Archiv der Kategorie: Medizin

Was ich anders mache

Ich hatte lange mit meinem Physio- und Sporttherapeuten überlegt, was ich anders machen muss, da ich in den letzten Jahren trotz der minimalistischen Schuhe und dem barfuß laufen, relativ häufig mit orthopädischen Problemen zu kämpfen hatte. Das zusätzliche Faszientraining und die Stabi-Übungen alleine reichen wohl nicht aus, wie sich gezeigt hat.  weiterlesen

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Mein Körper, mein Tempel?

Zuerst muss ich mal feststellen: ich mag meinen Körper und seit Jahrzehnten fasziniert mich die Komplexität und auch wieder die Einfachheit dieses Systems, was unsere Körperhülle mit all seinen Funktionen ausmacht. Wir bestehen aus vielen chemischen Elementen, die für sich allein keine relevante Funktion bedingen, aber in dieser Zusammensetzung, diese Wundermaschine ausmachen. Was für ein Zufall und welche Entwicklung dazu geführt hat, ist schon bewundernswert.

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Ganz viele „T“s

Der heutige Lauf hatte sehr viele Attribute, die mit „T“ beginnen, allerdings leider nicht nur angenehme und schöne, dazu später mehr. In der vergangenen Woche hatte ich einen sportmedizinischen Check-up (Körperliche Untersuchung, Anthropometrie, Laborchemische Untersuchung, Elektrokardiogramm, Echokardiographie, Belastungs-EKG) und eine Leistungsdiagnostik (Laktat-Leistungsdiagnostik, Spiroergometrie) am Sportmedizinischen Institut der Universität. Es war seit vielen Jahren wieder mal fällig, einfach nur so zum Spass. Und was soll ich sagen? Ich war noch nie so fit wie im Moment, alle Werte super in Ordnung. Und genau so fühle ich mich auch, also fast 10 Jahre jünger 🙂

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Einige Läufermythen des 3. Jahrtausends

Ich war ja schon länger auf keinem Laufevent, was mich früher immer am meisten begeistert hat, waren die Gespräche vor dem Start in der Aufstellung oder noch besser die Gespräche nach der Ziellinie. Dabei wurden Läuferweisheiten und auch heroische Lauftaten ausgetauscht, die mich oft genug in Erstaunen versetzt haben. Allerdings wurde dabei auch viel Unsinn verzapft, was sich meist nicht sofort aufklären hat lassen. Ich will einige solche hartnäckigen Mythen aufgreifen und bitte nicht alles Geschriebene Ernst nehmen 😉 weiterlesen


Schlussstrich 2012

Da ich frühestens an Silvester oder Neujahr wieder laufen kann nach einem längst fälligen operativen Eingriff, kann ich mir schon heute ein Fazit erlauben für das Laufjahr 2012. Keine Statistik, denn dafür taugen die Zahlen in diesem Jahr nicht und ehrlich gesagt, interessiert es mich auch nicht. Nachdem im Januar beim Laufen massive Schmerzen am rechten Vorfuß aufgetreten waren, stand schnell die Diagnose fest: Stressfraktur am 3. Mittelfußknochen. Es folgte eine Beinahe-Depression, da ich mich sonst überaus fit und leistungsstark empfunden habe. Dennoch konnte ich mich mit Hilfe meines Orthopäden und eines ausgezeichneten Sport- und Physiotherapeuten über Wasser halten, sprich ich war motiviert, das Beste aus der Misere zu machen. Gymnastik, Ergometertraining sowie allgemeines Kraft- und Gleichgewichtstraining an 5 Tagen die Woche für die folgenden 3 Monate sollten mich läutern und mir die Bedeutung des ergänzenden Trainings lehren. Teilweise machte es sogar Spass, v.a. als die Laufpause zu Ende ging und die ersten vorsichtigen und langsamen Ausflüge stattfanden.

