Archiv der Kategorie: Gewitter

Auf den Hometrails und Pendelfahrten

Mehr Qualität beim Laufen bedeutet auch mehr Trails, also habe ich in den vergangenen neun Tagen meine Hometrails inspiziert, teilweise mit voller Absicht und teilweise auch aus Versehen, wie zum Beispiel heute, aber der Reihe nach.

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Wengert-Wetz

Puh, es ist für den Läufer im südlichen Deutschland momentan sehr schwer und eine wahre Herausforderung mit den Wetterbedingungen klar zu kommen. Nein, ich will mich nicht beklagen, aber von Tag zu Tag wechseln die Bedingungen zwischen nasskaltem Aprilwetter (im Mai) und schwül-warmen Augustbedingungen (im Mai) mit Gewitterregen und angemessenem Maiwetter. Der Mai ist wohl der neue Aprust 😉

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Einheitsbrei

Momentan ist es schwierig richtig interessante lange Läufe ab der Haustür zu planen, da das schwülwarme Wetter häufig eine solche Belastung nicht zulässt und ich auch tagsüber Brötchen verdienen muss. So sind es die Läufe bis maximal 20 Kilometer am frühen Morgen oder die spontan modifizierten Läufe von der Praxis nach Hause, die für die Erholung und Entspannung herhalten müssen, was ja glücklicherweise auch blendend funktioniert. weiterlesen


Olfaktorische Phantasmen

Fast 14 Tage ohne Laufen, 14 Tage leiden wie nur ein Mann es kann. Aber das hatte seinen Sinn, das erste Mal seit Jahren hat mich eine echte Grippe befallen. Es hat begonnen mit wahnsinnigen Halsschmerzen und dadurch bedingten Beschwerden beim Schlucken und auch Sprechen, nach zwei Tagen dann laufende Nase, Reizhusten und es gesellten sich Rücken-, Kopf- und Gliederschmerzen sowie hohes Fieber dazu. Fast 3 Tage zwischen 39° und 40 °C hatten mich ans Bett gefesselt und ich war nur damit beschäftigt mich zu hydrieren, literweise Lindenblütentee und immer wieder etwas Ibuprofen waren zum einzigen Lebensinhalt geworden 😉 Danach dümpelte die Körpertemperatur noch einige Tage um 38°C und die Erkältungssymptome haben mich an großen Taten gehindert, initial war der Gang zur Toilette schon ein Bergtraining und das Rasen mähen am Dienstag bedurfte eines anschließenden ausgiebigen Nickerchens auf der Couch. weiterlesen


Nackte Angst und pure Begeisterung

Die letzten beiden Wochen waren anstrengend und absolut nicht nach meinem Geschmack, und sie waren gezwungenermaßen auch noch komplett lauffrei, bis zum heutigen Tag. Warum? Nun ja, es hatte mich erwischt, ich hatte mir so richtig was eingefangen, und das war schon seit einigen Jahren nicht mehr der Fall. Aber der Reihe nach…

Bei voller Gesundheit bin ich am Sonntag vor 2 Wochen laufen gegangen und nach einer knappen Stunde wollten meine Beine nicht mehr, ich fühlte mich elend und schwach und bekam kaum noch einen Fuß vor den anderen. Meine Herzfrequenz ging stetig nach unten und das war bei mir immer ein Alarmzeichen, dass irgendein Infekt im Anzug steckt, also machte ich kehrt und schlug den Nachhauseweg ein. Als ich zuhause ankam war ich komplett ausser Atem und schwitzte wie verrückt, kurz abgeduscht und mit viel Wasser zur Hydrierung auf die Couch. Am Abend hatte ich 39°C Fieber und ein Kratzen im Hals, also wohl doch eine echte Sommergrippe. Ich ging zu Bett und schlief zwar schlecht, aber immer hin schlief ich bis um drei Uhr, dann wachte ich auf, ich bekam kaum noch Luft, Hals zu und die Nasenschleimhäute schwollen auch an. An Schlaf war nicht mehr zu denken, also fuhr ich in die Praxis und bereitete den Tag vor. Am Nachmittag fühlte ich mich elend und verliess die Praxis mit dem sicheren Gefühl wieder Fieber zu haben. Zuhause bemerkte ich, dass mein Herz versuchte einen anderen Rhythmus anzuschlagen. Ich setzte mich in die Küche und tastete nach meinem Puls, der war sehr unregelmäßig, aber eher langsam. Ich spürte das „Stolpern“ und bekam es richtig mit der Angst zu tun. So etwas hatte ich schon 2007 erlebt, damals war dann die Diagnose „leichte Myokarditis“ gestellt worden. Seither war ich immer vernünftig und habe beim leisesten Zeichen eines Infekts sofort mit dem Laufen pausiert, denn ich wollte verantwortlich mit meiner Gesundheit umgehen. Ich habe ja auch eine Verpflichtung und Verantwortung gegenüber meiner Familie und ich bin selbständig, da ist Krankheit nicht gerade wirtschaftlich 😉 Diesmal hatte ich jedoch gar keine Symptome verspürt vor dem letzten Lauf und das machte mir Angst.

