Archiv der Kategorie: Schneeregen

Kein Rückenwind

Wenn ich einen Lauf bei Wind beginne, versuche ich immer die Gegenwindpassagen am Anfang oder in der Mitte einzubauen, aber v.a. versuche ich das Maximum aus solchen Bedingungen heraus zu holen, sprich genießen und Spass haben. So oft kommt man im süddeutschen Hügelland nicht in die Lage Starkwind zu haben, deshalb bedarf es immer einer optimalen Planung. Heute frischte der Wind im Laufe des Vormittags böig auf und wehte beständig aus Südwesten, also musste der Lauf in diese Richtung beginnen, was allerdings erstmal sechs Kilometer Anlauf über asphaltierte Weinbergwege, teilweise steil bergan, bedeutete, bis dann endlich der Wald auf der Höhe erreicht wird. Tja, und diese Strecke hatte es ob dem Wind heute in sich. Auf der Halbhöhe war es am Schlimmsten, oder besser gesagt am Schönsten. 90% der maximalen Herzfrequenz und ich kam trotzdem kaum vorwärts, erst als sich der Weg näher an einen steilen Hang schmiegte, war wieder ruhiges bergan Laufen möglich. Ich schrie, ich lachte und verlangte nach mehr, aber es hatte den Anschein, dass der Wind meine Herausforderung ignorierte, sich zum Nachmittags-Tee begab und es wurde ruhig und fast windstill.

Alsbald verschwand ich dann im Wald und zog über matschige und nasse Trails und träumte vom Rückweg mit Rückenwind. Die folgenden Cross-Passagen waren nicht so heftig wie am Samstag, als es mir kurzerhand einen Schuh auszog und zwar mitsamt dem Strumpf :mrgreen: Was mir bisher noch nie passiert war.

Morast, Matsch und Hügel im Wald

Morast, Matsch und Hügel im Wald

Im noch kahlen Wald war dennoch der immer wieder aufkommende Nieselregen zu spüren, allerdings nicht so heftig wie zuvor in den Weinbergen, als die einzelnen Tropfen wie kleine Nadeln an den Wangen einschlugen und ein ganz besonderes massierendes Gefühl auf der Haut verursachten. Kurz bevor ich den Wald verlassen musste wehrte sich der Winter nochmal kurz mit einem heftigen Schneegraupel, nach drei Minuten war es dann aber auch schon wieder vorbei.

Die Erwartung auf einen Gratisflug nach Hause durch die Weinberge wurde dann bitter enttäuscht, kein Wind, allerhöchstens ein laues Lüftchen umspielte meine Wangen. Die Wolken am Himmel bewegten sich kaum und nur ein leichter und kontinuierlicher Nieselregen bescherte mir den notwendigen Spass beim Auslaufen. Dennoch, in der Summe waren es fast zwei Stunden einsames Vergnügen im Regen in der unmittelbaren Umgebung. Herrliche Gegenwinderlebnisse in den Weinbergen entschädigen für den entgangenen Rückenwind voll und ganz. Allerdings war ich dann etwas angefressen, als ich nämlich aus der Dusche stieg zeigte der Gevatter Wind wieder sein Gesicht und fing an, an den Läden zu zerren und pfiff sein alt bekanntes Liedchen, nicht mal auf den Wind ist mehr Verlass 😎

 

Salut

Christian

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Das „Neue“

Heute hatte ich endlich wieder Gelegenheit einen langen Lauf bei Sonnenschein anzugehen, aber die Lust war nur mäßig und irgendwie fühlte ich mich ausgelaugt und müde. Nicht dass ich anfange den Regen nicht mehr zu mögen, allerdings bin ich letzte Woche täglich bei Regen und Schneeregen durch eine mir unbekannte Stadt gelaufen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Von Madrid hatte ich im März etwas mehr Sonne erwartet, diese zeigte sich allerdings erst am Samstag und v.a. hatte ich nur Gelegenheit am frühen Morgen zu laufen, da hatte ich sowieso nichts von der Sonne, also eigentlich egal. Gelernt habe ich auch daraus, das Laufen in einer Großstadt ist nicht mein Ding 😉