Aufgrund gesundheitlicher Probleme innerhalb meiner Familie kamen dann neue Belastungen, die mir den Schlaf raubten und mich in Angst und Sorge versetzten. Zusätzlich traten dann noch Schmerzen in der linken Leiste auf, immer beim Laufen und immer bei Anstrengung. Bei manchen Läufen war es dann auch nicht so schlimm und selten waren die Schmerzen auch gar nicht vorhanden. Konsultierte Kollegen konnten sich anfangs keinen Reim darauf machen, erst als es tastbar wurde, kam ich dem Rätsel auf die Spur: eine Varikozele, sprich eine Krampfader der Vene zum linken Hoden entlang des Samenleiters. Einen Urologen den ich zu Rate zog, hat mir dringend zur Operation geraten, da die Symptome eher zunehmen werden. Die eventuell resultierende Infertilität hat mich als Vater von drei Kindern nicht so sehr geschreckt, hingegen war die Aussicht auf die möglichen bleibenden Schmerzen beim Laufen nicht so rosig. Nur an eine Operation war vorerst nicht zu denken, weshalb ich mir beim Laufen mit einem Trick geholfen habe, den ich hier aber nicht breit treten werde :mrgreen:

Als es dann wieder bergauf ging, kam dann der unsägliche Hundeangriff Ende September über den ich hier auch nicht viele Worte verlieren möchte. Eine Entschuldigung habe ich bis heute nicht erhalten und auch das Strafverfahren hat noch nicht stattgefunden. Meine zerbissene Laufkleidung und der entstandene Verdienstausfall sowie die Arztrechnungen und das Schmerzensgeld wurden durch die Haftpflichtversicherung des Halters inzwischen beglichen, allerdings erst nach Einschalten eines Rechtsbeistandes. Soviel zu dem bisher dunkelsten Kapitel in meiner Läuferkarriere, was leider mental Wunden hinterlassen hat.

Nachdem sich dann die gesundheitlichen Probleme in der Familie beruhigt hatten, war dann ich dran, Operation per Endoskop oder Sklerosierung (Verklebung) der Vene mittels eines Kathetereingriffs? Nach vielem Hin und Her hatte ich mich für die mir sicherer erscheinende Methode des endoskopischen Eingriffs entschieden und habe auch einen sehr guten Operateur gefunden. Ganz ehrlich, das mit entscheidendste Kriterium war die Dauer der Laufpause 😉 Denn so kann ich spätestens an Neujahr wieder auf die Piste, wenn alles gut abheilt.

So, genug Leid verzapft, es gab auch die guten Momente 2012. Die Erfahrung wie gut ein langsameres Tempo beim Laufen sein kann, die vielen regenerativen Läufe mit meiner Frau, die Bergläufe im Berchtesgadener Land, im Salzburger Land und im Schwarzwald sowie die wiederum als entspannend und erholend empfundenen Läufe von der Praxis nach Hause. Auch die Laufblogger haben mich aufs angenehmste überrascht, trotz der nicht enden wollenden gesundheitlichen Rückschläge und dem ganzen Gejammer, was ich hier niedergeschrieben habe, kamen Emails und Kommentare, die echtes Mitgefühl und Verständnis ausgedrückt haben. Dafür möchte ich einfach nur Danke sagen und hoffe im nächsten Jahr einige Personen auch wieder im echten Leben zu treffen oder kennen zu lernen. Ansonsten wünsche ich allen Lesern ein ruhiges und friedvolles Weihnachtsfest und einen guten Jahresbeginn 2013. Bei mir kann es nur besser werden….

Salut

Christian


Aus, Ende, Vorbei

So oder so ähnlich würde ich meine momentane Leidenszeit bezeichnen wollen. Die ersten Meter auf dem Laufband in Leguanos und barfuß liegen hinter mir, und sowohl das kernspintomographische als auch das orthopädische Okay liegt vor. Was bleibt ist eine furchtbare Angst, was macht der rechte Mittelfuß? Mache ich alles richtig? Wird sich die intensive und Zeit fressende Rehabilitation beim Physio- und Sporttherapeuten auszahlen? Die Antworten kann mir nur die vor mir liegende Zeit geben und genau so werde ich es auch anpacken, mit einem Lächeln im Gesicht und dem Herz in der Hand 😉