Ich rief meinen früheren Oberarztkollegen in der Klinik an und schon kurz darauf betrat ich meine alte Wirkstätte, nur diesmal als Patient. Sofort war ich in den Klauen der Kardiologen, die allerdings nur eine  unspezifische Bradyarrhythmie feststellen konnten. Allerdings hörte der Kollege ein Rasselgeräusch rechts basal an der Lunge und ich bekam eine Röntgenaufnahme der Lunge gemacht, Volltreffer: Pneumonie oder landläufig als Lungenentzündung bekannt. Zwar nur ganz diskret und wahrscheinlich in einem sehr frühen Erkrankungsstadium, aber eindeutig. Sofort wurde die stationäre Aufnahme in die Wege geleitet, was ich jedoch dankend ablehnte. Nach ausführlicher Blutabnahme bekam ich ein Antibiotikum infundiert und besondere Verhaltensmaßregeln verpasst. Mit der Empfehlung für ein orales Antibiotikum, Sportverbot und Wiedervorstellungstermin verliess ich die Klinik am Abend und fühlte mich elend. In den nächsten drei Tagen ging jede Bewegung anstrengend und ich funktionierte nur auf Sparflamme. Auch mental war ich nur ein Schatten meiner selbst. Mein berufliches Engagement reduzierte sich auf ein Rumpfprogramm. Ab dem Wochenende ging es mir dann langsam besser und ich schaffte es länger als eine Stunde auf den Beinen zu bleiben. Ich ging täglich an der frischen Luft spazieren, also mit einer Pace zwischen 10 und 12 Minuten pro Kilometer 😎 und bemerkte schon bald, dass mein Herzrhythmus sich wieder normalisiert hatte. Nach der Röntgenkontrolle wurde das Antibiotikum abgesetzt und am letzten Freitag wurde ich nochmals durchgechecked und richtig auf den Kopf gestellt. Definitiv keine Myo- oder Endokarditis, wahrscheinlich war es eine virale Geschichte, da ein sicherer Erregernachweis nicht geführt werden konnte. Aber egal, die beste Nachricht war vom „laufenden“ Kardiologen das Okay zum lockeren und angepassten (!) Laufen und Radeln.

Also wartete ich heute auf die versprochene regnerische Abkühlung, da ich nicht in der schwülen Luft laufen wollte, aber die blieb bis zum späten Nachmittag aus, so dass ich mich trotz der dicken Luft in Schale geschmissen habe und ganz verhalten loslief. Der erste Kilometer machte keine Mühe und die Herzfrequenz passte sich an die Belastung in normalem Rahmen an. Ich hatte mir vorgenommen die Steigung zu gehen, allerdings blieb die Herzfrequenz bei einer Pace von 7:00Min/km noch im GA1, so dass ich die 200 Höhenmeter laufend hinter mich brachte. Ich fühlte mich pudelwohl und hatte einen herrlich frischen Wind auf der Anhöhe bevor ich in den Wald eintauchte. Alles war etwas grüner, alles war etwas natürlicher und mir kam die vertraute Umgebung noch etwas familiärer vor, als bei den Läufen vor der Krankheitsepisode. Im Wald war ich alleine und lief gemütlich, ja fast schon entspannt auf den Forstwegen und auf ebenen Trails. Die Luft war dort weniger schwül und etwas kühler. Meine Beine waren richtig gut und die Muskulatur so locker wie schon lange nicht mehr. Als ich den Wald auf dem Remstal-Höhenweg verliess wurde ich mit einem Hauch eines Nieselregens belohnt. Von einem richtigen Regen war das zwar meilenweit entfernt, aber es war mehr, als ich erwartet hatte. Nach 90 Minuten – weniger ist manchmal mehr – in gemächlichem Tempo war ich vollkommen zufrieden und begeistert, ja fast schon erholt,  wieder zuhause und selbst meine Frau meinte, ich würde wieder besser aussehen 😉