Also bin ich heute mit müden Knochen und einem Kopf angefüllt mit Problemen, Fragen ohne Antworten und viel mentalem Ballast ganz ohne Ziel losgelaufen. Unterwegs begann aber mein Herz sich zu öffnen, wahrscheinlich durch die Kraft der Sonne und schon bald lief ich mit Freude und erleichtert durch die Weinberge stetig bergan und erreichte trotz eisig kaltem Gegenwind den Waldrand und war seit langem wieder gut am Schwitzen. Am Wald entlang und den Blick aufs Tal gerichtet mit den Weinbergen zu meiner Rechten lief ich auf der Höhe entlang, nach einer Woche in den FiveFingers mal wieder im guten alten inzwischen schon sehr ausgelatschten Asics Nimbus 11. Irgendwann bog ich links auf einen schmalen Trail ein, der mich weiter bergan in den Wald hinein führte, die Sonne wärmte meinen Rücken, denn hier blies der Wind ganz ordentlich. Ich merkte wie meine Gedanken kreisten und ich immer wieder zu einem für mich sehr wichtigen Thema zurück kehrte. Schon seit längerem merke ich, dass ich wieder an einem Punkt angelangt bin, wo eine Veränderung ansteht. Nachdem das letzte Jahr von Wechsel und Neuem dominiert wurde, hatte ich mir für dieses Jahr überlegt etwas mehr Ruhe in das Privatleben zu bringen. Familie und Laufen sollte wieder etwas mehr Raum bekommen. Doch das ist sehr schwierig in der momentanen Situation mit großer beruflicher Verantwortung und Belastung. Das Laufen nimmt viel Zeit in Anspruch und dafür müssen andere Dinge in die zweite Reihe ausweichen, was mir so nicht passt. Ich habe bereits im letzten November wieder mit Tai Chi Chuan begonnen, nachdem ich bereits vor über zehn Jahren mich sehr intensiv damit beschäftigt hatte, aber im Laufe von 2008 und 2009 habe ich mich davon entfernt. Jetzt hatte mich ein Buch wieder darauf gestoßen. Ein Freund hat mir ein Buch mit Namen Chi Running geschenkt, ich hatte es lange im Regal stehen lassen, da ich dachte es sei ein Buch wie Zen Running was mich 2009 masslos enttäuschte, da es nur pseudophilosophische widersprüchliche Inhalte hatte und kaum etwas Nützliches für meinen Laufalltag bereit hielt. Insbesondere brauchte ich keine fragwürdige religiöse Laufphilosophie, denn ich habe schon lange meine eigene Art, das Mentale mit dem Sport zu verknüpfen, was einer gewissen Dynamik unterliegt und ständig im Wandel ist. Trotzdem las ich das Buch im Oktober 2010 und war begeistert von dem – zwar sehr amerikanisch enthusiastisch ausgeschmückten – Gedanken mit noch mehr Erholung und Entspannung zu laufen. Als ich dann anfing mit den FiveFingers zu laufen mussten meine Umfänge zwangsläufig erstmal schrumpfen und ich merkte wie sich ein besseres Laufgefühl einstellte. Da ich nicht die Distanz als mein Ziel ansehe und keine Ambitionen habe mich in einen Wettkampf mit anderen oder gegen mich selbst zu stürzen, begann ich darüber nachzudenken, wie ich das Laufen für mich „neu“ entdecken könnte. Mit diesen Gedanken war ich in den letzten Wochen unterwegs und vor allem heute beschäftigte ich mich auf meinem Lauf damit.

Als ich im Wald unterwegs war und mich an dem Sonnenschein und der beginnenden Veränderung durch die frische und noch sehr junge Jahreszeit erfreute, wußte ich, dass ich die Antwort auf mein „Laufproblem“ bereits kannte. Ich beschloss einen Neubeginn zu versuchen, ich hatte das bereits 2006 durchgezogen und meinen Laufstil komplett autodidaktisch verändert, also warum nicht ein weiters Mal? Während ich Schritt für Schritt über Waldwege und schmale Pfade  unmerklich vorwärts strebte, hat sich in meinen Hirnwindungen ein Konstrukt entwickelt, was ein praktikabler Plan wurde. Ich werde einfach die Umfänge noch weiter herunterschrauben und dafür täglich laufen. Dann kann ich bereits morgens drei bis fünf Kilometer vor der Arbeit zurücklegen und eventuell trotzdem mit dem Rad in die Praxis fahren. Am Wochenende kann ich dann immer noch zu längeren Touren aufbrechen. Das müsste klappen und somit wäre das Zeitproblem unter der Woche gelöst. Falls ich es morgens, was ja ganz und gar nicht meine Laufzeit ist, nicht schaffe zu laufen, ist der Abend lang genug um 20-30 Minuten laufen zu gehen ohne die Familie zusätzlich zu belasten.