Nochmal ganz langsam, denn ich begreife es noch nicht so ganz:

a b

h e u t e

d a r f

i c h

w i e d e r

n a c h

e i n e m

g a n z

s t r e n g e n

P l a n

l a u f e n  g e h e n

Dann mal sehen, ob ich mich an Kurzstrecken gewöhne 😉

Salut

Christian


Folter ohne Ende

ES geht in die sechste Woche Laufpause und ich bin inzwischen mega nervös. Wenn ich nur einen Läufer sehe, ob auf dem Nachhauseweg oder durchs Fenster, oder von einem Lauf was zu lesen kriege, bekomm ich „Laufweh“. Ich bin sehr geduldig und kann mich auch gut ablenken, aber seit der Schmerz nicht mehr da ist, fällt es mir schwer, nicht los zu laufen. Die Ermahnungen meines Knochen-Doktors und mein Verstand gebieten mir jedoch Einhalt und stattdessen freue ich mich auf die Zeit, wenn es wieder los gehen darf. Bestimmt ist jedoch weder der Zeitpunkt für das nächste Kernspin noch der Startschuss zur Wiederaufnahme meiner Freizeitbeschäftigung. Tai Chi Chuan und Physiotherapie, sowie etwas Krafttraining und verhalten auf dem Ergometer, mehr geht und darf nicht. Ich mag nicht jammern, aber es grenzt an Folter, was der Geist einem manchmal antut. Ich träume bereits vom Laufen 😉

Langsam und von vorn: Mitte Januar hatte ich bei leichter Belastung, also nicht beim Laufen, sondern eher beim Gehen im Alltag, leichte Schmerzen am rechten lateralen Fußrand und weniger auch am Fußgewölbe zehennah. Laufen ging sehr gut, aber ausnahmslos auf dem Vorfuß, bergab, wenn auch der Mittelfuß und in Ausnahmesituationen die Ferse gefordert war, wurde der Schmerz stärker. Also pausierte ich, da die Signale für eine Überlastung gesprochen haben. Verstanden habe ich es jedoch nicht, da ich bereits seit Mitte Dezember die Intensität und auch die Quantität deutlich verringert hatte, da ich unter einem ziemlichen Zeitmangel gelitten habe. In den darauf folgenden Tagen wurde der Schmerz im Alltag besser und verschwand wieder. Nach einer Woche scheiterte jedoch der erste Lauf-Versuch bereits an einer moderaten bergab Passage. Ich kehrte humpelnd und Schmerz geplagt wieder nach Hause zurück. Ein Anruf beim Radiologen und für den Nachmittag erst Röntgen und dann ggf. Kernspin vereinbart. Das Röntgenbild von meinem Mittelfuß zeigte keine Auffälligkeiten, also ab in die „Röhre“. Ja, und da war es deutlich zu sehen, der Grund des Übels. Eine Ermüdungsfraktur am dritten Mittelfußknochen, klassisch, allerdings fehlte die eigentliche Überlastung. Seither rätsele ich herum, an was es liegen konnte nach über einem Jahr minimalistischem Schuhwerk und bereits verminderten Umfängen.

Beim Orthopäden bzw. Orthopädiemechaniker wurde mir eine Schiene verpasst (zum Glück kein Gips), die ich anfangs zur Entlastung sehr gerne trug, da sie Schmerzen bei minimaler Belastung verhinderte, seit einer knappen Woche bin ich die Schiene los und habe eine etwas angenehmere und nicht so Unförmige an, mit der auch das Tragen von einigen Schuhe wieder möglich ist, allerdings soll ich weiter entlasten und darf Unterarmgehstützen verwenden. Es ist einfach nur blöde.