Salut


Freundschaft

Es geht natürlich ums Laufen, aber diesmal möchte ich eine Geschichte erzählen, die mir als Realist absolut phantastisch vorkommt und die ich immer noch kaum glauben kann, aber ich weiß, dass sie wahr ist 😉

Der Freund eines Freundes, dessen Bruder usw. hatte während seines Medizinstudiums einen Kommilitonen aus Syrien, ich nenne ihn Dr.K. und den Freund eines Freundes, dessen Bruder usw. nenn ich einfach Dr.J.. Die Beiden waren sehr gute Freunde und teilen viele schöne Erfahrungen und Erlebnisse. Nach dem Studium, wie leider so oft, trennten sich ihre Wege und sie schlugen verschieden Fachrichtungen ein. Die Ausbildung machten sie an weit auseinander liegenden Orten und da es damals weder Internet noch viele Mobiltelefone gab, erlosch der Kontakt. Eines Tages trafen sie sich allerdings ganz zufällig wieder. Dr.K. erzählte Dr.J. von seinem Traum: er wollte, wenn er mit seiner Facharztausbildung als Internist fertig ist und sich noch zwei Jahre in Kinderheilkunde ausbilden hat lassen, wieder zurück nach Syrien mit seiner Frau und seinen Kindern. Dort will er in seiner Geburtsstadt eine Klinik eröffnen. Er hatte bereits eine klare Vorstellung und angesprochen auf die Finanzierung, erläuterte er sein Konzept: jeder Patient sollte zahlen, was er konnte, die Reichen etwas mehr und die Armen etwas weniger oder halt nichts. Dr. J. erklärte ihn für verrückt, aber sagte ihm seine Unterstützung zu. Inzwischen gab es das Netz und Mobiltelefone, so dass der Kontakt erhalten blieb und 2008 war es dann so weit, Dr.K. packte seine Sachen und investierte sein Erspartes, seine ganze Kreativität und Intelligenz in seinen Traum. Die Klinik war ein Ein-Frau-Ein-Mann-Betrieb, seine Frau – ausgebildete Krankenschwester- und er gingen in der Aufgabe auf und berichteten hin und wieder. Das Prinzip schien zu funktionieren.

Im Dezember 2010 bat dann Dr.K. seinen Freund Dr.J. in Deutschland um Hilfe, er brauchte dringend Medikamente und v.a. mittelfristig ein neues Ultraschallgerät, denn leider waren die Menschen in dem syrischen Städtchen nicht besonders zahlungskräftig, aber dafür nicht weniger krank. Dr.J. fackelte nicht lange und machte sich dran etwas für seinen Freund zu organisieren. Medikamente waren schnell organisiert, es gab Beziehungen zu Kliniken, die sich auszahlten und es folgten Sachspenden. Die Logistik des Transports übernahm ein ehemaliger Nachbar von Dr.J., der bei einer großen deutschen Transport-Logistikfirma arbeitete. Bereits im Januar konnte die erste Lieferung erfolgen. Etwas Kopfzerbrechen machte der Ultraschall, denn er war sehr teuer.

Hatte ich schon erwähnt, dass alle Beteiligten leidenschaftliche Läufer waren? Nein? Doch das waren sie und Dr.J. war sofort auf die Idee gekommen, dadurch das nötige Kleingeld zu beschaffen. Er telefonierte mit Firmen und versuchte einen Sponsor zu bekommen für irgendein Laufevent, wobei die gelaufenen Kilometer vergütet werden. Ein Aussendienstmitarbeiter einer Firma war gleich Feuer und Flamme und kam schon bald mit der Nachricht, dass seine Firma bei einem Herbstmarathon eine Gruppe von Läufer unterstützt und für jeden gelaufenen Kilometer eine Summe für den guten Zweck spendet. Leider war der Herbst noch weit entfernt und die Situation in der kleinen Klinik wurde durch politische Unruhen und die Willkür der Behörden rasch schlechter. Auch war noch nicht klar wer denn bereit war für diesen Zweck mit zu laufen, denn es wurde vereinbart, dass dies alles anonym bleiben sollte, um Dr.K. keine Probleme zu bereiten. Bald waren dann acht Mann gefunden, keine Vielläufer, sondern einfach nur Läufer, die ihren Sport mit Leidenschaft betrieben.