Chi Running ist keine Religion, sondern einfach ein effizienterer Laufstil, der mir ermöglichen soll noch mehr Entspannung auch auf kurzen Strecken zu bewerkstelligen ohne zusätzliches Krafttraining. Dazu dann noch einmal pro Woche abends zu meinem Tai Chi Meister, den ich glücklicherweise im Dezember gefunden habe. Ja, das sollte funktionieren ohne das ich mehr Zeit investieren muss. Ich werde es auf jeden Fall versuchen und wenn es nicht den gewünschten Zweck erfüllt, kann ich wieder zurück zu meinem bisherigen Lauferleben, das ist die Alternative. Ich sinnierte fast auf den gesamten folgenden 15 Kilometern darüber und merkte, wie ich selbstzufriedener wurde und sich ein großer Knoten in meinem Inneren löste. Nach 22 Kilometern verließ ich den Wald und machte mich auf den Weg auf Trampelpfaden an Obstwiesen vorbei zurück ins Tal und ich habe beschlossen bereits Morgen den Plan beginnen umzusetzen. Die ersten Übungen habe ich bereits verinnerlicht, so dass ich versuchen werde mit der notwendigen Selbstbeobachtung und der empfohlenen persönlichen Bewertung des Wohlempfindens die Sache anzugehen. Damit habe ich das genüssliche und gesunde Laufen mit den FiveFingers mit nochmals etwas „Neuem“ für mich verbunden. Nein, ich mache das nicht um möglichen Verletzungen vorzubeugen, sondern um das Maximum an für mich wichtigen Aspekten des Laufens effizient und strukturiert zu entwickeln. Ich werde berichten, wie es mir ergeht und wie ich damit klar komme. Ich bin selbst gespannt, ob ich überhaupt fähig bin, das Gelesene umzusetzen und zu kontrollieren und wie die Fortschritte – hoffentlich –  aussehen.

Zurück zum heutigen Lauf: nach 2 1/2 Stunden durfte ich mit den letzten Sonnenstrahlen wieder zuhause ankommen. Erstaunlich waren nicht die vielen Höhenmeter oder die gelaufenen Kilometer, sondern nur die gemachten Entschlüsse und das theoretische Vorhaben, das während des Laufs Gestalt angenommen hat und mir praktikabel erscheint. Und für alle Zweifler, ich werde es versuchen, scheitern kann ich nicht, denn der Weg zurück ist da ohne das ich einen Verlust einstreichen müsste. Für mich ist es ein Weg….

Salut


Trailwetter oder vor den Trail hat Shiva die Weinberge gesetzt

Die Entscheidung fiel heute leicht, wenn es darum ging, wo und wie ich laufen wollte. Es war bewölkt, immer wieder Nieselregen und in den Tälern ca. 4-5°, auf der Höhe war es gut 5° kühler und damit musste damit gerechnet werden, dass noch ausreichend Schnee oder zumindest Schneematsch liegt. Also musste ich den richtigen Schuh auswählen, denn ich wollte mich nicht quälen, sondern einfach nur genießen und die einsamen Trails im Wald erkunden. Ich entschloss mich daher gegen den Eiskäfer und für die Trailschuhe, was sich schlussendlich auch als richtig erwies. Der Lauf heute sollte alles haben, ich hatte das Vergnügen mit Beton, Asphalt, Schnee, Eis, Matsch, glitschigen Steinen, gepflügte schneebedeckte Felder und natürlich schöne überflutete Feldwege, vor allem auf den letzten Kilometern. Da war mir dann aber sowieso alles egal.

