DocRunner

      Liebe Kornelia,
      ohne Schuhe bzw. mit den FiveFingers oder den Luna Sandalen macht das Laufen gleich nochmals mehr Spass, da fällt so ein Test als Nebensache ab 😉

      Salut

      PS: Übrigens zähl ich mich auch nicht zu den Barfußläufern, dafür trage ich noch zu häufig Minimalschuhe

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  • das lauferei

    Lieber Christian,

    dein Artikel war ein Labsal für mich, trage ich doch erstens auch gerne VFF, und zweitens besonders meine älteren Trailmodelle (könnten die MR sein, das müsste ich nachsehen). Ich verwende sie fast ausschließlich für Techniktraining im Gelände: über und auf Stock und Stein, Baumstämme, und, und, und.

    Allerdings immer mit Socken – nicht nur des Aromas wegen, sondern weil meine Zehennägel dazu neigen, den Oberstoff der Schuhe durchzuscheuern. 😉

    Ciao,
    Harald

    Gefällt 1 Person

    • DocRunner

      Lieber Harald,
      freut mich, dass Dir der Beitrag gefällt. Wenn Du den Spyridon MR gut findest ist der V-Trail nochmals eine Verbesserung, im Vergleich hatte ich wirklich ein sehr viel besseres Gefühl für den Untergrund und das, obwohl der Spyridon schon mehrere hundert Kilometer eingelaufen war 😉
      Mit Socken geh ich ein in den VFFs, ist mir definitiv zu warm…

      Salut

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