Das nächste Hindernis war der hohe Anschaffungspreis für ein Ultraschallgerät. Viele Telefonate waren nötig bis ein Händler gefunden wurde, der bereit war, sobald er ein gebrauchtes Gerät herein bekommt, was geeignet wäre, nach einer „kleinen Überholung“, zum Rückkaufswert weiter zu geben. Dann hieß es zu warten, im schlimmsten Fall bis zum Herbst. Anfang Mai stand dann ein Gerät zur Verfügung, also musste gehandelt werden. Dr.J. führte wieder viele Telefonate und hatte schon bald einen Deal in der Tasche: es sollte ein ganz privates Lauf-Event werden und noch im Mai sollte es stattfinden. Der Termin wurde auf den 21. Mai gelegt und die acht Läufer waren nun gefordert, einer musste aus beruflichen Gründen absagen und zwei waren noch nicht so weit, eine Strecke von einer Marathondistanz oder länger zurück zu legen. Also blieben fünf Recken übrig: Dr.J., der Aussendienstmitarbeiter, Dr.J.s früherer Chef, der Mitarbeiter der Transport-Logistikfirma und ein Kollege von Dr.J.. Es wurde errechnet, dass jeder 60 Kilometer laufen sollte und alle gingen beherzt ran an die Sache, obwohl keiner bisher mehr als eine Marathondistanz zurück gelegt hatte. Ein Rundkurs von 15 Kilometern mit knapp 250 Höhenmeter wurde auserkoren viermal zu durchlaufen, gut die Hälfte auf Asphalt und den Rest auf befestigten Waldwegen. Leider wollte das Wetter nicht so mitspielen und schickte schwüle Hitze zum Start um 14.00 Uhr, bewehrt mit Trinkrucksack und viel Unterstützung der Familien musste es gelingen. Unauffällig und gut gelaunt liefen sie los und schon bald stand ihnen der Schweiss nicht nur auf der Stirn. Am Ende der ersten Runde fing es an zu Donnern und ein gewaltiges Gewitter zog auf. Kleine Hagelkörner und starker eiskalter Regen versuchte ihnen das Leben schwer zu machen, aber nach knappen 90 Minuten war die erste Runde geschafft und nach einer Stärkung ging es dann in die zweite Runde, die  dann nochmal richtig anstrengend war, da die wieder hervorgekommene Sonne, die Luft in einen Sauna-Aufguss verwandelte. Runde drei war dann die angenehmste, da es fast durchgehend regnete und somit für Abkühlung sorgte. Allerdings forderte der Lauf seinen Tribut, nach 45 Kilometern konnten zwei Läufer nicht mehr weiter aufgrund von Erschöpfung und Blasen. Die übrigen Drei starteten nach einer kurzen Pause wieder und machten sich Mut, einer der Drei hatte zuvor noch nie einen Marathon gefinished, aber sie waren gut trainiert und konnten auf die Unterstützung der fleissigen „Streckenposten“ zählen. Und so wurde die letzten 15 Kilometer mit einigen Gehpausen und gegenseitiger Ermutigung zu Ende gebracht. Man lag sich in den Armen und trotz der Erschöpfung war die Stimmung schon besorgniserregend ausgelassen. Nach ausgiebiger Dusche und einem abendlichen Grillfest war dann auch die Beschaffung der fehlenden Summe geklärt und im Laufe der nächsten Woche geht das Paket auf seine Reise nach Syrien.

Das Wunderbarste an dieser Geschichte ist allerdings, dass aus einer Freundschaft viele neue entstanden sind und mit einer Anstrengung von nur wenigen Menschen ein Lebenstraum eines Anderen erhalten werden konnte, der in den letzten Jahren mit seiner Familie viel entbehrt hat, um anderen Menschen zu helfen. Einfach so 60 Kilometer zu laufen ohne Menschenmassen am Strassenrand war für alle eine neue Erfahrung, aber der Zweck hat sie angetrieben. Die Anonymität, insbesondere der beteiligten Firmen, macht es noch etwas schöner als es sowieso schon ist. Übrigens wurde ein Besuch in Syrien von allen Protagonisten vereinbart, sobald die politische Lage es zulässt.

Salut