Den religiösen Anklang im Titel habe ich etwas modifiziert, da ich bekannterweise Agnostiker bin, tu ich mich etwas schwer mit solchen Anleihen, aber wäre ich ein gläubiger Mensch, wäre ich wahrscheinlich Hindu, aber da Shiva in der Übersetzung ja der Glückverheißende bedeutet, passte er heute irgendwie ganz gut.

Um kurz nach zwei heute mittag ging es dann los, zuerst über die sanften Hügel auf regennassen Wegen gen Weinberge, nach ca. 30 Minuten ging es dann an den ersten Anstieg bis hinauf in den Wald auf betonierten und asphaltierten Wegen, nach 200 Höhenmetern hatte ich den Schurwald erreicht und konnte auf Waldwegen die Füße ausruhen, denn hier gab es eine feine Schneedecke auf viel braunem Waldlaub, was ich einfach als sehr angenehm empfinde um darauf zu laufen. So schlängelte sich mein Weg durch den Wald an den Hängen der Ausläufer des Schurwalds entlang. Die ersten Trailabschnitte begannen auf halber Höhe im Wald und ich freute mich richtig aufs „einsauen“ 😎


Ich musste dann quer über das vor mir liegende schneebedeckte und gepflügte Feld laufen, da der Weg am Rand hoffnungslos unter Wasser stand, meine Sprunggelenke jaulten, allerdings habe ich das Gefühl seit meiner Bänderdehnung im September diesen Jahres ist mein rechtes Sprunggelenk irgendwie elastischer und deshalb nicht mehr so empfindlich. Nach dem Feld tauchte ich dann wieder in den Wald ein und lief immer knapp hundert Meter parallel zur Waldgrenze auf herrlich matschigen und durchgeweichten schmalen Trampelpfaden. Ich jauchzte und sprang teilweise von Schlamminsel zu Schlamminsel um nicht in den Fluten unterzugehen. Immer wieder waren die Pfützen gut zwanzig Zentimeter tief und damit definitiv bei 0-1°C zu ungemütlich für meine Füße. Ich fühlte mich zunehmend beobachtet und hörte deshalb auf vor mich hin zu sabbeln, nachdem ich den Wald verliess wurde ich dann auch aufgeklärt, warum ich dieses Gefühl hatte als wenn mich jemand verfolgte: am Waldrand lagen gut und gern zehn geschossene Füchse im Schnee und es standen viele Menschen herum, teilweise mit gelben Warnwesten, da bin ich mal froh, dass ich heute keinen Pelzkragen trug, sonst hätte ich vielleicht einen nicht so tollen Lauf erlebt. Zur Jagd sag ich mal nix, bin da etwas zwiegespalten…

Mein Weg führte mich jetzt quer über die kahle Ebene und der Wind pfiff kräftig, auf den Rad- und Forstwegen lagen ca. 15 Zentimeter Schnee respektive Schneematsch und erforderten etwas Geschick beim laufen, allerdings waren dazwischen immer wieder Strecken mit ausgefahrenen Spuren, so dass sich die Beinchen erholen konnten. Nach etwas über zwei Stunden ging es dann auf der anderen Seite des Schurwalds hinunter ins Tal, der Schnee wurde weniger, die Wege weicher und tiefer durchnässt und es begann zu regnen. Auch noch Regen…ich jubilierte, einfach das volle Repertoire, nichts fehlte ausser ein kräftiger Sonnenstrahl. So trabte ich durch den Wald abwärts und mir liefen die Tropfen des recht kühlen Nass übers Gesicht. Auf der Talsohle angekommen lief ich an einem normalerweise sehr ruhigen Bächlein entlang, welches allerdings fast ein reissender Gebirgsfluss geworden war, die Brücke, die für Fußgänger gedacht ist war an den Rändern bereits geflutet und der parallel zum Bach verlaufende Weg war unbenutzbar, weshalb ich einfach die etwas weniger stark überschwämmte Wiese benutzte. Eigentlich war es mir egal, noch knappe 25 Minuten, dann bin ich zuhause, ob die Füße dann nass und kalt sind ist unwichtig. Zuhause angekommen war ich dann doch etwas fertig, obwohl ich es in den letzten fünfzehn Minuten einfach ausrollen habe lassen. Das war seit vielen Monaten ein Lauf an die drei Stunden Marke, hätte nicht gedacht, dass ich das bei diesen Bedingungen packe. Die Dunkelheit umfing mich bereits als ich die Haustür erreichte und nach einem kurzen abduschen genoss ich ein ausgiebiges Bad mit vielen Kräutern und Blüten, so dass ich eigentlich schon wieder los könnte 😎