Mit meinem Physiotherapeut arbeite ich aber schon an dem Konzept des Wiederaufbaus, dieser wird in erster Linie aus barfuß laufen bestehen 😀 und darauf freu ich mich wie Bolle. Bis dahin werde ich mich weiter etwas rar machen im Netz und v.a. auf den von mir sonst so geschätzten Lauf-Blogs, bitte verzeiht mir. Aber über Laufen im Schnee, bei Regen oder gar in den kommenden Frühling hinein kann und will ich momentan nichts hören, das verstärkt die Folter nur 😉

Salut

Christian


Nackte Angst und pure Begeisterung

Die letzten beiden Wochen waren anstrengend und absolut nicht nach meinem Geschmack, und sie waren gezwungenermaßen auch noch komplett lauffrei, bis zum heutigen Tag. Warum? Nun ja, es hatte mich erwischt, ich hatte mir so richtig was eingefangen, und das war schon seit einigen Jahren nicht mehr der Fall. Aber der Reihe nach…

Bei voller Gesundheit bin ich am Sonntag vor 2 Wochen laufen gegangen und nach einer knappen Stunde wollten meine Beine nicht mehr, ich fühlte mich elend und schwach und bekam kaum noch einen Fuß vor den anderen. Meine Herzfrequenz ging stetig nach unten und das war bei mir immer ein Alarmzeichen, dass irgendein Infekt im Anzug steckt, also machte ich kehrt und schlug den Nachhauseweg ein. Als ich zuhause ankam war ich komplett ausser Atem und schwitzte wie verrückt, kurz abgeduscht und mit viel Wasser zur Hydrierung auf die Couch. Am Abend hatte ich 39°C Fieber und ein Kratzen im Hals, also wohl doch eine echte Sommergrippe. Ich ging zu Bett und schlief zwar schlecht, aber immer hin schlief ich bis um drei Uhr, dann wachte ich auf, ich bekam kaum noch Luft, Hals zu und die Nasenschleimhäute schwollen auch an. An Schlaf war nicht mehr zu denken, also fuhr ich in die Praxis und bereitete den Tag vor. Am Nachmittag fühlte ich mich elend und verliess die Praxis mit dem sicheren Gefühl wieder Fieber zu haben. Zuhause bemerkte ich, dass mein Herz versuchte einen anderen Rhythmus anzuschlagen. Ich setzte mich in die Küche und tastete nach meinem Puls, der war sehr unregelmäßig, aber eher langsam. Ich spürte das „Stolpern“ und bekam es richtig mit der Angst zu tun. So etwas hatte ich schon 2007 erlebt, damals war dann die Diagnose „leichte Myokarditis“ gestellt worden. Seither war ich immer vernünftig und habe beim leisesten Zeichen eines Infekts sofort mit dem Laufen pausiert, denn ich wollte verantwortlich mit meiner Gesundheit umgehen. Ich habe ja auch eine Verpflichtung und Verantwortung gegenüber meiner Familie und ich bin selbständig, da ist Krankheit nicht gerade wirtschaftlich 😉 Diesmal hatte ich jedoch gar keine Symptome verspürt vor dem letzten Lauf und das machte mir Angst.

Ich rief meinen früheren Oberarztkollegen in der Klinik an und schon kurz darauf betrat ich meine alte Wirkstätte, nur diesmal als Patient. Sofort war ich in den Klauen der Kardiologen, die allerdings nur eine  unspezifische Bradyarrhythmie feststellen konnten. Allerdings hörte der Kollege ein Rasselgeräusch rechts basal an der Lunge und ich bekam eine Röntgenaufnahme der Lunge gemacht, Volltreffer: Pneumonie oder landläufig als Lungenentzündung bekannt. Zwar nur ganz diskret und wahrscheinlich in einem sehr frühen Erkrankungsstadium, aber eindeutig. Sofort wurde die stationäre Aufnahme in die Wege geleitet, was ich jedoch dankend ablehnte. Nach ausführlicher Blutabnahme bekam ich ein Antibiotikum infundiert und besondere Verhaltensmaßregeln verpasst. Mit der Empfehlung für ein orales Antibiotikum, Sportverbot und Wiedervorstellungstermin verliess ich die Klinik am Abend und fühlte mich elend. In den nächsten drei Tagen ging jede Bewegung anstrengend und ich funktionierte nur auf Sparflamme. Auch mental war ich nur ein Schatten meiner selbst. Mein berufliches Engagement reduzierte sich auf ein Rumpfprogramm. Ab dem Wochenende ging es mir dann langsam besser und ich schaffte es länger als eine Stunde auf den Beinen zu bleiben. Ich ging täglich an der frischen Luft spazieren, also mit einer Pace zwischen 10 und 12 Minuten pro Kilometer 😎 und bemerkte schon bald, dass mein Herzrhythmus sich wieder normalisiert hatte. Nach der Röntgenkontrolle wurde das Antibiotikum abgesetzt und am letzten Freitag wurde ich nochmals durchgechecked und richtig auf den Kopf gestellt. Definitiv keine Myo- oder Endokarditis, wahrscheinlich war es eine virale Geschichte, da ein sicherer Erregernachweis nicht geführt werden konnte. Aber egal, die beste Nachricht war vom „laufenden“ Kardiologen das Okay zum lockeren und angepassten (!) Laufen und Radeln.

Also wartete ich heute auf die versprochene regnerische Abkühlung, da ich nicht in der schwülen Luft laufen wollte, aber die blieb bis zum späten Nachmittag aus, so dass ich mich trotz der dicken Luft in Schale geschmissen habe und ganz verhalten loslief. Der erste Kilometer machte keine Mühe und die Herzfrequenz passte sich an die Belastung in normalem Rahmen an. Ich hatte mir vorgenommen die Steigung zu gehen, allerdings blieb die Herzfrequenz bei einer Pace von 7:00Min/km noch im GA1, so dass ich die 200 Höhenmeter laufend hinter mich brachte. Ich fühlte mich pudelwohl und hatte einen herrlich frischen Wind auf der Anhöhe bevor ich in den Wald eintauchte. Alles war etwas grüner, alles war etwas natürlicher und mir kam die vertraute Umgebung noch etwas familiärer vor, als bei den Läufen vor der Krankheitsepisode. Im Wald war ich alleine und lief gemütlich, ja fast schon entspannt auf den Forstwegen und auf ebenen Trails. Die Luft war dort weniger schwül und etwas kühler. Meine Beine waren richtig gut und die Muskulatur so locker wie schon lange nicht mehr. Als ich den Wald auf dem Remstal-Höhenweg verliess wurde ich mit einem Hauch eines Nieselregens belohnt. Von einem richtigen Regen war das zwar meilenweit entfernt, aber es war mehr, als ich erwartet hatte. Nach 90 Minuten – weniger ist manchmal mehr – in gemächlichem Tempo war ich vollkommen zufrieden und begeistert, ja fast schon erholt,  wieder zuhause und selbst meine Frau meinte, ich würde wieder besser aussehen 😉

Salut


Das schlechte Gewissen

Nicht ich habe ein schlechtes Gewissen, auch nicht, wenn ich nicht laufen gehe oder wenn ich dem Impuls nachgebe mich bequem im Sessel nieder zu lassen und zu einem guten Buch greife. Nur so nebenbei, ich lese gerade „Auf der Suche nach dem Gedächtnis“ von Eric Kandel und kann es nur empfehlen, auch für Nicht-Naturwissenschaftler und -Mediziner. Ich wüsste auch nicht warum ich ein schlechtes Gewissen haben sollte, wenn ich nicht laufe. Ich denke, ich kann getrost für mich behaupten, ein Leben zu führen, was meine Gesundheit unterstützt und da ich bis auf meine möglichen genetischen Faktoren keine kardiovaskulären Risikofaktoren (mehr) habe, ist auch der ungesunde Teil meines Lebens – meine Arbeit – kein Stressor im Sinne von Dysstress, also schlechtem Stress. Meine Bewältigungsstrategien funktionieren gut und ich laufe oder laufe auch nicht ohne Druck und ohne einen Leistungsanspruch an meinen Körper oder Geist ausser Spaß und Freude zu haben, was in der Vergangenheit allerdings auch schon schwer war 😉