Salut


Kontrastprogramm

Letztes Wochenende war ich noch bei strahlendem Sonnenschein und zweistelligen Plusgraden unterwegs und habe bei knapp 20°C schon den Sommer zurück kehren gesehen, im Laufe der Woche hat dann langsam aber mit Macht der November Einzug gehalten. Mir wurde gestern ein herrlicher Regenlauf zuteil, quer durch die Weinberge bei angenehm kühlen 5°C. Allerdings hüllte mich nach 90 Minuten die Dunkelheit ein und leider auch ein leichtes frösteln an den Fingern, da die Windstopper-Handschuhe total durchnässt waren, also habe ich den Heimweg angetreten und mich bereits auf den heutigen Lauf gefreut.

Es war etwas Besonderes, ja fast schon etwas Magisches am heutigen Tag. Ich habe den Lauf bis zum Nachmittag hinaus gezögert und bin dann bei strömendem Regen an der Haustür los ohne ein konkretes Ziel vor Augen ausser  die nächsten ein bis zwei Stunden nur zu geniessen, mir huschte schon zu Beginn ein Lächeln übers Gesicht, welches auch nicht mehr weg zu bekommen war. Also auf in die Weinberge und stetig bergan Richtung Schurwald. Oben angekommen, war mein „Motor“ richtig warm und es lief wie von selbst, meine Beine zogen mich in den Wald und ich lief quer zu den Weinbergen durch den Wald, etwa 50 Höhenmeter unterhalb des Höhenkamms. Der Weg war richtig durchnässt und der feine Schotter fast vollständig von klitschigem Laub bedeckt, so zogen sich die nächsten 20 Minuten hin und ich war mit meinen Gedanken weit fort. Als ich mich dann entscheiden musste ob ich den Wald verlasse und durch die Weinberge zurück schlurfe oder einen matschigen Trail einschlage war die Entscheidung rasch gefallen bzw. ich dachte gar nicht nach und lenkte nach scharf links weiter in Richtung auf die Höhe. Es wurde mühsam durch den schweren Matsch und Dreck bergan, aber ich fand eine Spur, die noch etwas Grip hatte durch eine kurze Grasnarbe. Mitten auf dem Trail bildete sich bereits ein kleiner, schnell fliessender Bergbach, der in die Tiefen des Walds eilte. Am Ende des Trails stand dann der Radweg am Waldrand, dem ich einige hundert Meter folgte um dann wieder auf einen Trail zurück in den Wald zu folgen. Es konnte nur noch der Rand des ausgetretenen Trails benutzt werde, da alles knöcheltief mit schwerem Matsch angefüllt war, teilweise wurde der Rand sehr schmal und ich hatte die Arme weit in der Luft zum Balancieren. Aber ich liess es richtig laufen und viel zu schnell war ich wieder auf Schotter befestigten Waldwegen. Ich sah schon aus wie mit brauner Farbe besprüht, also die nächste Möglichkeit genutzt wieder einen Trampelpfad durch den Wald nach oben. Und jetzt passierte es, der Regen wandelte sich in Schneeregen, es fielen zwischen den Regentropfen die ersten eisigen fast schon Nadelkopf großen „Flocken“. Ich musste herzhaft lachen und reckte mein Gesicht zu den Wolken empor, herrlich. Ich wollte nicht mehr aufhören zu laufen, weshalb ich meinen Zick-Zack-Kurs durch den Wald fortsetze bis ich mehr Schmutz an mir hatte als Schweiss. Mit gefühlten zwei Kilo Ballast machte ich mich dann auf den Heimweg durch die Weinberge und je mehr Höhe ich verlor umso weniger dicht wurde der Schneeanteil und im Tal war es dann wieder „nur“ Regen.

Manchmal passt einfach alles und die Füße lenken einen genau zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Ort, genau so eine Situation durfte ich heute erleben und die anschliessende Dusche war gleich viel intensiver und die Körperreinigung folgte der des Geistes 😎

Salut