Nein, mit dem schlechten Gewissen meine ich die Reaktionen, die ich oft aus meinem Umfeld als Reaktion auf meine Lauferei ernte. Ob unmittelbar beim Lauf, also irgendwelche Fremden, die kopfschüttelnd das Tun quittieren bzw. nachdem ich vorbei gelaufen bin über das vermeintlich gesundheitsschädliche Tun herziehen. Oft habe ich den Eindruck, dass sie beschämt wegschauen, kaum einer schaut mir in die Augen oder quittiert das meist freundliche Kopfnicken, welches ich zum Gruß benutze. Ist das Ausdruck der eigenen Betroffenheit? Ich habe immer den Eindruck, ich halte den Menschen dann einen Spiegel hin, klingt das jetzt überheblich? Ich hoffe nicht, ich bin nicht der Meinung, dass mein Weg der richtige ist, er ist nur für mich der Richtige. Haben diese Menschen ein schlechtes Gewissen, weil sie selbst ihre überschüssigen Pfunde und ihre Risikofaktoren nicht aktiv bekämpfen? So scheint es auf jeden Fall im familiären und freundschaftlichen Umkreis zu sein. es sind immer dieselben Personen, die mit mir über die angeblichen orthopädischen Schäden, die durch das Laufen verursacht werden diskutieren wollen. Dabei haben sie selbst ein sehr viel größeres Risiko für mögliche Arthrosen der großen Gelenke aufgrund von Übergewicht und Immobilität. Es gibt da diese eine Person, nennen wir sie mal Tante X, sie teilt mir immer wieder mit, wie wenig sie essen würde und dass sie trotzdem zunehme, meist erzählt sie das zwischen dem vierten und fünften Stück Kuchen. Das ist ein Paradoxon, oder? Komisch ist auch, dass sie seit vielen Jahren nach eigenen Aussagen konstant 98 Kilo wiege, allerdings ständig zunähme – laut eigener Aussage – und auch sichtbar weit über hundert Kilogramm wiegt. Sie versucht mir immer zu erzählen, wie schwer sie es habe und dass sie sich kaum noch bewegen könne und das alles sei nur wegen der Arthrose in den Knien und den Hüften, wenn ich dann entgegne, dass dies auch etwas mit dem Übergewicht zu tun hat, wird dies verneint, da ja das Gewicht konstant sei (sic!). Es ist ein Hamsterrad, ganz nebenbei muss ich mir dann auch noch anhören, dass mein Sport unnütz sei, da ich ja keine Gewichtsproblem habe und deshalb auch keinen Sport treiben müsse (sic!). Ich könnt mich wegschmeissen, ob der Sinnhaftigkeit dieser Gespräche 😎

Kommen wir zum Wichtigen, zum Laufen. Diese Woche war geprägt durch nächtliche Läufe durch Schneefall und auf vereisten Pisten, teilweise war der Wind eisig und ich hatte einmal sogar den Wunsch schnell nach Hause zu laufen, weil ich dachte ich müsse erfrieren. Dieser Gedanke war aber nach dem nächsten Anstieg wieder verschwunden. Ich hoffe, dass der Winter und insbesondere der Schnee noch ein paar Wochen anhält, denn für mich ist es einfach etwas Wunderbares und ob der Seltenheit aufs Jahr gesehen auch etwas sehr Genussvolles. Ein kurzer Clip zeigt die eher harmlosen Strecken, die ich aufgrund der spärlichen Lichtverhältnisse unter die Hufe nehme.

Gestern, heute und auch morgen durfte bzw. darf ich im Tageslicht laufen, was mir insbesondere gestern einen herrlichen Traillauf im Wald bescherte. Fast schon orientierungslos stand ich auf einmal in einem Bachbett und die Eiskäfer mussten beweisen wie viel Wasser sie abkönnen. Heute standen nur 90 Minuten Regeneration bei bewölktem Himmel und Tauwetter auf dem Laufprogramm, aber es war trotzdem nett, insbesondere da ich die ersten Kilometer mit meiner Liebsten laufen konnte. So, ohne ein schlechtes Gewissen werde ich noch etwas Schokolade verschlingen und die Beine hoch legen…

Salut